Das Dankeschön der Gänseblümchen

Großtante Emilie liebt die Gänseblümchen, nicht nur im Frühling

„Halt!“, rief Großtante Emilie. „Halt und stopp und auf der Stelle!“
Halt und stopp und auf der Stelle? Die Stimme der Großtante klang harsch und barsch und sehr laut.
Alle, die sich heute mit Pickel, Spaten und Schaufel in ihrem Garten versammelt hatten, um bei der Vergrößerung der Terrasse zu helfen, zuckten zusammen. Erschrocken sahen sie die Großtante an. Hatten sie etwas falsch gemacht?
Auch die Gänseblümchen auf der Wiese neben der Terrasse erschraken.
Dass Großtante Emilie, die sie in der Gänseblümchensprache ‚Chefin‘ nannten, so eine laute Stimme hatte, war ihnen noch nie aufgefallen. Im Gegenteil. Wenn sich die ‚Chefin‘ zu ihnen auf einen Nachmittagskaffee ins Gras setzte und mit ihnen redete, ihnen von ihrem Tag und ihren Freuden, ihren Sorgen und Ängsten erzählte, klang ihre Stimme sanft und zärtlich.
Was war passiert?
„Die Gänseblümchen“, rief da die Großtante. „Bevor ihr den Boden für die neue Terrasse vorbereitet, müsst ihr die Gänseblümchen retten. Oder wolltet ihr sie etwa umgraben?“
Klar. Was sonst?
„Es sind doch nur Gänseblümchen“, sagte einer ihrer Helfer.
„Die wachsen überall“, meinte ein anderer. „Wie Unkraut.“
„Wenn man auf jedes Blümlein achten würde, käme man nicht sehr weit“, rief ein Dritter. Er lachte dabei.
„Gänseblümchen-Tante“, sagten die Kinder.
Sie sagten es mit zärtlichen und liebevollen Stimmen und gar nicht spöttisch. Es passte zur Großtante, dass sie sich auch um kleine Blümchen, die überall wuchsen und die nicht kostbar waren, sorgte.
„Ja, wir müssen den Gänseblümchen helfen.“
Die Gänseblümchen horchten auf. Sie brauchten Hilfe? Warum? Es ging ihnen doch gut hier an diesem Wiesenplätzchen nahe bei der Terrasse!?
Da aber spürten sie schon, wie sie behutsam mit ein paar Spatenstichen aus der Erde gehoben und zur gegenüberliegenden Seite der Wiese zu der Tanne, die die ‚Chefin‘ im letzten Jahr eingepflanzt hatte, getragen wurde.
„Beunruhigt euch nicht“, hörten sie die Großtante sagen.
Nein, sie waren nicht beunruhigt. Die ‚Chefin‘ passte ja auf sie auf. Und wie gut sie aufpasste! Mit liebevoller Sorgfalt pflanzte sie sie wenig später am Rande der Wiese in der Nähe der jungen Tanne ein und das war, fanden die Gänseblümchen, eine perfekte neue Heimat mit viel Sonnenlicht. Es gab hier auch weniger Menschenfüße, die auf ihre Blätter und Stiele und Blüten traten. Und die neue Terrasse mit Großtante Emilie und ihren Freunden war auch nicht weit.
„Sie ist eine Gute, unsere ‚Chefin‘“, murmelten die Gänseblümchen und sie beschlossen, ihr ihre Freude und ihren Dank jeden Tag im Jahr zu zeigen.
So geschah es, dass selbst im Winter an Tagen, an denen die Schneedecke nicht dicht und fest über der Wiese lag, ein oder zwei oder drei Gänseblümchenblüten der Großtante, pardon, der ‚Chefin‘ ein Lächeln schenkten.

© Elke Bräunling

Gaensebluemchen + Krokus

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Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

07. April 2016 von Elke
Kategorien: Familiengeschichten, Frühlingsgeschichten, Geschichten über Gefühle, Gutenachtgeschichten, Naturgeschichten, Traumgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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