Der Traum der Hexenfratzenmaske

Die schaurige Hexenmaske will nicht mehr schaurig sein

Die schaurige Hexenfratzenmaske war bekümmert.
„Warum blicke ich so grimmig drein?“, murmelte sie am Abend vor dem Faschingszug. „Die Kinder haben Angst vor mir. Das ist nicht gut.“
Die Maske begann zu grübeln, denn sie war eine freundliche Maske und mochte Kinder schrecklich gerne leiden. Die aber rannten immer heulend vor ihr davon.
„Einmal, ja, einmal nur möchte ich eine liebe, freundliche Maske sein“, seufzte sie. „Doch das gelingt mir einfach nicht. Was mache ich bloß falsch?“
„Eine freundliche Fratzenmaske ist keine Fratze“, lispelte das grinsende Clownsgesicht, das schräg über ihr an der Wand hing.
„Außerdem“, brummte die schwarze Teufelsmaske, „sollen wir die Wintergeister vertreiben. Sag, Hexenfratze, welcher Geist lässt sich von einer freundlich lächelnden Maske vertreiben?“
Darauf wusste die Maske keine Antwort, aber traurig blieb sie trotzdem.
„Wenn ich nur ein bisschen freundlicher aussehen könnte!“
Sie begann zu träumen von einem netten Maskengesicht: Vom Clown lieh sie sich die Knollennase, von der Prinzessin die blonden Locken, vom Harlekin die Mütze und von der Tänzerin die Farben zum Schminken. Damit malte sie sich die Lippen knallrosa an.
„Jetzt bin ich eine schöne Maske“, rief sie selig und eilte zum Faschingszug. Sie schwebte und lachte und freute sich, eine hübsche, freundliche Maske zu sein. Dann setzte sie ihr liebstes Lächeln auf, tänzelte zu den Kindern am Straßenrand und lächelte und lächelte…
„Hallo, Kinder!“, flötete sie, und dieses Mal liefen die Kinder nicht weg. Erstaunt starrten sie die seltsame Hexenfratze an. Dann lachten sie. „Seht euch diese verrückte Hexe an!“
Die Kinder lachten und lachten, und auf einmal erschienen auch die Wintergeister.
„Was?“, feixten die. „Du willst uns vertreiben? Das ist ja zum Totlachen!“ Dann lachten sie und lachten, und bei diesem Gelächter wachte die Hexenfratzenmaske auf und fühlte sich ganz schön blöd.
„Oh“, rief sie dann erleichtert aus, „es war nur ein Traum.“
Sie war so froh darüber, dass sie all ihren Kummer vergaß. Und sie nahm sich vor, es diesen frechen, vorwitzigen Wintergeistern zu zeigen. Huuuh, die sollten sich vor ihr fürchten! Morgen, beim Faschingszug! Und wie! Und die Kinder? Na, es war doch Fasching…
© Elke Bräunling

Aus dem Buch: Fasching, Fastnacht, Karneval


Taschenbuch:Fasching, Fastnacht, Karneval: Geschichten, Märchen, Gedichte und Lieder
Ebook:Fasching, Fastnacht, Karneval: Geschichten, Gedichte und Lieder für Kinder
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Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

26. Januar 2016 von Elke
Kategorien: Märchen, Schulgeschichten, Spaßgeschichten, Traumgeschichten, Wintergeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , | 2 Kommentare

Kommentare (2)

  1. Witzige Geschichte, obwohl ich schon Älter bin, lese ich mir trotzdem all deine Geschichten durch.

  2. Das freut mich.
    Schade, dass du dich nur zwecks Eigenwerbung hier meldest. Sehr schade.
    Ele

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