Die Sau ist los

Neu auf dem Land im Dorf leben und von Stadtmäusen und Landhühnern

Nach dem Umzug von Bremen nach Igelsbach hatten Imke und Siri großes Heimweh.
„Es wird euch hier bestimmt gefallen“, meinten ihre Eltern. „Bald werdet ihr auch Freunde finden.“
„Die sind alle blöd hier!“, knurrte Imke.
„Sie reden so doof mit ihrem Dialekt, diese Landhühner!“, fand Siri.
„Und ihr seid eingebildete Stadtkühe!“, sagte ihre Mutter ärgerlich.
Imke und Siri waren sauer. Mit muffigen Gesichtern saßen sie vor dem Haus auf dem Mäuerchen und grübelten.
Plötzlich standen die Dorfkinder vor ihnen. „Wollt ihr mitspielen?“, fragte Conni von nebenan.
„Was denn?“, fragte Siri mit gelangweilter Stimme zurück, und Imke fing gleich an, schrecklich anzugeben.
„Hier ist ja nichts los!“, sagte sie. „Bei uns in Bremen kann man viele schicke Sachen machen.“ Sie redete und redete und erfand Dinge, die gar nicht stimmten.
Die Igelsbacher Kinder schwiegen beeindruckt.
„Bei uns“, meinte Heiner endlich, „gibt es auch schicke Sachen. Doch die kann nicht jeder machen. Und Stadtmäuse schon gar nicht!“
Stadtmäuse? Hatte er sie damit gemeint? „Was kann man bei euch schon groß machen“, schimpfte Imke los.
„Oh“, meinte Fred und tat, als würde er nachdenken. „Säue melken, zum Beispiel. Oder Eselseier ausbrüten. Oder …“
Die anderen grinsten, aber Imke und Siri waren so wütend, dass sie es nicht merkten.
„Säue melken?“, rief Imke. „Das kann doch nicht schwer sein.“
„Oh, doch“, kicherte Anna.
„Nicht für uns“, sagte Imke. „Also los! Lasst uns diese albernen Säue melken! Was sollen wir tun?“
Sie gingen zum Stall. „Zuerst müsst ihr die Schweine auf den Hof bringen“, erklärte Fred. „Aber immer nur einzeln, klar?“
„Klar!“, sagte Imke und stapfte zum Stall.
Siri folgte ihr zögernd. Sie fürchtete sich vor den Schweinen und hatte auf einmal eine Riesenwut auf Imke mit ihrer Angeberei.
„Na, los“, sagte Imke, und auch ihre Stimme klang nicht mehr so mutig. „Es kann ja nicht so schwer sein!“
Vorsichtig öffnete sie die Stalltür, packte das erstbeste Schwein und versuchte, es am Schwanz aus dem Gatter zu ziehen. Das Schwein aber blieb stehen und grunzte. Imke und Siri zogen und schoben, doch nichts passierte.
„Ihr müsst es kitzeln“, rief Anna und kicherte.
Also kitzelten sie das Schwein. Sie kitzelten und schoben und zogen, und auf einmal wurde es dem Schwein zu dumm. Es machte einen Satz und raste aus dem Stall hinaus.
„Halt“, schrie Imke. „Nicht zu schnell!“
Das Schwein aber sauste bereits hinaus auf die Straße.
„Huhu!“, brüllte Fred. „Die Sau ist los!“
Dann rannten alle Kinder hinter dem Schwein her.
„Was macht ihr hier“, fragten die Leute.
„Die Sau melken!“, antworteten Imke und Siri, und alle lachten.
„Säue melkt man nicht“, sagte Fredi später, nachdem sie das Schwein eingefangen und in den Stall zurückgebracht hatten. „Das weiß doch jeder …!“
„Oh, wie dumm“, meinte Siri.
„Ja, wie dumm“, sagten Conni, Anna, Fred, Heiner und Klaus und lachten. Und Imke und Siri lachten mit.

© Elke Bräunling

Diese Geschichte findest du in einer längeren Fassung in diesem Buch:

Taschenbuch:Hör mal, Oma! Ich erzähle Dir eine Geschichte vom Landleben: Geschichten vom Land
EbookHör mal, Oma! Ich erzähle Dir eine Geschichte vom Landleben: Geschichten für Kinder vom Leben auf dem Land

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Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

16. Mai 2016 von Elke
Kategorien: Abenteuergeschichten, Familiengeschichten, Freundschaftsgeschichten, Frühlingsgeschichten, Naturgeschichten, Sommergeschichten, Spaßgeschichten, Tiergeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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