Der kleine Regentropfen, das Gewitter und der feine Platz zum Schlafen

Auch Regentropfen wünschen sich ab und zu eine Ruhepause im Gewitterreigen

Wie so oft in diesem Sommer hatte die dicke Wolke den kleinen Regentropfen mit all den anderen Regentropfen wieder einmal ausgespuckt und zur Erde hinab geschickt. Dieses Mal begleiteten sie ein Gewitter und das hatte es sehr eilig. Im Schlepptau von Blitz und Donner und Wind jagten die Regentropfen blitzschnell auf das Land zu. Wo sie wohl landen würden?
Dieses Mal lagen keine Häuser und keine Straßen aus hartem Beton vor ihnen, sondern ein Garten.
„Wir haben Glück!“, rief der kleine Regentropfen seinen Kollegen zu. „Ein Beet mit bunten Blumen sehe ich vor mir. Hier wird es uns gefallen!“
Die anderen Regentropfen antworteten nicht. Sie waren müde und der Erdenplatz, den sie besuchen würden, war ihnen egal. Mit einem ‚Platsch‘ stürzten sie an zwei Pfirsichbäumen vorbei auf ein Blumenbeet zu. Sie landeten in den Blüten und Blättern eines Lavendelstrauchs. Ein guter Platz.
Der kleine Regentropfen schnupperte.
„Hm! Hm! Wie süß es hier duftet!“, freute er sich. „Schön ist es bei dir! Hier möchte ich gerne länger bleiben. Sag, du liebe, feine Blume, hast du ein schattiges Plätzchen für mich? Verstecken möchte ich mich vor den Strahlen der Sonne. Sie sollen mich nicht gleich wieder auffressen und in den Wolkenhimmel zurück tragen. Hörst du, fremde Blume? Es ist nämlich so, dass ich und die …“
Er kam nicht weiter. Eine Windböe fuhr mit einem heftigen Peitschen durch den Garten und die Bäume, Sträucher, Blumen und Gräser neigten sich für einen Moment fast bis zum Boden. Auch der Lavendelstrauch erbebte. Weil er sich so sehr im Wind schüttelte, konnte sich der kleine Regentropfen nicht länger an ihm festhalten. Mit einem weiten Schwung flog er durch die Luft und landete an der Wand des Felsens, der sich hinter dem Blumenbeet erhob.
Was war der kleine Regentropfen da erschrocken!
„Ha-halt!“, rief er. „Mir ist schwindelig. Hi-hilfe! Was wird mit mir?“
Noch ehe er sich versah, tropfte er Stück für Stück für Stück den Felsstein abwärts zu Boden und landete in einer kleinen Felsnische.
Der kleine Regentropfen atmete auf. Das war ja noch einmal gut gegangen. Hier war Platz und hier konnte er sich ein bisschen ausruhen. Neugierig sah er sich um. Dunkel war es und sandig.
„Hier können sie mich nicht finden, die Strahlen der Sonne“, freute er sich. „Was für ein Glück ich doch habe! Endlich kann ich einmal so richtig ausschlafen und dann werde ich auf …“
Er kam nicht weiter, denn da war er auch schon eingeschlafen. Diese Sommerregenzeit war doch sehr anstrengend und schlafen muss jeder einmal. Auch ein kleiner Regentropfen.

© Elke Bräunling

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

28. Juni 2016 von Elke
Kategorien: Frühlingsgeschichten, Geschichten über Gefühle, Naturgeschichten, Sommergeschichten, Traumgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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