Die kleine Waldmaus und die Decke aus Schnee

Als die kleine Waldmaus im Winter von der Waldwiese träumte und diese suchen wollte

Wieder einmal war die kleine Waldmaus aus dem Winterschlaf erwacht. Sie hatte geträumt von der Waldwiese und von ihren Freunden. Gespielt haben sie miteinander und Spaß gehabt und die Sonne haben sie sich auf die Bäuche scheinen lassen. Schön war es gewesen. Schön und sonnenstrahlenwarm.
Warm war es auch im Mausebau in der Schlafhöhle. Wie auf der sonnigen Waldwiese.
Vielleicht war der Winter, der so kalt und kahl und weiß sein soll, längst vorüber?
„Ob sie wieder da ist, die Sonne?“, murmelte die kleine Waldmaus und mit einem Mal konnte sie an nichts anderes mehr denken.
Ja, die Sonne aus dem warmen Traum möchte sie haben. Jetzt!
Und sogleich trippelte sie zum Ausgang der Schlafhöhle. Leise, ganz leise wollte sie sich auf den Weg durch den langen Tunnel zum Höhlenausgang machen und nach der Sonne Ausschau halten. Für einen klitzekleinen Augenblick nur.
„Es ist Winter, kleine Maus“, mahnte Opa Maus. „Du darfst den Mäusebau nicht verlassen. Das ist gefährlich.“
„Gefährlich?“, fragte die kleine Waldmaus. „Wie gefährlich?“
„Weißgefährlich. Die Winterwelt ist kalt und weiß und voller Schnee und Eis.“
„Ich habe aber von der Sonne geträumt“, erwiderte die kleine Waldmaus. „Ganz warm ist mir nun. Bestimmt, weil es auf der Wiesenwelt längst auch wieder warm und hell und freundlich ist.“
„Schnee und Eis sind auch hell und freundlich“, erwiderte Opa Maus. „Und gefährlich. Sie zaubern die Kälte so schnell in deine Glieder, dass du dich bald nicht mehr bewegen kannst. Du wirst müde, bleibst liegen in dem kalten Schnee und schläfst ein. Ein Schlaf, aus dem du nicht mehr erwachen wirst. Pass also auf, kleine Maus, und bleib im warmen Winterhaus!“
„Oh!“ Mit großen Augen starrte die kleine Waldmaus Opa Maus an.
„Ich glaube“, sagte sie schließlich, „ich mag das Winterkalt mit seinem Schnee nicht leiden.“
„Keiner von uns liebt das Winterkalt, doch Schnee ist wichtig. Er legt sich wie eine glitzerweiße Decke auf Wiesen und Felder, Blumen und Baumwurzeln und schützt das Land vor dem großen Winterfrost“, erklärte Opa Maus.
„Glitzerweiße Decke?“, fragte die kleine Waldmaus und ihre Äuglein funkelten schon wieder neugierig. „Das stelle ich mir schön vor.“ Sie überlegte. „Und diese schöne glitzerweiße Decke schützt auch unseren Mäusebau. Das ist prima. Jetzt aber bin ich wieder müde. Weckst du mich, wenn das Winterkalt eine Pause macht, Opa Maus? Vielleicht kann ich sie ja dann doch einmal sehen, diese Decke aus Schnee. Und die Sonne.“
Und ehe Opa Maus darauf etwas erwidern konnte, war die kleine Waldmaus wieder eingeschlafen. Sie träumte von einer kuschelig warmen Schneedecke, von der Waldwiese und ihren Freunden und von der Sonne.

© Elke Bräunling

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

05. Januar 2016 von Elke
Kategorien: Gutenachtgeschichten, Naturgeschichten, Tiergeschichten, Traumgeschichten, Wintergeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , | 13 Kommentare

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