Osterlämmer sind süß

Die Großtante hat Osterlämmer gebacken. Süße.

In den Osterferien besuchen Opa, Oma, Pia und Pit wieder einmal Großtante Luise in ihrem kleinen Dorf am anderen Ende des großen Waldes.
„Heute wird es bestimmt aufregend sein“, sagt Opa während der Fahrt durch den Wald. „Bei Luise findet nämlich heute das erste große Osterlämmer-Schlachten statt.“
„Osterlämmer? Schlachten?“ Pia, die sich so sehr auf den Tag bei der Großtante gefreut hat, macht große Augen. „Du meinst, schlachten und aufessen?“
Opa nickt und Pit stöhnt laut: „Uihhh!“
Dann sagt erst einmal keiner etwas. Pia und Pit sind zu sehr mit ihren Gedanken und Gefühlen beschäftigt, dass ihnen nicht mehr nach Reden zumute ist.
„Schlachten“, denkt Pit. „Noch nie habe ich so etwas gesehen und eigentlich will ich es auch nicht sehen. Und ein Lamm möchte ich überhaupt und gar nicht essen. Nie und nie nicht. Was für ein doofer Tag das ist! Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich heute nicht mitgefahren. Nein, ich will das nicht sehen.“
„Opa ist gemein“, denkt Pia. „Nie mehr esse ich Fleisch. Gemüse schmeckt viel besser und Brot und Eier und Käse und Wurst und … Halt, Wurst ist aus Fleisch gemacht. Nein, Wurst esse ich auch nicht mehr. Und Tante Luise ist auch gemein. Warum schlachtet sie die kleinen Lämmchen?“
Die Geschwister sind so sehr in ihre traurigen und wütenden Gedanken versunken, dass sie Opas Schmunzeln nicht bemerken.
„Wir sind gleich da“, sagt er. „Aber sagt, warum seid ihr so schweigsam heute? Freut ihr euch nicht, eure Großtante zu sehen?“
„Heute nicht“, brummt Pit.
„Ich mag Leute, die süße Lämmchen schlachten, nicht sehen und schon gar nicht besuchen. Lass uns nach Hause fahren, Opa!“, bittet Pia.
„Na! Na! Seit wann habt ihr keine Lust auf süß?“
„Seit heute“, ruft Pit.
„Bitte, Opa, kehr um!“, fleht Pia.
Doch es ist zu spät. Schon haben sie das Haus der Großtante erreicht. Keine Chance mehr, umzukehren und so zu tun, als sei man nicht hier gewesen. Die Großtante steht nämlich bei einem Nachbarplausch am Gartenzaun und winkt ihnen mit ihrem lieben und fröhlichen Großtantenlächeln zu.“
„Wie schön, dass ihr da seid?“, rief sie ihnen entgegen. „Ein leckeres Mittagsmahl wartet auf euch. Und eine Überraschung.“
„Schöne Überraschung“, grummelt Pit. „Und ich habe gerade gar keinen Hunger.“
„Ich esse kein Fleisch mehr“, stößt Pia hervor.
Mit finsteren Mienen betreten die Geschwister Großtante Luises gemütliche Wohnküche.
Hm! Wie lecker es hier duftet! Pia und Pit merken, wie hungrig sie sind. So ein feines Essen!
„Fleisch steht heute nicht auf der Speisekarte“, sagt die Großtante da. „Es ist Gründonnerstag und wir essen grüne Speisen. Also ich kann euch anbieten: Kräuterpfannkuchen, Schnittlaucheier, Kerbelsuppe mit Griesklößchen, Spinatgnocchi mit Käsesoße, Frühlingslöwenzahnsalat mit Nüssen und Mandarinen und zum Nachtisch für jeden ein missratenes Osterlamm.“
Sie deutete auf vier wenig schön geformte, dick mit Puderzucker bestreute Biskuitlämmer.
„Sie sind etwas angebrannt“, bekannte sie. „Ich habe nicht aufgepasst. Dennoch schmecken sie prima und weil sie ‚nur‘ missraten sind, dürft ihr sie schon vor dem Osterfest schlachten.“
„O-oh, O-O-Osterlämmer“, stammelt Pia. „L-l-lecker sehen die aus.“
„Voll lecker!“, ruft Pit und es klingt sehr erleichtert, dieses Rufen. „Ich mag alles essen, was du gekocht hast, Tante Luise.“
„Ich auch“, schließt sich Pia an.
„Und ich erst“, sagt Opa und ein bisschen muss er nun doch kichern. „Und nachher machen wir einen Besuch beim Holderbauern. Dort hat es in den letzten Tagen Nachwuchs zum Schmusen und Knuddeln gegeben. Viele kleine, süße …“
„Osterlämmer!“, unterbricht ihn Pia „Oh, wie toll. Danke, Opa.“

© Elke Bräunling

Osterlaemmchen

Aus dem neuen Buch: Omas Frühlingsgeschichten


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Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

22. März 2016 von Elke
Kategorien: Familiengeschichten, Frühlingsgeschichten, Geschichten über Gefühle, Tiergeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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