Die kleine Waldmaus und der sichere Platz

Gut aufpassen muss die kleine Maus unterwegs

Irgendetwas war anders heute. Die kleine Waldmaus streckte ihr Näslein in die Luft und schnupperte. Es roch so … süß da draußen. Hm! Hm! Gut und süß duftete die Luft. Sie lockte. Und sie machte hungrig. Die kleine Waldmaus spürte das Knurren in ihrem Bauch. Das Wasser lief ihr im Mund zusammen. Wo? Wo gab es diese duftende Köstlichkeit zu finden? Auf der Wiese der Menschen, die hinter dem Wäldchen lag, vielleicht?
„Man könnte dort einmal nachsehen“, sagte die kleine Waldmaus. Sie sagte es ganz leise, denn Opa Maus hatte alle Mausekinder davor gewarnt, alleine zur Menschenwiese zu gehen.
„Dort ist zu viel Betrieb“, hatte er gesagt. „Nicht nur die Menschen sind dort unterwegs, nein, auch Tiere, die nicht unsere Freunde sind, die Katze, der Marder, die Eule, der Uhu, der Storch, der Igel, die Ringelnatter, der Mäusebussard und nicht zuletzt der Fuchs aus dem Bau hinter dem großen Felsen. Sie alle haben großen Mauseappetit, wann immer sie eine Waldmaus riechen und durchs Gras huschen sehen.“
Die kleine Waldmaus kannte sie diese Tiere, die ihre Feinde waren. Von einem sicheren Platz aus hatte sie sie schon viele Male gesehen. Aber sie hatte gut aufgepasst und war vorsichtig gewesen.
„Das ist die Lösung“, murmelte die kleine Waldmaus nun. „Ich muss von einem sicheren Ort zum anderen sicheren Ort wandern und mich dabei immer ganz vorsichtig umsehen. Ja, dann kann mir kein Mausefeind mehr etwas tun.“
Und vorsichtig, ganz vorsichtig, trippelte die kleine Waldmaus los. Sie huschte unter Blättern, Sträuchern, Waldkräutern, Farnen und Ästen hinüber zur Wiese der Menschen. Bis zu dem großen Stein, der am Rande der Wiese stand, pirschte sie sich heran. Der Stein war ein sicherer Platz. Es bot Schutz. Eine fremde Mausefamilie hatte hier im letzten Jahr ihre Wohnung gehabt. Viele kleine Türen, die in der Mausesprache ‚Mauselöcher‘ heißen, führen von allen Seiten des Steins und von der Wiese aus in den alten Bau. Hier konnten sich Waldmäuse, die die Menschenwiese besuchten, vor Gefahren in Schutz bringen.
„Wenn das kein sicherer Platz ist!“, sagte die kleine Waldmaus.
Sie war stolz, dass sie die Idee mit diesem sicheren Platz gehabt hatte. Von hier aus würde sie die ganze Wiese erkunden und dann, ja, dann würde sie auch herausfinden, woher dieser feine süße Duft in der Luft stammte.
„Es ist hier“, sagte die kleine Maus. „Ganz in der Nähe ist es. Ich werde es finden. Bald. Jetzt aber muss ich mich erst einmal ein bisschen ausruhen. Der Weg hierher war aufregend, und aufregende Wege machen müde.“
Klare Sache. Ruh dich aus, kleine Maus. Und schlaf schön. Viele Abenteuer warten auf dich hier auf der großen Wiese.

© Elke Bräunling

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

23. Juli 2016 von Elke
Kategorien: Abenteuergeschichten, Frühlingsgeschichten, Herbstgeschichten, Märchen, Mutgeschichten, Naturgeschichten, Sommergeschichten, Tiergeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert


%d Bloggern gefällt das: