Das Lächeln des Frühlings

Alle sehnen sich nach dem Frühling, die Menschen, die Tiere, die Pflanzen und ganz besonders der kleine Spatz

Nass war es an diesem Tag im späten Winter. Nass und kalt. Aber nicht zu kalt. Die Schneeflocken, die seit dem frühen Morgen schwer von Himmel fielen, fanden keinen Halt mehr und verwandelten sich am Boden in schmutzige Wassertropfen.
„Ob der Winter nun endlich ein Ende findet?“, fragte eine Frau. Mit einem sehnsüchtigen Blick blickte sie himmelwärts. „Dieses nasse Wetter lässt mich mehr frösteln als die trockenen Schneetage der letzten Wochen. Brrr.“
„Es wird wärmer nun. Ich glaube, wir haben Tauwetter“, meinte ihre Nachbarin. Sie schnupperte. „Und wenn mich nicht alles täuscht, liegt auch ein Hauch von Frühling in der Luft.“
„Frühling!“ Die Frau zog den wärmenden Schal fester um Hals und Ohren. „Ja, den Frühling wünsche ich mir. Gleich.“
„Vielleicht steht er schon vor der Tür?“
Voller Sehnsucht blicken beide Frauen nun zu den Wolken hinauf. Sie waren noch immer grau und sie sandten noch immer dicke Wasserflocken zur Erde. Aber blinkte da nicht hinter ihnen am Horizont ein zartes gelbrosafarbenes Licht? Aber ja. Ganz deutlich war es zu sehen. Es war wie ein Begrüßungslächeln. Ein Lächeln des Frühlings.
Die beiden Frauen sahen es genau.
„Ich glaube, ich kann ihn sogar sehen. Du auch?“
„Ja, ich sehe ihn. Ein kleines Bisschen.“
Andächtig blickten sie zum Himmel hinauf. Ihre Augen glänzten. Vergessen war die kalte Nässe des Tages. Die Frauen freuten sich und erwiderten das Lächeln des Frühlings.
Ein kleiner Spatz, der im Haselstrauch saß, hob das Köpfchen. Es war, als lauschte er dem Gespräch der beiden Frauen. Um besser zuhören zu können, tippelte er bis ans Ende des Astes, auf dem er seinen Platz gefunden hatte, und spitzte die Ohren.
Die beiden Menschenfrauen sprachen vom Frühling, auf den er mit seinen Spatzenkollegen schon voller Sehnsucht wartete.
„Der Frühling ist da?“, wunderte er sich. „Ich habe sein Kommen gar nicht gesehen. Seltsam. Aber egal. Hauptsache, er ist endlich da. Hurra! Der Frühling ist da. Das muss ich doch gleich meinen Spatzenkollegen erzählen. Der Frühling ist da.“
Und weil er sich so freute, tschilpte er ein kleines Spatzenliedchen, dann flatterte er los. Er hatte es eilig, zu seinen Spatzenfreunden zu kommen.
„Psst“, flüsterte eine der Frauen. „Ich glaube, eben habe ich ihn auch gehört, den Frühling.“
„Ich auch“, flüsterte ihre Freundin zurück. „Ein Frühlingsliedchen hat er für uns gesungen. Oh, wie schön ist das! Der Frühling ist da.“

© Elke Bräunling

Hier geht die Geschichte weiter mit dem kleinen Spatz, der den Frühling verkündet: „Spatzengeflüster“

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Diese Geschichte findest du in dem neuen Buch: Omas Wintergeschichten


Taschenbuch: Omas Wintergeschichten: Wintergeschichten und Märchen für Kinder
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Information

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

25. Februar 2016 von Elke
Kategorien: Frühlingsgeschichten, Geschichten über Gefühle, Naturgeschichten, Tiergeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , | 2 Kommentare

Kommentare (2)

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