Ein guter Freund

Streit mit Freunden ist doof

Liv muss für die Schule einen Aufsatz schreiben. Einen Aufsatz mit mindestens zehn Sätzen über das Thema: ‚Ein guter Freund‘.
„Was kann man über gute Freunde schon viel schreiben? Und das auch noch in zehn langen Sätzen?“
Liv ist schlecht gelaunt. Mit ihren Freunden hat sie gerade nichts am Hut nach dem Streit gestern auf dem Spielplatz. In der Schule haben sie heute weiter gezankt, bis Frau Starke wütend „Schluss jetzt!“ gebrüllt hat. So sauer ist sie gewesen, dass die Schüler der 2b nun diesen Aufsatz schreiben müssen.
„Bäh!“ Liv schlägt ihr Schulheft auf. Sie überlegt, dann fängt sie an zu schreiben:
„Ich habe keinen guten Freund. Also kann ich über einen guten Freund nichts schreiben. Nur über schlechte Freunde kann ich etwas sagen. Schlechte Freunde sind gemein, weil …“
Liv weiß nicht weiter. Sie zählt die Sätze. Drei Sätze und einen halben stehen auf dem Papier, doch kein Satz erzählt etwas über einen guten Freund. Egal. Liv streicht das Wort ‚weil‘ in dem halben Satz und setzt einen Punkt hinter ‚gemein‘. Nun hat sie vier Sätze. Soll sie schreiben, warum schlechte Freunde gemein sind?
Liv überlegt. Warum nicht?
„Wenn’s doch wahr ist!“, murmelt sie und schreibt gleich alles auf, was gestern auf dem Spielplatz passiert ist und warum sie sich mit ihren Freunden gestritten hat. Sie schreibt und schreibt und kann auf einmal gar nicht mehr damit aufhören. Über jeden ihrer Freunde schreibt sie viele Sätze. Es sind zuerst schimpfende Sätze, in denen Liv erklärt, warum alle gemein sind. Je länger sie das aber erklärt, umso leichter fühlt sie sich. Beim Schreiben nämlich fühlt sich all das, was sie gestern so sehr geärgert hat, überhaupt nicht mehr böse und gemein an. Nein, albern irgendwie. Und auch ein bisschen zum Lachen.
Liv schaut ihren Aufsatz an. Der ist nun schon fast zwei Seiten lang. Sie grinst. Dann klappt sie das Heft zu.
„Doof ist das alles. Darüber muss man doch nicht streiten.“
Und weil sie dies unbedingt gleich mit ihren Freunden besprechen will, läuft sie zum Spielplatz hinüber. Ihre Freunde sind schon da. Mit ihren Aufsatzheften. Sie grinsen auch. Über die Aufsätze, die sie geschrieben haben und über den Streit, der eigentlich gar keiner gewesen ist.
Warum haben sie gestritten? Na, das kann Frau Starke morgen selbst nachlesen. Oder auch nicht. Viel wichtiger ist jetzt, Versöhnung zu feiern und einander zu versprechen, nie wieder wegen Kleinkram so schlimm zu streiten.
© Elke Bräunling

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

11. November 2015 von Elke
Kategorien: Familiengeschichten, Freundschaftsgeschichten, Geschichten über Gefühle, Schulgeschichten | Schlagwörter: , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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