Aktion „Schmetterling“

Hilfe für die Schmetterlinge

Am liebsten saß Katja mit ihrem Hund Bärchen am alten Bahndamm zwischen hohen Gräsern, Wiesenblumen und Heckenrosen. Dort gab es viele verschiedene Schmetterlinge zu beobachten und die mochte Katja so sehr, dass sie oft die Zeit vergaß. Eines Tages kam sie wieder einmal zu spät nach Hause.
Mama war sauer. „Dein Zimmer hast du wieder nicht aufgeräumt, und Hausaufgaben hast du auch nicht gemacht?“, schimpfte sie.
Au weia. Katja sah Mama so kleinlaut an, dass die lachen musste. „Ich kann dir ja gar nicht böse sein“, sagte sie. „Es ist schön, dass du Schmetterlinge magst. Außerdem gibt es hier bald sowieso keine mehr.“
„Waaas?“, rief Katja. „Warum gibt es keine Schmetterlinge mehr?“
„Nun“, antwortete Mama ernst, „den alten Bahndamm wird es nicht mehr lange geben. Er ist ja auch nutzlos, nicht?“
„Aber die Blumen und Tiere dort sind nicht nutzlos, oder?“
„Viele Leute denken da anders. Blumen und Tiere sind für sie nicht wichtig. Man kann nichts mit ihnen verdienen.“
„Aber man kann sich daran freuen“, sagte Katja.
Mama seufzte. „Die neue Schnellstraße ist mehr wert.“
„Und warum soll es ohne Bahndamm keine Schmetterlinge mehr geben?“, fragte Katja.
„Schmetterlinge brauchen Wildkräuter und Brennnesseln, alles Pflanzen, die auf dem Bahndamm wachsen. Ohne Brennnesseln gibt es keine Raupen und ohne Raupen keine Schmetterlinge.“
”Ach so.” Katja nickte. Wildkräuter gab es nur noch am Bahndamm. In den Gärten und Anlagen der Siedlung wuchsen die schon lange nicht mehr.
Arme Schmetterlinge! Katja war traurig und auch nachdenklich.
Am nächsten Tag trommelte sie alle Kinder aus der Siedlung zusammen zum Treff am alten Bahndamm. Zuerst erzählte sie von der neuen Schnellstraße, von toten Blumen und Schmetterlingen, von gepflegten Gärten und vielem mehr. Dann fand ein Kriegsrat statt. Es ging hoch her und am Ende war es beschlossene Sache:
„Wir gründen die ‚AKTION SCHMETTERLING‘. Wildkräuter sollen hier wieder überall wachsen! Dafür werden wir kämpfen!“
Von dem Tag an begann ein geheimnisvolles Treiben: In den Briefkästen der Siedlungshäuser lagen Zeichnungen und geheimnisvolle Flugblätter, unterschrieben mit einem kleinen bunten Schmetterling. ‚RETTET DIE UNKRÄUTER‘, ‚WIR WOLLEN KEINE SCHNELLSTRASSE‘, ‚AUCH SCHMETTERLINGE WOLLEN LEBEN‘ war darauf zu lesen.
Eigenartig. Die Erwachsenen schüttelten verständnislos die Köpfe, doch sie dachten sich nichts dabei. Es fiel auch nicht auf, dass einige Kinder immer wieder zum Bahndamm liefen und bei ihrer Rückkehr Tüten voller Blumen-, Gras- und Kräutersamen mit sich trugen. Bei genauerem Hinsehen hätte man beobachten können, dass die Kinder beim Gang durch die Siedlung Hände voller Samen auf Wegränder und Rasenflächen und in hohem Bogen auch in die Gärten streuten. Doch darauf achtete niemand. Auch Katjas Eltern sahen nichts Besonderes darin, dass sich Katja plötzlich für Gartenarbeit interessierte. Aber wozu brauchte sie dazu eine Tüte?
Wozu? Nun, im nächsten Jahr werden sich alle sehr wundern, wenn überall in der Siedlung prächtige Schmetterlingswiesen mit duftigen Blüten und Wildkräutern, zarten Gräsern und beißenden Brennnesseln wachsen werden, doch das ist eine neue Geschichte …

© Elke Bräunling

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

18. Mai 2016 von Elke
Kategorien: Familiengeschichten, Freundschaftsgeschichten, Frühlingsgeschichten, Geschichten über Gefühle, Naturgeschichten, Sommergeschichten, Tiergeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert


Durch das Fortsetzen der Benutzung dieser Seite, stimmst du der Benutzung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen", um Ihnen das beste Surferlebnis möglich zu geben. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen zu verwenden fortzufahren, oder klicken Sie auf "Akzeptieren" unten, dann erklären Sie sich mit diesen.

Schließen