Mia, der Frühling und das kunterbunte Wunderbunt

Mia sucht den Frühling

Mia schreibt einen Aufsatz. Über den Frühling.
„Frühling? Den hätte ich jetzt auch gerne“, brummt sie und geht zum Fenster. „Wann ist der Frühling endlich da?“
Draußen sieht es kalt aus und grau. Der Winter will in diesem Jahr nicht weichen. Immer wieder ziehen Wolken über das Land. Sie bringen Schnee und Schneeregen und eine klamme Kälte, die keiner leiden mag. Gerade ist ein Regenschauer vorbei gezogen. Die Wolken machen einer blauen Himmelslücke Platz und die Sonne meldet sich mit einem zaghaften Strahl an. Er streichelt Mias Nase.
Da hält nichts mehr Mia im Zimmer. Der Aufsatz kann warten. Sie weiß sowieso noch nicht, was sie über den Frühling, der nicht kommen will, schreiben soll.
Sie würde ihn da draußen nun suchen. Für den Aufsatz. Und noch mehr fürs Freuen.
Im Garten ist es winterkalt. Brr. Mia macht ein paar Hüpfer und einen Handstand. Zum Aufwärmen. Dann geht sie über die Wiese zu ihrer Lieblingsecke mit den zwei Apfelbäumen hinüber. Dort hat sie in den letzten Jahren immer die ersten Frühlingsblümchen entdeckt.
Die Herbstblätter, die hier und da das Gras noch bedecken, rascheln und knistern unter ihren Füßen. Hart und steif sind sie geworden über Winter. Das Rascheln hört sich lustig an. Mia läuft gleich noch einmal über den Blätterboden. Ein bisschen tanzt sie sogar. Es macht Spaß, die alten Blätter knacken und rascheln zu lassen.
Nun ist ihr nicht mehr kalt. Sie lächelt und ruft:
„Wo bist du, Frühling? Und wann kommst du endlich?“
Da! Wieder tauchen ein paar Sonnenstrahlen zwischen den Wolken hervor. Es wird hell ringsum und warm. Aber was ist das?
Die graue Winterwiese verwandelt sich für einen kurzen Augenblick in eine duftende Frühlingswiese, auf der viele bunte Frühlingsblümchen blühen. Jedes Herbstblatt hat sich wie durch ein Wunder in ein zartes Frühlingsblümchen verwandelt.
Mia blickt auf das Frühlingsbunt und staunt. Dann sieht sie sich um. Ja, wirklich, sie steht inmitten vieler bunter, duftender Frühlingsblumen. Winterlinge blühen hier nun, Huflattich, Schneeglöckchen, Märzenbecher, Krokusse, Primeln, Vogelmiere, Gänseblümchen, Traubenhyazinthen, Buschwindröschen, Veilchen, Schlüsselblumen, Narzissen, Lungenkraut, Vergissmeinnicht, Blaustern und Sauerklee. Ein kunterbuntes Wunderbunt.
Toll.
„Toll!“, ruft Mia und sie klatscht vor Freude in die Hände.
Im gleichen Augenblick verwandelt sich die duftig bunte Frühlingswiese wieder in eine graue Winterwiese, auf der hier und da trockenharte Herbstblätter liegen.
„Bis bald!“, ruft Mia ihnen zu.
Sie ist zufrieden, denn sie hat den Frühling für ein Weilchen gesehen. Nun weiß sie auch, was sie in ihrem Aufsatz über den Frühling schreiben wird.
„Danke, Frühling!“, ruft sie.
Dann dreht sie noch eine Runde durch den Garten. Und wirklich, in der Ecke zwischen den Apfelbäumen blitzen gelbe, weiße und lilafarbene Pünktchen zwischen altem Herbstlaub auf. Die ersten Krokusse.
Mia atmet auf. Er ist also wirklich schon ein bisschen da, der Frühling.
Nun kann es nicht mehr lange dauern. Jeden Tag wird er nun näher kommen, und auch darüber wird sie nun in ihrem Aufsatz schreiben.
Und mit bester Laune kehrt Mia an ihren Schreibtisch zurück.

© Elke Bräunling

Zu dieser Geschichte mit den Herbstblättern, die zu Frühlingsblüten werden, kannst du hier auch eine Fantasiereise machen: Das Frühlingsblütengeheimnis im Wintergarten

Aus dem neuen Buch: Omas Frühlingsgeschichten


Taschenbuch: Omas Frühlingsgeschichten: Frühlingsgeschichten und Märchen für Kinder
Ebook: Omas Frühlingsgeschichten: Frühlingsgeschichten und Märchen für Kinder

Information

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

09. März 2016 von Elke
Kategorien: Frühlingsgeschichten, Geschichten über Gefühle, Naturgeschichten, Schulgeschichten, Traumgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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