Seid friedlich zueinander

Es ist nicht so einfach mit dem Frieden

Einen neuen Sticker trug David heute an seinem Sweatshirt. Ein Sticker mit einem Bild. Bunte Lichter waren darauf zu sehen, eine lustige Stadt, Bäume und bunte Worte. In der Mitte saß eine weiße Taube. Toll sah er aus, der neue Sticker!
„Der ist neu!“, sagte David zu seinen Freunden im Kindergarten. „Vom Flohmarkt. Da waren wir gestern und Papa hat ihn mir geschenkt. ‚Pass gut darauf auf!’ hat er gesagt.“
Neugierig äugten seine Freunde auf den Sticker. Der blinkte ein bisschen im Licht. Er blinkte und lockte.
„Toll!“, sagten Davids Freunde, und jeder wollte gleich auch so einen Sticker haben.
„Was steht denn da überhaupt drauf?“, fragte Lisa und deutete auf die Buchstaben.
„Etwas sehr Wichtiges“, antwortete David, und mit geheimnisvoll klingender Stimme flüsterte er: „’Seid friedlich zueinander!’ Das steht auf dem Sticker.“
Och! Die Kinder waren enttäuscht. Den Spruch hatten sie schon oft gehört. Er war langweilig und er sagte auch nichts Neues! ’Seid friedlich zueinander!’ Das sagten die Erwachsenen immer und ständig und es nervte. Überhaupt: Ausgerechnet David trug nun so einen Friedens-Sticker? Hoho! Wo der doch immer als erster mit dem Streiten und Raufen anfing!
Tom musste lachen. „Hihi!“, johlte er und zeigte mit dem Finger auf David. „David will friedlich sein. Hihi.“
Da mussten auch die anderen lachen. „Hohoho! Ausgerechnet David, der große Raufbold!“
Und alle johlten und lachten und hopsten um David herum.
Wie albern sie waren! David fühlte, wie er wütend und immer wütender wurde. Diese Blödköpfe! Er ballte die Fäuste, dann hielt er es nicht mehr aus.
„Ihr seid gemein!“, schrie er, „ihr seid ja sooo gemein!“
Mit erhobenen Fäusten stürzte er sich auf Jonathan und Tom, die am lautesten lachten, riss sie zu Boden und schlug zu. Fest, erbarmungslos, egal, wohin er traf.
Tom und Jonathan brüllten vor Schmerz auf und droschen zurück.
Da konnten sich die anderen auch nicht mehr zurückhalten, und schon war eine wilde Keilerei im Gange. Und, auch klar, hinterher gab es eine dicke Strafpredigt.
Was sollte das? David begriff überhaupt nichts mehr.
„Alles wegen diesem doofen ‚Seid friedlich zueinander’“, maulte er. später. Er riss den Sticker vom Sweatshirt und warf ihn in den Abfallkorb.

© Elke Bräunling

Wie komisch (und überflüssig) Streit ist, könnt ihr auch in dieser Geschichte lesen: Als Jan und Max miteinander verkracht waren


Meine Kollegin Sonja Mengkowski hat ein wunderschönes Bild zum Frieden gemalt, das Land des Friedens.
Mal ehrlich: Würdet ihr nicht auch gerne in einer Stadt des Friedens leben? Bestimmt ist es dort schön – und friedlich – wie im Paradies.
Wie wäre es: Errichtet Euch doch auch Eure kleine Stadt des Friedens? Ihr könnt sie ‚Zimmer des Friedens‘ oder ‚Haus des Friedens‘ oder ‚Straße des Friedens‘ oder ‚Schule des Friedens‘ nennen und dazu braucht ihr nicht einmal einen Sticker, auf dem ‚Seid friedlich zueinander‘ steht. Oder was meint ihr?

 

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

11. Februar 2016 von Elke
Kategorien: Familiengeschichten, Freundschaftsgeschichten, Geschichten über Gefühle, Schulgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , | 4 Kommentare

Kommentare (4)

  1. klar musste ich mir die website von Sonja Mengkowski gleich ansehen. Zauberhaft!

    bisous und friedliche tage 🙂

  2. Ja, nicht? So wunderschön malen und zeichnen können, ja, davon träume ich.
    Liebgruß an die raue Küste (oder ist sie nicht mehr rau?)
    Ele
    <3

  3. der wind hat sich gelegt. Da ich ja nicht mehr so ganz an der küste lebe, werde ich den wellengang später kontrollieren 🙂

    bisous

  4. Pingback: Als Jan und Max verkracht waren » Elkes Kindergeschichten

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