Kevins Nebelgeistertheater

Wer bleibt schon gerne bei Nebel alleine zuhause?

Draußen ist es seit einigen Tagen trübe und nebelig trist. Kevin fühlt sich gar nicht wohl, wenn er von der Schule nach Hause geht. Gruselig ist dieser Nebel. Die kahlen Bäume sehen so gespenstisch aus wie Geister. Noch grausiger ist es, als Kevin abends am Fenster sitzt. Nur verschwommen sieht er die Lichter der Straßenlaternen aufblinken. Sie scheinen sich zu bewegen.
‚Das sind Geister, die auf den Laternen hin und her schaukeln‘, denkt Kevin.
Als die Laterne neben der Bäckerei gegenüber gerade wieder so komische Lichtblitze zu ihm heraufschickt, beginnt ein Hund laut und kläglich zu heulen.
„Uaaa!“, heult der Hund, und es klingt, als sei er ein einsamer, hungriger Wolf.
„Uaaa!“, heult auch Kevin. Schnell saust er zu seinen Eltern. Um keinen Preis bleibt er jetzt noch alleine.
Heute aber ist es nicht gemütlich im Wohnzimmer wie sonst. Papa und Mama diskutieren wegen der Theaterkarten.
„Ich habe keine Lust, ins Theater zu gehen“, brummelt Papa gerade. „Eine Kinokarte wäre mir lieber.“
„Banause“, sagt Mama. Sie lacht.
„Nervensäge“, mault Papa, und seine Stimme klingt fast so kläglich wie die Stimme des heulenden Hundes draußen im Nebel.
Mehr hört Kevin nicht mehr. Mit klopfendem Herzen schleicht er in sein Zimmer zurück. Morgen ist Theaterabend? Das bedeutet, er muss an einem Geisternebelabend alleine zu Hause bleiben und Mama würde „Du bist doch ein großer Junge!“ sagen. Oh nein!
In dieser Nacht träumt Kevin von Wintergeistern und Wölfen, die vor seiner Zimmertür stehen und gemein heulen. Als Kevin nach dieser schlimmen Traumnacht aufwacht, hat er eine Idee.
„Du, Papa“, fragt er später vorsichtig. „Da gibt es doch dieses Theaterstück heute Abend! Meine Lehrerin hat große Lust hinzugehen, aber sie hat keine Karten mehr bekommen. Blöd, nicht?“
„Gar nicht blöd“, sagt Papa, und seine Stimme klingt sehr erleichtert. Er kramt in seiner Brieftasche und reicht Kevin die Theaterkarten. „Bitteschön, mein Sohn! Auch einer Lehrerin kann man ja einmal etwas Gutes tun, nicht?“
Und wie zwei Verschwörer grinsen sich Kevin und Papa an.

© Elke Bräunling

Aus dem Buch: Omas Herbstgeschichten


Taschenbuch:Omas Herbstgeschichten: Geschichten und Märchen zum Herbst für Kinder
Ebook mobi:Omas Herbstgeschichten: Geschichten und Märchen zum Herbst
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Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

21. Oktober 2015 von Elke
Kategorien: Abenteuergeschichten, Familiengeschichten, Herbstgeschichten, Mutgeschichten, Wintergeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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