Der Weihnachtsmann und seine Gehilfen

Einmal hatten sie ihn ausgetrickst, die Gehilfen des Weihnachtsmannes

Als es auf Weihnachten zuging, stellte der Weihnachtsmann fest, dass er in diesem Jahr keine Lust hatte, Weihnachtsmann zu sein.
„Ist denn schon wieder Weihnachten? Oh, wie schnell doch die Zeit vergeht!“, rief er mit klagender Stimme. „Ich bin noch nicht bereit. Ja, eigentlich fühle ich mich viel zu müde und möchte in aller Ruhe weiter schlafen.“
Seine Gehilfen aber waren anderer Meinung.
„Schlafen? Das geht nicht“, sagte Packengel Fritz. „Müde dürfen wir nicht sein. Was würden die Kinder sagen?“
„Du bist nur faul“, meinte Wunschengel Hein, und Backengel Wendelin fragte:
„Soll Weihnachten ausfallen?“
„Das Fest kann auch einmal ohne mich stattfinden. Ich bin noch ganz kaputt vom letzten Mal“, gähnte der Weihnachtsmann. „Was habe ich mich abschleppen müssen! Die Wünsche der Kinder werden aber auch immer größer und schwerer.“
Er dachte an den Wunschzettelberg, der sich in Wunschengel Heins Zimmer stapelte. „Ich habe den anstrengendsten Job auf der Welt.“
Der Weihnachtsmann kuschelte sich in seinen Sessel und schlief wieder ein.
Weihnachten rückte näher und der Weihnachtsmann blinzelte. So gemütlich, still und kuschelig warm war es im Weihnachtsmannhaus! Und so träge fühlten sich seine Glieder an! Nein, hier würde er bleiben. Und als seine Gehilfen ihn aufzuwecken versuchten, tat er, als schliefe er tief. Ein bisschen schnarchte er sogar dabei.
Groß war da die Aufregung unter seinen Gehilfen.
„Was für ein Unglück! Er muss aufwachen“, riefen sie. „Weihnachten ohne Weihnachtsmann? Das kann nicht sein.“
„Längst müsste er unterwegs zu den Kindern sein“, schimpfte Packengel Fritz.
„Er scheint sie vergessen zu haben. Und an uns denkt er auch nicht!“, ärgerte sich Backengel Wendelin. „Dabei habe ich mir beim Backen so viel Mühe gegeben.“
„Und ich habe wie in jedem Jahr wochenlang alle Wunschzettel geöffnet, gelesen, sortiert“, rief Wunschengel Hein. „Was war es für eine Arbeit, all die Wünsche zu erfüllen!“
Packengel Fritz nickte. „Und ich habe alle Geschenke hübsch verpackt.“ Er zerrte am Arm des Weihnachtsmannes. „Los, Alter, steh auf!“
Der Weihnachtsmann aber knurrte nur unwillig und tat, als schliefe er.
„Wir müssen etwas unternehmen.“ Die Gehilfen wurden immer nervöser. „Wir dürfen die Kinder nicht enttäuschen.“
Aber was? Lange dachten die drei nach.
Dann hatte Wunschengel Hein eine Idee:
„Lasst uns in diesem Jahr zu den Kindern gehen!“, schlug er vor.
„Prima!“, rief Packengel Fritz, und Backengel Wendelin fügte hinzu:
„Das wollte ich schon immer einmal tun, doch der Alte hat mich ja nie mitgenommen.“
„Genau“, stimmte Packengel Fritz zu. „Zu gerne würde ich die Kinder belauschen und ihnen beim Päckchen auspacken zusehen.“
„Ihr habt recht“, meinte Wunschengel Hein. „Eigentlich ist es ein Glück, dass unser Boss keine Lust zum Arbeiten hat. Ein Glück für uns. Wirklich und wahrhaftig.“
„Ja“, riefen die drei Weihnachtsmanngehilfen. „Wirklich und wahrhaftig. Ein Glück!“
„Glück?“, brummte da plötzlich die Weihnachtsmannstimme unwillig vom Sessel herüber. „Wer hat Glück? Ich?“
Der Weihnachtsmann sah seine Gehilfen streng an. Dann polterte er los:
„Das habt ihr euch fein ausgedacht. Oh nein! So geht das nicht! Ein schönes Unheil würdet ihr bei den Kindern anrichten. Ihr habt doch gar keine Ahnung von meinem Job. Der Weihnachtsmann bin ich, und ich werde es auch bleiben. Ist das klar?“
„K-k-klar“, stammelten die Gehilfen mit reuigen Gesichtern.
„Dann ist ja alles in bester Ordnung“, brummte der Weihnachtsmann.
Er stand auf, zog seinen roten Mantel an und bückte sich nach seinen Stiefeln. Ja, und dabei übersah er doch glatt, wie sich seine Gehilfen zugrinsten und einander leise „Ausgetrickst! Juchhu! Wir haben ihn ausgetrickst!“ zuflüsterten.
Das war auch besser so, nicht wahr?

© Elke Bräunling

Oh, das ist ja noch einmal gut ausgegangen. Dann aber kam später jenes Jahr, in dem der Weihnachtsmann auch keine Lust hatte, Weihnachtsmann zu sein. Er war nämlich wirklich sehr müde und hatte das Weihnachtsfest glatt verschlafen. Wie diese Geschichte endete, könnt ihr hier nachlesen: Als der Weihnachtsmann Weihnachten verschlief

Der Weihnachtsmannjob ist aber auch wirklich sehr anstrengend. Aber er ist auch aufregend und sehr sehr sehr schön. Ihr könnt den Weihnachtsmann auf seine Reise begleiten in dem Buch “Die Weihnachtsreise“:


Taschenbuch: Die Weihnachtsreise: Ein Adventsmärchen für 24 Tage
Ebook Die Weihnachtsreise – Ein Weihnachtsmärchen.: Wunschkind, Pia und Pit erleben ein unvergessliches Weihnachtsfest

Information

Die Weihnachtsreise – Ein Advents- und Weihnachtsmärchen für Kinder
Morgen ist Nikolaus. Pia und Pit putzen eifrig Papas Stiefel – schließlich geht da viel mehr rein als in ihre eigenen Schuhe! Sie ahnen nicht, dass an diesem Abend ein großes Abenteuer auf sie wartet. Wollt ihr erleben, wie Wunschkind zu ihnen kommt und die beiden auf eine große Reise zum Weihnachtsmann mitnimmt? In Papas Stiefeln geht es rund um die Welt. Ihr lernt den Weihnachtsmann, Väterchen Frost und Babuschka kennen, Julklapp, wuselige Wichtel und viele mehr. Und wollt ihr wissen, wie in Australien Weihnachten gefeiert wird? Mitten im Sommer? Und in England? In Spanien? In Polen? Und… Ach was – kommt einfach mit auf die wunderbare Weihnachtsreise von Pia und Pit! Aber Psst!
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Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

10. Dezember 2015 von Elke
Kategorien: Märchen, Weihnachtsgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , | 3 Kommentare

Kommentare (3)

  1. Das erinnert an das Gedicht von Goethe: ‚Der Zauberlehrling‘. 😉

  2. Echt? Was für ein schöner Vergleich. Ich dank dir,
    und gehe gleich mal den Zauberlehrling suchen.
    Lieber Gruß zu dir <3
    Ele

  3. Pingback: Als der Weihnachtsmann Weihnachten verschlief | Elkes Kindergeschichten

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