Vom verrückten Frühlingswetter

Vielleicht kommt es zu dem oft verrückten Frühlingswetter nur, weil sich die Monate nicht einig sind?

Jahrelang stritten März, April und Mai miteinander.
„Ist doch klar“, tönte der Mai, „der Schönste von uns bin ich, und deshalb mögen mich Menschen, Tiere und Pflanzen am liebsten leiden.“ Und er schwafelte großspurig von der Farbenpracht, die sein Maienkleid dem Land schenkte.
„Elender Angeber“, schimpfte der März. „Du solltest sehen, wie sich die Kinder über meine ersten warmen Sonnenstrahlen freuen. Ha, und deshalb mögen sie mich am liebsten leiden.“
Dem April aber fehlten wie immer vor Wut über diese überheblichen Kerle die Worte, und er beschloss, sie auch in diesem Jahr für ein paar Tage mit eisschneeregenkaltem Aprilwetter zu ärgern.
„Eingebildete Kerle!“, brummte er.
„Sei bloß still, du Nichtsnutz!“, keifte der Mai zurück. „Du hast doch nichts als Blödsinn im Sinn. Wie oft hast du es mir mit deinem verrückten Wetter schwer gemacht!“
„Ja“, heulte der März auf. „Und wie viele meiner wenigen Sonnentage hast du mir verhagelt. Wen wundert´s, dass dich keiner leiden mag?“
„Ich, der April, mache immer all das, was ich will“, grinste der April. „Es gefällt den Leuten.“
„Tunichtgut“, keifte der Mai.
„Blödmann“, zeterte der März.
„Lackaffen“, spottete der April.
So stritten sie Jahr für Jahr aufs Neue. Die Leidtragenden aber waren die Menschen, Tiere und Pflanzen, wussten sie doch nie, woran sie waren in den Frühlingsmonaten.
Auch den anderen Jahreszeiten ging die ewige Streiterei auf den Keks.
„Ich halte das Gekeife nicht mehr aus“, stöhnte der Sommer.
„Immer wieder reißen mich diese Frühlingskerle aus meinem Winterschlaf“, polterte der Winter. „ So kann es nicht weitergehen.“
Und die beiden beschlossen, dem Frühling, der es einfach nicht schaffte, seine Monate im Zaum zu halten, eine Lehre zu erteilen.
So kam es, dass im nächsten Jahr der Winter dem Frühling einfach keinen Platz machte. Mit eisiger Macht herrschte er bis weit in den April hinein.
Wie heulte da der Frühling!
„Verschwinde, Winter!“, klagte er in einem fort, doch der Winter ließ sich nicht beirren.
„Du fällst dieses Jahr aus und basta!“, knurrte er eiseskalt und wartete, bis der Sommer ihn mit Hitze, Schwüle, Blitz und Donner ablöste.
Dass in jenem Jahr der Frühling ausfiel, hatten die Menschen, Tiere und Pflanzen bald vergessen. Den Frühlingsmonaten aber saß der Schreck noch lange in den Gliedern, und sie nahmen sich vor, nie wieder zu streiten. Das klappt auch ganz gut. Nur manchmal müssen Winter und Sommer mit einigen Kälte- oder Hitzetagen eingreifen, dann nämlich, wenn sich März, April und Mai wieder einmal wegen einer dummen Kleinigkeit in den Haaren liegen.

© Elke Bräunling

Diese Geschichte findest du in dem Buch: Frühlingszeit

Taschenbuch:Oma und ich und die Frühlingszeit: Kindergeschichten und Märchen im Frühling
Ebook:Oma und ich und die Frühlingszeit: Frühlingsgeschichten

Information

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

05. März 2016 von Elke
Kategorien: Frühlingsgeschichten, Geschichten über Gefühle, Naturgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , , | 5 Kommentare

Kommentare (5)

  1. Ich finde die Geschichten so schön das ich sie immer für mich alleine lese
    Herzlichen Dank A. Pleimes

  2. herzlichen Dank für die schönen Geschichten

  3. Bitte sehr. Ich freue mich über Ihre netten Worte und wünsche viel Spaß und Freude mit den Geschichten weiterhin.
    Liebe Grüße und einen schönen Ostermontag
    Ele

  4. 🙂
    Ich danke auch
    🙂

  5. Pingback: Noch mehr Frühlingsgeschichten | Frühlingszeit

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