Die wunderschöne Eisblume

Blumen, die an Fenstern blühen

Eines frostigen Morgens im frühen Winter blühte am Fenster des grauen Hochhauses eine Eisblume, die einem prachtvollen Stern glich. Weil das in diesem Wohnviertel hier mitten in der Stadt schon sehr sehr lange nicht mehr vorgekommen war, staunten die Menschen und sie riefen:
„Seht nur! Was für eine wunderschöne Eisblume! Ahhh, und wie sie glitzert! Es freut uns sehr, hier in der wintertristen Stadt so eine prächtige Eisblume zu sehen.“ Sie konnten sich gar nicht satt sehen und freuten sich über dieses in der Stadt doch sehr seltene Winterwunder.
Die Eisblume, die nur aus Versehen an das Hochhausfenster geraten war, wunderte sich.
„Komisch“, flüsterte sie, „mit Eisblumen an warmen Wohnungsfenstern haben die Menschen doch sonst so gar nichts am Hut! Wir sind ihnen lästig. Immer kratzen und wischen sie uns gleich weg, um den Frost aus ihren Häusern zu verjagen. Und heute freuen sie sich? Verstehe einer die Menschen.“
Die Eisblume fühlte sich nun sehr geschmeichelt. Sie glaubte, eine besonders schöne Eisblume zu sein, die man einfach bewundern musste. Ja, das Staunen der Menschen gefiel ihr und sie nahm sich vor, die allerschönste und prächtigste Eisblume auf der Welt sein.
„Hilf mir, Sonne!“, rief sie übermütig. „Noch viel mehr glitzern möchte ich.“
„Noch mehr?“, wunderte sich die Sonne. „Nichts leichter als das.“
Hell und warm schickte sie ihre Strahlen zum Hochhausfenster herunter und die Eisblume reckte und dehnte sich ihnen wohlig entgegen.
Nun glänzte und blinkte sie wie ein Funkelstern am Himmel. Wie stolz war da die wunderschöne Eisblume!
„Ach“, rief sie in ihrer Pracht, „wie bin ich schö-ö-ön-n-n…!“
Richtig warm wurde ihr ums Herz, und vor lauter Schö-ö-ö-ön-n-n-heit schmolz sie – tropf, tropf, tropf- dahin, bis nichts mehr von ihr übrig blieb als zwei dünne Tränenbäche, die langsam am Fenster herunter rannen.

© Elke Bräunling

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

18. Januar 2016 von Elke
Kategorien: Geschichten über Gefühle, Naturgeschichten, Wintergeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , | 2 Kommentare

Kommentare (2)

  1. Ja, ja… Einbildung ist die einzige Bildung, die einem nicht gut bekommt! 😉

  2. Leider begreifen das nur wenige … 😉

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert


Durch das Fortsetzen der Benutzung dieser Seite, stimmst du der Benutzung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen", um Ihnen das beste Surferlebnis möglich zu geben. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen zu verwenden fortzufahren, oder klicken Sie auf "Akzeptieren" unten, dann erklären Sie sich mit diesen.

Schließen