Wie Herr Griesgram auf den Mond kam

Meckerköpfe könnte man doch glatt auf den Mond schießen

Was Herr Griesgram gar nicht leiden konnte, war, wenn jemand fröhlich lachte. Noch weniger liebte er die Sonne und bunte Farben. Am wohlsten fühlte er sich, wenn die Welt schwarz-weiß-grau trüb und trist aussah, und so verließ er seine schwarz-weiß-graue Wohnung nur an Regen- und Nebeltagen. Da nämlich blickten die Menschen so wunderbar missmutig drein, und das gefiel dem Herrn Griesgram, der seinen richtigen Namen längst vergessen hatte.
Eines besonders schaurigen Regentages ging Herr Griesgram wieder einmal spazieren. Zufrieden sah er sich um. Ringsum war es schwarz-weiß-grau, die Leute hasteten mit muffigen Gesichtern an ihm vorbei, und er fühlte sich auch nicht durch spielende Kinder, Rollschuhläufer oder lautes Kinderlachen gestört.
„Was für ein wundervoller Tag!“, murmelte Herr Griesgram. „So müsste es immer sein.“
Denkste, dachte die Sonne, die Griesgramgrummelköpfe ganz und gar nicht leiden konnte, und – eins, zwei, drei- schickte sie Sonnenstrahlen auf die Erde. Die Wolken rissen auf und machten einem Stück Himmelsblau, über das sich ein breiter Regenbogen mit knallbunten Glitzerfarben spannte, Platz. Schön sah das aus.
„Oh“ und „Ah“ und „Toll!“, riefen die Leute und lachten. Und es schien, als lachte der Regenbogen zurück.
„Grässlich“, grummelte Herr Griesgram und blickte grimmig zu dem Regenbogen hinauf. „Diese Kitschfarben sind schauderhaft. Wie wenig Geschmack die Leute doch haben. Und überhaupt: Warum lachen sie? Heutzutage gibt es nichts mehr lachen.“
Herr Griesgram schimpfte und fuchtelte drohend mit seinem Schirm in der Luft herum.
Da hatte die Sonne die Nase von diesem sauertöpfischen Menschen endgültig voll und rief den Wind zu Hilfe. Der packte den meckernden Kerl und trug ihn samt Regenschirm himmelwärts. Und ehe sich Herr Griesgram versah, stand er als kleiner schwarz-weiß-grauer Schmuddelfleck auf dem funkelbunten Regenbogen.
„Gemeinheit!“, schrie Herr Griesgram.
Erregt hopste und trampelte er auf dem Regenbogen herum. Das sah lustig aus, und alle lachten: die Leute, die Sonne und der Wind.
Nur der Regenbogen fand den schwarz-weiß-grauen Kerl, der so unsanft auf ihm herumtrampelte, überhaupt nicht lustig. Er packte das Griesgram-Männlein und schoß es mit einem kräftigen Schubser in die Luft. Sssst! Pfeilschnell sauste Herr Griesgram hoch und höher, und wenn der Mond, der sich gerade auf seinen allabendlichen Weg machte, nicht im Weg gestanden hätte, würde Herr Griesgram bis zum St. Nimmerleinstag durch die Lüfte zischen. So aber landete er mit einem Plumpser auf dem Mond und wunderte sich.
„Wieder ein Griesgram weniger“, grinste der Regenbogen. „Eigentlich sollte man all diese Meckerköpfe einfach auf den Mond schießen.“
Herr Griesgram aber hockt seither auf dem Mond und wundert sich noch immer. Bei Vollmond kannst du ihn sehen. Da blickt er besonders verdrießlich zur Erde herab.
Ob er sich langweilt? Na, vielleicht kennst du ja auch so einen Sauertopf, den du am liebsten zu ihm schicken würdest? Erzähle ihm einfach die Geschichte des Herrn Griesgram! Wetten, dass der gleich ein anderes Gesicht aufsetzt? Wer will denn schon gerne auf den Mond geschossen werden…

© Elke Bräunling

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

20. Februar 2016 von Elke
Kategorien: Geschichten über Gefühle, Spaßgeschichten, Traumgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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