Papas Gartenlaube

Als wir versuchten, mit Papa im Garten für den Sommer eine Gartenlaube zu bauen

Am Wochenende wollte Papa beweisen, wie leicht es sei, eine Gartenlaube zu bauen. Voller Vorahnungen beschlossen Lena und Jana, am Samstag lieber im Bett zu bleiben, und Mama hatte ganz plötzlich einen dringenden Termin in der Stadt.
Weil Papa aber dann doch zu laut herumhämmerte und immer wieder „Aua!“ und „Autsch!“ rief, hielten es die Mädchen nicht im Bett aus. Lustlos machten sie sich daran, Papa zu helfen. Das war nicht einfach. Den ganzen Morgen schufteten sie, schleppten Hölzer, reichten Nägel und Winkel, und suchten immer wieder nach Hammer, Säge oder Meterstab, die ständig verschwunden waren. Als der Boden der Laube aber endlich fertig war, betrachteten sie doch stolz ihr Werk. Fest, hell und glatt schmiegte er sich zwischen die beiden Apfelbäume.
„Ich hab euch ja gesagt, wir schaffen das“, sagte Papa stolz.
„Was soll das denn werden?“, fragte plötzlich Nachbar Locke.
„Eine Gartenlaube“, erklärte Jana.
„Oh, darauf wäre ich nicht gekommen!“
„Blödmann“, murmelte Papa. „Hat der keine Augen im Kopf?“
Wenig später stand die ganze Familie Locke in unserem Garten. Und weil sie so neugierig guckten, eilten andere Nachbarn hinzu und alle tuschelten und kicherten.
„Was ist passiert?“, rief Oma Guttig. „Ein Unfall?“
„Nichts!“, rief Papa zurück. „Wir bauen nur eine Gartenlaube.“
„Das soll eine Gartenlaube werden?“, rief einer. „Auf dem Boden kann man ja Rutschbahn fahren. Und wo ist das Fundament?“
„Brauchen wir nicht“, nuschelte Papa. „Die Bäume geben genug Halt!“
„Hoho, die Bäume. Hat man so etwas schon gehört?“ Die Nachbarn begannen, Wetten abzuschließen, wie lange die Laube wohl stehen bleiben würde.
„Sie wird den nächsten Sturm nicht überleben“, sagten sie und lachten.
„Hahaha!“, brüllte Papa. Dann warf er alle aus dem Garten. Doch irgendwie war ihm die Lust am Bauen vergangen. Sah der Boden nicht wirklich etwas schief aus? Endlich kam Mama nach Hause.
„Na?“ fragte Papa und zeigte auf das Bauwerk.
„Na ja …“, meinte Mama vorsichtig.
„Die Bäume werden es schon halten“, meinte Papa. „Und schlimme Stürme gibt es bei uns sowieso nie.“
Trotzdem hat Papa an der Laube nicht weiter gebaut. Er wartet auf einen kräftigen Sturm zum Testen, doch es ist ein schöner Sommer ohne Sturm und Gewitter. Ein rechter Gartenlaubensommer. Ja, und gestern hat Lena Papas Auto zufällig bei Maurermeister Weiß stehen sehen …

© Elke Bräunling

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

11. Juli 2016 von Elke
Kategorien: Familiengeschichten, Frühlingsgeschichten, Sommergeschichten, Spaßgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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