Als der kleine Wintergeist die Fastnachtsnarren suchte

Einmal suchte der der kleine Wintergeist die Fastnacht und ihre Narren vergebens

„Der Winter! Er gehört mir. Und ich passe auf, dass mir keiner in die Quere kommt. Schon gar nicht der Frühling, dieser drängelnde Narr. Und schon dreimal nicht die Menschen, die nicht wissen, was sie wollen. Erst sehnen sie mich herbei und begrüßen mich mit Jubel und Freude. Wenig später fühlen sie sich genervt und wollen mich wieder verjagen. Laut rufen sie nach Sonne, Wärme und Blumenwiesen. Ha! Nicht mit mir. Jetzt ist Winter und es soll Winter bleiben. Dafür werde ich sorgen. Hört ihr?“
Der kleine Wintergeist starrte von seiner Berghöhle auf das verschneite Land hinab und drohte mit der Faust.
„Hört ihr mich?“, rief er noch einmal, lauter nun.
Doch da war niemand, der ihm antwortete. Kein Mensch, kein Tier, kein Baum, kein Strauch. Nicht einmal die Wolken, die tief am Himmel hingen, regten sich. Es waren stille, träge, frostige Tage in diesem Februar. Zu still und träge und das war der kleine Wintergeist nicht gewohnt in diesem sonst so lauten und bunten Monat.
„Hey, ihr Clowns, Cowboys, Indianer, Geister, Gespenster, Ritter, Piraten, Hexen und Prinzessinnen mit euren grinsenden Gesichtern und bunten Gewändern!“, rief er ins Städtchen hinunter. „Wo steckt ihr? Ihr macht mir doch sonst mit eurer lärmenden Musik und dem grässlichen Gesang das Leben schwer. Zieht ihr dieses Jahr nicht durch die Straßen und singt euer Schmählied, das mich verjagen soll? Ha! So heißt es doch, oder?“
Der kleine Wintergeist begann zu singen.
‚Wir treiben nun den Winter fort aus diesem Faschingsnarrenort‘.
Seine Stimme klang spöttisch. „Laut gesungen und gebrüllt habt ihr dieses dumme Lied. „Und ihr habt dabei gelacht, geklatscht und getrommelt. Aber es ist euch nie gelungen, mich zu verjagen. Habt ihr euren Kampf gegen mich endlich aufgegeben? Hey! Wo seid ihr und warum schweigt ihr nun? Seid ihr müde?“
Der kleine Wintergeist spitzte wieder die Ohren, lauschte.
Nichts. Er hörte nichts. Seine Widersacher waren nicht da. Seltsam. Sehr seltsam war das.
Der kleine Wintergeist begann zu grübeln. Vielleicht gab es diese Kerle, die sich Fastnachtsnarren nannten, gar nicht mehr? Vielleicht hatten sie begriffen, dass man ihn nicht aus dem Land jagen konnte?
„Ich glaube, sie sind nicht mehr da“, brummte er. „Bestimmt ist es mir im letzten Jahr gelungen, diese laute Plage für immer zu vertreiben. Ja, genau! Das ist es. Ich muss nicht mehr aufpassen und meine Wintertage vor ihnen schützen. Meine Ruhe habe ich nun. Oh, wie fein das doch ist!“
Der kleine Wintergeist lachte. Er hatte sie für immer verjagt, diese bunten kleinen Clowns, Cowboys, Indianer, Geister, Gespenster, Ritter, Piraten, Hexen und Prinzessinnen.
Und lachend kehrte er in seine Höhle zurück. Ein kleines Schläfchen würde er sich gönnen. Es gab in diesem stillen Frostwinter gerade nichts für ihn zu tun.
Dass er sich in der Zeit geirrt und zu früh auf die Fastnachtsnarren gewartet hatte, merkte er nicht mehr und als im Städtchen die bunten Fastnachtstage begannen, schlief der kleine Wintergeist tief und selig. Und er träumte einen fröhlich bunten Traum.

© Elke Bräunling

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

16. Januar 2016 von Elke
Kategorien: Abenteuergeschichten, Märchen, Spaßgeschichten, Wintergeschichten | Schlagwörter: , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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