Die kleine Waldmaus und die Sommersonne

Nie hätte die kleine Waldmaus gedacht, dass die Sonne im Sommer so heiß sein kann

Heiß war es seit ein paar Tagen. Sommerheiß selbst im Wald und alle stöhnten. Die Tiere wie auch die Menschen, die sich auf der Suche nach kühlen, schattigen Plätzen in den Wald geflüchtet hatten.
Die kleine Waldmaus, die sonst an heißen Sonnentagen im kühlen Mäusebau den Abend abwartete, staunte.
„Nanu?“, sagte sie. „Diese Sonne heute ist aber eine sehr starke und heiße Sonne. So kenne ich sie gar nicht. Und ich weiß gerade nicht, ob sie mir so gefällt.“
Dass Sonnenstrahlen so heiß waren, nein, das hatte sich die kleine Waldmaus nicht vorstellen können. Ein bisschen war sie auch erschrocken.
„Hüte dich vor den Strahlen der Sommersonne“, hatte Opa Maus gesagt und er hatte sie ganz ernst dabei angesehen. „Sie schwächen und machen langsam. Langsamkeit aber tut uns Waldmäusen bei Gefahren nicht gut.“
An diese Worte musste die kleine Waldmaus nun denken. Und ja, sie fühlte sich heute schwerer in den Gliedern als sonst. Schwer und langsam. Was, wenn der Marder nun käme oder die Natter, die ganz in der Nähe ihre Steinhöhle hatte? Oder der Bussard gar? Ob sie die Kraft hätte, schnell genug einen sicheren Platz und ein Versteck zu finden?
„Aber ja!“, rief die kleine Maus, die Angst vor Angstgedanken hatte. Über diese Gefahren mochte sie gar nicht so genau nachdenken. Weil die Angst dann nämlich groß und größer werden würde und weil sich ihre Glieder mit einer großen Angst im Bauch noch langsamer – und auch zitteriger – anfühlen würden.
„Ich werde aufpassen und mich hüten. Von Gefahren und auch vor der heißen Sommersonne. Klare Sache.“
Und vorsichtig kroch sie unter dem Laub schattiger Waldkräuter und Büsche langsam weit und immer weiter zum Holzstapel hinüber. Geschafft!
Glühend heiß war es hier. Da war kein schattiges Blattlaub und die Sonnenstrahlen tanzten auf den Holzscheiten ihren flirrenden Sonnentanz.
„Wie heiß das ist!“
Die kleine Waldmaus schüttelte sich. Sie beschloss, doch nicht wie geplant auf den Stapel hinauf zu klettern, um von dort bequem die lecker süßen Früchte vom benachbarten Himbeerstrauch zu naschen. Allein wenn sie daran dachte, verließ sie ganz schnell der Hunger auf Beeren.
„Warte, du! Ich warte, bis du hinter den Bergen verschwunden bist!“, sagte sie in den Himmel zur Sonne hinauf. „Ich habe mehr Zeit als du. Und ich bin schlau. Ich muss hier nämlich nicht verschwinden. Ha!“
Sie lachte und fühlte sich auf einmal so richtig stark. Dann suchte sie sich unter dem kühlen Blattlaub des Himbeerstrauches einen Warteplatz für ein kleines Schläfchen.

© Elke Bräunling

Sonnenwald

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

25. Juli 2016 von Elke
Kategorien: Abenteuergeschichten, Geschichten über Gefühle, Naturgeschichten, Sommergeschichten, Tiergeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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