Gespenster brauchen keine Revolver

Was ist ein Cowboy ohne Waffe?

David ärgert sich. Zu gerne hätte er zur Fastnacht als Cowboy mit Weste, Cowboyhut und Revolver gefeiert, aber seine Eltern sind dagegen.
„Mit Revolvern herumballern?“, ruft Papa entsetzt. „Kommt nicht in Frage.“
Auch Mama weigert sich. „Ich mag es nicht leiden, wenn Kinder Krieg spielen“, sagt sie.
Nein, Krieg spielen will David doch gar nicht. Von Kriegen hat er im Fernseher nämlich vieles gesehen, und das ist so grausig und gemein, dass er sich davor fürchtet. Er möchte nur ein bisschen mit dem Revolver knallen. Schließlich ist Fastnacht. Seine Eltern aber lassen nicht mit sich reden.
„Robin, Pit und die anderen haben auch Revolver“, mault Pit.
„Du nicht, klar?“, sagt Papa.
David seufzt. Ohne Revolver mag er keinen Fasching. Missmutig starrt er auf sein Clownskostüm und beschließt, morgen daheim zu bleiben. Man würde ihn ja doch nur auslachen!
Da kommen Robin und Pit. Sie sind auch wütend.
„Meine Eltern sind doof“, meckert Robin. „Sie lassen mich nicht als echten Cowboy zum Fasching gehen.“
„Meine auch“, schimpft Pit. „Altmodisch sind die. Und das bloß wegen der Revolver.“
David nickt und deutet auf das Clownskostüm. „Das gemeine Ding da soll ich morgen anziehen.“
Robin kichert. „Und ich soll als Matrose gehen. Blöd, nicht?“
„Und ich“, heult Pit auf, „bin ein Prinz.“
Da müssen David, Robin und Pit trotz ihres Kummers lachen. Clown, Matrose und Prinz? Nein, das können sie sich nicht vorstellen. Aber was tun?
Da hat Pit eine Idee: „Wir verkleiden uns als Gruselgespenster und erschrecken die mutigen Cowboyhelden mit ihren Ballermännern zum Gruselgrausigfürchten!“
„Oh ja“, ruft David. „Gespenster brauchen keine Revolver.“
„Und alle fürchten sich vor ihnen“, ergänzt Robin. „Wir werden sie verjagen, diese Angeber mit ihren blöden Revolvern.“
„Jawohl!“
David, Robin und Pit sind begeistert, und auch Davids Vater freut sich und hilft ihnen beim Maskieren. Gemeinsam basteln sie grausige Geistergesichter und -gewänder.
Wie echte Geister sehen David, Robin und Pit nun aus. Fehlt nur noch das Heulen. Besonders grässlich und schaurig muss es klingen. Und das üben sie nun den ganzen Nachmittag und jaulen, schreien, stöhnen und gespenstern durch die Wohnung.
„Das wirft jeden Cowboy aus dem Sattel“, meint Davids Vater, und David, Robin und Pit freuen sich diebisch. Das würde eine Fastnachtsgaudi geben!
© Elke Bräunling

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

23. Januar 2016 von Elke
Kategorien: Abenteuergeschichten, Familiengeschichten, Geschichten über Gefühle, Mutgeschichten, Schulgeschichten, Spaßgeschichten, Wintergeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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