Der kleine Bär und der erste Nebeltag

Eines Morgens sah der kleine Bär nur noch „grau“

Als der kleine Bär eines Herbstmorgens aus der Bärenhöhle trat, erschrak er. Er rieb sich über die Augen, schaute wieder und sah … nichts. Die Welt war über Nacht grau geworden. Grau und nass und kalt. Und es war so seltsam still. Nur ab und zu knackte es leise und eine Eichel oder ein trockenes Herbstblatt fielen zu Boden.
„Das ist bestimmt nur ein böser Traum“, brummte der kleine Bär.
Er fuhr sich mit den Tatzen über die Augen, doch das Grau war noch immer da. Irgendwie kam es sogar immer näher, so dass der kleine Bär fast keinen Schritt weiter sehen konnte.
„Haben wir einen Grautag heute?“
Der kleine Bär spähte in das fremde Grau hinein, tapste noch einen Schritt und noch einen immer weiter dorthin, wo gestern noch die drei mächtigen Eichen ihren Platz gehabt hatten.
„Würde mich nicht wundern, wenn dieses Graudings die Bäume aufgefressen hätte.“
Vor lauter Wundern vergaß der kleine Bär seine Furcht. Er lief weiter dorthin, wo er gestern unter den Eichen gespielt hatte.
Bums! Hart knallte er auf einmal mit dem Kopf an den Stamm der mittleren Eiche.
„Aua!“ Der kleine Bär rieb sich die schmerzende Stirn. „Das hat weh getan.“
Fast vorwurfsvoll klopfte er mit der Tatze an den Baumstamm. „Das ist nicht nett von dir. Sag, warum versteckst du dich vor mir, du Baum, du?“
Die Eiche schwieg. Nur ganz sacht raschelten ihre Blätter, die der Herbst, dieser unsichtbare Geist, in den letzten Wochen erst gelb und dann braun gefärbt und dann getrocknet hat.
Leise sirrten sie: „Das ist Nebel-Nebel-bel-bel-bellll …“
Der kleine Bär dachte nach.
Ob der Herbst, dieser fremde Kerl, dieses Grauzeugs geschickt hatte so wie er auch die Blätter bunt bemalt hatte? Seltsam.
„Ich glaube“, murmelte er, „ich muss noch viel lernen. Morgen. Heute fühle ich mich – irgendwie – etwas grau.“
Und vorsichtig tastete er sich zurück zur Höhle und kuschelte sich in seine Schlafecke.

© Elke Bräunling

Die lange Fassung dieser Geschichte findest du hier: Der kleine Bär und der graue Traum

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

13. November 2015 von Elke
Kategorien: Abenteuergeschichten, Geschichten über Gefühle, Gutenachtgeschichten, Herbstgeschichten, Tiergeschichten, Traumgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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