Florian und der Ernst des Lebens

Florian kommt in die Schule, dabei wäre er so gerne im Kindergarten geblieben

Florian kommt in die Schule und alle sind froh darüber.
„Jetzt habe ich kein Kindergartenkind mehr“, sagt Mama am Tag vor dem ersten Schultag. Sie sieht dabei nicht unglücklich aus.
„Was habe ich doch schon für große Kinder!“, staunt Papa.
„Bald wirst du erwachsen sein“, murmelt Opa und Oma streicht Florian übers Haar und sagt mit bewegter Stimme:
„Und nun, mein Lieblingsfloh, beginnt auch für dich der Ernst des Lebens.“
„Den Ernst, den brauche ich nicht“, brummt Florian. „Es ist gut, wie es ist.“
Nein, Florian weiß noch nicht recht, ob er sich darüber freuen soll, wie seine Geschwister nun ein Schulkind zu sein. Seine Freunde können den ersten Schultag kaum abwarten. Sie tun, als seien sie nun erwachsen. Na ja, ein bisschen. Florian aber will noch nicht erwachsen sein. Auch nicht ein bisschen. Und vor diesem Ernst fürchtet er sich sogar ein wenig. Wenn die Erwachsenen von ihm reden, sehen ihre Mienen ein wenig dunkler aus, ihre Stimmen klingen tiefer, ihre Augen blicken irgendwie furchtsamer drein. Er muss ein ernster Kerl sein, dieser Ernst. Ob er lachen kann?
Florian lacht gerne. Über alles und jeden. Lachen macht den Tag heller, findet er. Und fröhlicher.
Zu diesem Ernst passt Lachen nicht, überlegt er. Wenn der mit finsterer Miene in der Schule umhergeht, wagt es bestimmt keiner mehr, einfach zu lachen, wenn er Lust darauf hat.
Im Kindergarten haben sie oft gelacht. Alle. Besonders August. Der ist sein Freund und immer lustig. Weil er den Kindergarten so sehr liebt, ist er dort geblieben. Nein, er ist dorthin zurückgekehrt. Der August hat es ihm einmal erklärt. In die Schule hat er auch gehen müssen, doch dort hat er immer an die fröhliche Zeit im Kindergarten denken müssen und deshalb hat er ganz schnell ganz viel gelernt, damit er – auch ganz schnell – wieder in den Kindergarten zurückkehren konnte. Das hat er dann auch genau so gemacht und ist jetzt so etwas wie der Chef im Kindergarten. Er muss nicht mehr weggehen und das findet Florian cool. Er möchte eigentlich auch nicht vom Kindergarten weggehen und am liebsten würde er es so machen wie der August.
„Dazu musst du nun aber erst einmal in die Schule gehen und viel lernen“, hat August zu Florian gesagt. Dabei hat er so lieb gelächelt, dass es Florian schwer ums Herz geworden ist.
Okay, er würde in diese blöde Schule gehen und ganz schnell ganz viel lernen. Den August im Kindergarten aber, den würde er oft besuchen. Jeden Nachmittag vielleicht. Irgendwo muss man ja schließlich Spaß haben und lachen, ohne den ernsten Ernst, diesen Spielverderber.
Ja, genau so wird er es machen. Ab morgen, wenn er ein Schulkind ist.

© Elke Bräunling

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

04. August 2016 von Elke
Kategorien: Familiengeschichten, Schulgeschichten, Sommergeschichten, Spaßgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , , | 4 Kommentare

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