Mülltonnentango

Wenn einer damit anfängt, seine Mülltonne vors Haus zu stellen …

Am Sonntag Nachmittag stellt Max Meyer die grüne Mülltonne vors Haus.
„Haben wir Papiermüll?“, überlegt Nachbarin Huber. „Das hätte ich ja beinahe vergessen.“ Und sie rollt die grüne Papiermülltonne vors Haus. Ordnung muss sein.
Das denken auch die anderen Nachbarn und als Opa Schmidt nach Hause kommt, säumen viele grüne Mülltonnen die Straße.
„Seltsam“, murmelt Opa Schmidt. „Papiermüll wird dienstags abgeholt. Der Montag ist Restmülltag.“ Und weil sich Opa Schmidt da ganz sicher ist, rollt er die schwarze Tonne vors Haus, obwohl die erst letzte Woche geleert worden ist. Aber man weiß ja nie und sicher ist sicher.
„Doch kein Papiermüll?“, überlegt wenig später Max Meyer. Er schüttelt verdutzt den Kopf und wundert sich. Dann räumt er die grüne Tonne wieder ins Haus und stellt die schwarze Tonne an den Straßenrand. Die fühlt sich zwar noch sehr leicht und leer an, aber das kann ja mal vorkommen.
„Nanu?“ Nachbarin Huber ist verwirrt, als sie später mit Dackel Wurzel vom Gassigang zurückkommt. „Grüner Müll oder schwarzer Müll?“ Sie seufzt. „Man kann sich aber auch so leicht irren heutzutage.“ Und weil sie sich nicht gerne irrt und es noch weniger gerne leiden mag, dass die Nachbarn glauben könnten, sie könnte sich irren, schiebt sie ihre grüne Tonne wieder in den Schuppen und zieht die schwarze heraus.
Und rate! Richtig. Am Abend stehen nur noch schwarze Mülltonnen auf der Straße. Viele schwarze Mülltonnen.
Die stehen noch da, als der Kunstmaler Petronius Schütze, über den man als Nachbar nur den Kopf schütteln kann, spät nach Hause kommt.
„Sieh sie dir an, diese Spießer!“, sagt er zu seiner Freundin. „Mülltonnentango! Einer fängt an … und die anderen folgen und jeder hat recht. Bei Mülleimern und beim Straßenkehren haben hier immer alle recht und wer nicht mitspielt, ist ein Schlamper.“
Die Freundin von Petronius muss lachen. „Hoho! Dann bist bestimmt du der große Schlamper in der Straße.“
„Aber klar! Ein Künstler ist immer ein Schlamper, sagen sie.“ Petronius lacht auch und weil er die Sache mit den Mülltonnen so lustig findet, legt er zwei gelbe Müllsäcke vor sein Haus.
Witzig sieht sie nun aus, die Hauptstraße des Dorfes. Viele schwarze Mülltonnen und zwei fröhlich gelbe Säcke.
„Das war ja zu erwarten“, brummt Opa Schmidt. „Der Herr Petronius Schütze mit seinen gelben Säcken tanzt wieder einmal aus der Reihe. Aber der wird sich wundern, dieser Künstler.“
Ähnlich denken auch Max Meyer, Nachbarin Huber und alle anderen Bewohner der kleinen Hauptstraße. Von einem verrückten Maler lassen sie sich doch nicht durcheinander bringen? Das wäre ja noch schöner!
So warten die vielen schwarzen Mülltonnen und die beiden gelben Säcke geduldig auf ihre Abholung und tanzten in ihren Träumen den Mülltonnentango. Sie warten noch immer, die schwarzen Tonnen. Nur das Gelb der Säcke ist am Morgen nicht mehr zu sehen.
Was ist passiert? Rate du!

© Elke Bräunling

Diese Geschichte findest du in dem neuen Buch: Omas Wintergeschichten


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Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

02. August 2016 von Elke
Kategorien: Familiengeschichten, Spaßgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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