Nora will nicht Prinzessin sein

Von Jungen und Mädchen, Prinzessinnen und Räubern

„Na, Prinzessin, wie geht es dir heute? Hast du das neue Buch schon gelesen, das ich dir gestern mitgebracht habe“, fragt Papa und Nora verzieht das Gesicht zu einer Schnute. Einer sehr beleidigten Schnute sogar. Das neue Vampirbuch ist toll, aber das mit der Prinzessin findet Nora doof. Sie mag es nicht, wenn Papa sie Prinzessin nennt.
„Doof!“, antwortet sie deshalb mit einem Murren. „Alles ist doof.“
„Das Buch ist doof? Du hattest es dir doch gewünscht“, wundert sich Papa. „Magst du keine Vampirbücher mehr lesen, Prinzessin?“
Nora platzt der Kragen. „Ich mag nicht mehr, dass du PRINZESSIN zu mir sagst. Aber das habe ich dir schon hundert Mal und öfter gesagt“, schimpft sie.
„Ich glaube“, sagt Papa, „du hast es mir sogar schon tausend Mal gesagt. 1001 Mal, um genau zu sein.“ Er grinst. „Ich habe mitgezählt.“
„Prinzessinnen sind langweilig und ich will nicht langweilig sein.“
Nora hasst Langeweile. Noch mehr hasst sie es, über feine Kleider und Schminken und Krönchen im Haar nachdenken und reden zu müssen. Ihr ist immer fade, wenn die Mädchen in ihrer Klasse über diesen nervigen Modekram reden. Das ist spießig, findet sie.
„Prinzessinnen müssen dusselige Glitzerklamotten in blöden hellen Babyfarben tragen und sie müssen immer ganz fein tun. Das ist Mädchenzeugs und nervt.“
„Ich dachte, alle Mädchen wünschen es sich, eine Prinzessin zu sein. Und du bist ein Mädchen“, sagt Papa. Irgendwie klingt er enttäuscht.
„Ihhh!“, schreit Nora und Mama und Niko, die bis jetzt nichts gesagt haben, lachen.
„Ich wäre gerne einmal eine Prinzessin“, sagt Niko. „An Fasching. Mit einem langen, rosafarbenen Kleid, goldenen Locken, einer Krone und vielen bunten Ketten. Ja, und ganz lange Augenhaare mit Schminke, so wie Mama sie manchmal hat, möchte ich auch haben.“
„Du meinst falsche Wimpern?“, fragt Mama und lacht noch mehr.
Papa aber wird blass. „D-d-du bist ein Junge“, stammelt er. „D-d-du kannst dich doch nicht als Mädchen, äh, ich meine als Prinzessin verkleiden.“
„Doch. Kann ich“, sagt Niko. Er hängt sich Omas Häkeltischdecke über die Schulter, setzt sich die silberne Obstschale auf den Kopf, schlüpft in Mamas Pumps und stakst mit schwingenden Hüften durchs Zimmer.
„Und ich“, ruft Nora, „kann prima ein wilder Ritter oder ein Räuberhauptmann oder ein gruseliger Vampir sein mit schwarzem Umhang, einem bleichem Gesicht, Vampirzähnen und einem Blut-Schminke-Mund. Ich brauche dazu nur …“
Papa will protestieren. Dann aber seufzt er und tut, als kapituliere er.
„Aber nur zu Fasching“, sagt er lahm. „Und du!“ Er deutet auf Nora. „Du wirst immer meine kleine feine Prinzessin sein. Das ist eben so mit Papas und Töchtern.“
Und weil Niko wieder zu lachen anfängt, fügt er schnell hinzu: „Und du bist mein tapferer Prinz. Auch für immer. Ohne rosafarbenes Kleid, goldene Locken und Krönchen.“

© Elke Bräunling

Diese Geschichte findest du in dem neuen Buch: Omas Wintergeschichten


Taschenbuch: Omas Wintergeschichten: Wintergeschichten und Märchen für Kinder
Ebook: Omas Wintergeschichten: Wintergeschichten und Märchen für Kinder

Information

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

25. Januar 2016 von Elke
Kategorien: Familiengeschichten, Geschichten über Gefühle, Spaßgeschichten, Wintergeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , | 7 Kommentare

Kommentare (7)

  1. Eine tolle Geschichte, muss ich heute abend mal meiner kleinen vorlesen. Danke.

  2. Das freut mich.
    Schade, dass du dich nur zwecks Eigenwerbung hier meldest. Sehr schade.
    Ele

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