Herbstlaunen und Quälgeister

Schlechte Laune. Da hilft ein Trick

Anna hat schlechte Laune. Das Herbstnebelwetter ist doof. Auch Mama meckert dauernd und verlangt Dinge, wozu Anna keine Lust hat: Zimmer aufräumen zum Beispiel oder Flöte üben oder bei dem blöden Wetter an die frische Luft gehen.
„Warum meckerst du immer mit mir?“, schimpft sie und zieht einen Schmollmund.
„Weil du immer das Gegenteil von dem machst, was man dir sagt. Ein Quälgeist bist du heute.“ Mama guckt jetzt auch wütend.
Anna spürt, wie sich die schlechte Laune als dicker Kloß in ihrem Bauch festsetzt.
„Und du sagst dauernd, ich mache alles verkehrt und du machst alles richtig.“ Sie stampft mit dem Fuß auf. „Aber jetzt tu ich einfach das Gegenteil. Dann bist du nicht mehr maulig mit mir.“
„Hm?“ Mama stutzt. Dann nickt sie. „Okay. Tun wir das Gegenteil von dem, was wir sagen.“ Sie reicht Anna ein Glas Milch. „Magst du dieses Stück Kuchen essen?“
„Nein.“ Anna nimmt das Glas und trinkt es aus. „Jetzt gehe ich in mein Zimmer und übe Flöte.“ Sie nimmt den Ball und geht zur Tür, die in den Garten führt.
Draußen dämmert es schon und das sieht im Nebel ein bisschen unheimlich aus.
„Gute Idee“, sagt Mama. „Die Frühlingssonne scheint herrlich. Zieh am besten deinen Pullover aus, damit du nicht schwitzt.“
Anna nickt und zieht sich ihre warme Jacke über den Pullover. „Draußen ist es sehr heiß.“
„Vergiss den Hut nicht! Du musst dich vor den Sonnenstrahlen schützen.“ Mama reicht Anna den Sommersonnenhut.
„Okay.“ Anna stülpt sich ihre Wollmütze über den Kopf.
„Schuhe brauchst du nicht“, meint Mama. „Barfuß laufen ist gesund für die Füße.“
„Und wie“, sagt Anna und zieht sich ihre Stiefel an.
Da fällt Mama noch etwas ein: „Sei doch bitte so nett und pflücke im Vorgarten einen Frühlingsblumenstrauß. Die Erde ist dort trocken und du kannst prima barfuß laufen.“
Anna nickt und geht in den Gemüsegarten. Die Erde dort ist matschig. Zufrieden patscht Anna durch die Pfützen, dass der Schlamm nach allen Seiten spritzt. Das macht Spaß!
Sie überlegt, ob sie einen bunten Blätterstrauß pflücken soll. Lust dazu hätte sie ja und ihre schlechte Laune hat die frische Luft einfach – pffft – weg in die Nebelwelt geblasen. Aber sie kann keinen Strauß pflücken. Schließlich muss sie das Gegenteil von dem zu tun, was Mama sagt. Also beschließt sie, einen Kürbis, dem sie im Sommer beim Wachsen zugesehen hat, mitzunehmen. Für eine Kürbissuppe und für eine Kürbislaterne.
Der Kürbis ist schwer und Anna hat mächtig zu schleppen. Da hört sie Mama plötzlich rufen: „Pass auf, Anna. Da kommt ein Geist! Ein Frühlingssonnengeist!“
Mit klopfendem Herzen späht Anna um die Ecke. Es ist Papa, der nach Hause kommt.
„Oh, ein böses Herbstnebelmonster!“, schreit Anna. „Hilfe! Zu Hilfe!“
Sie legt den Kürbis vorsichtig auf den Boden und stürmt lachend in Papas ausgebreitete Arme.
„Hallo Papa“, flüstert sie. „Mama spinnt heute. Sie sieht Geister.“ Sie grinst. „Quälgeister“.

© Elke Bräunling

Aus dem Buch: Omas Herbstgeschichten


Taschenbuch:Omas Herbstgeschichten: Geschichten und Märchen zum Herbst für Kinder
Ebook mobi:Omas Herbstgeschichten: Geschichten und Märchen zum Herbst
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Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

26. Oktober 2015 von Elke
Kategorien: Familiengeschichten, Geschichten über Gefühle, Herbstgeschichten, Naturgeschichten, Spaßgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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