Schultüten für alle

Schultüten sind toll und alle Schulanfänger sollen sich darüber freuen

Nur noch wenige Tage und das neue Schuljahr begann. Dies war auch das große Thema auf dem Spielplatz. Gleich sieben Spielplatzkinder würden nämlich ihren allerersten Schultag haben, so richtig mit Schultüte, Geschenken und Familienfesten. Das war ganz schön aufregend, fast wie Weihnachten. Am spannendsten war die Sache mit den Schultüten. Was konnte sich in ihnen nicht alles verbergen! Viele tolle kleine Geschenke und vielleicht auch ein paar Naschereien. Wenn das kein Grund war, sich auf die Schule zu freuen?
„Ätsch!“ Marika drehte eine lange Nase zu Anna, Finn und Marek. „Ihr müsst in die Schule gehen und bekommt keine Schultüte. Das ist voll doof.“
Ihre Freunde, die auch alle nun in die Schule kommen, lachten und riefen auch gleich: „Ätsch! Ätsch!“
„Stimmt“, sagte Marek. „Schule ist voll doof. Aber noch doofer ist es, die jüngsten in der Schule zu sein. Und das ist euer Pech.“
„Genau“, freute sich Anna. „Über euch Anfänger können wir ja nur lachen.“
„Und die Kleinsten sind auch immer die Dummen“, fügte Finn hinzu. „Ich bin froh, dass ich nun in die zweite Klasse komme. Das ist viel cooler als eine langweilige Schultüte.“
„Schultüten sind etwas für Babys“, sagte Anna.
Marek nickte. „Stimmt. Man weiß ja auch nie, was in so einer Tüte drin ist. Oder?“
„Und mit der Schule ist es genau so“, rief Finn. „Da weiß man auch nie, was da so alles drin ist. Oho!“
Dann lachten sie laut los, die drei Großen, die schon in die zweite Klasse kamen und über all den Anfängerkram eben nur lachen konnten. Das hatten sie doch längst hinter sich. Hoho!
„Meine Oma sagt, die Schultüte soll Freude machen und sie soll auch trösten, weil man nun kein kleines Kind mehr ist“, rief da der kleine Dirk. „Mich muss auch keiner trösten. Ich freue mich auf die Schule und ich bin froh, nun auch groß zu sein. Auch ohne Schultüte würde ich mich auf den ersten Schultag freuen, aber so was von!“
Dirk konnte manchmal ganz schön schlau sein. Er wusste oft mehr als die Leute aus der zweiten und dritten Klasse gar.
„Für mich und mein Cousins Junis und Yasin gibt es keine Schultüten“, sagte Mina, die vor einem halben Jahr mit ihrer Familie aus dem Krieg in Syrien geflüchtet war und nun hier im Städtchen wohnte. „Ich brauche auch keinen Trost. Es ist nämlich toll, dass ich in die Schule gehen und etwas lernen darf. Das macht mir Freude.“
Nun lachte keiner mehr. Alle nämlich mussten nun an den gemeinen Krieg und an das Flüchten denken.
Anna aber überlegte noch ein Stück weiter. Wenn sie ihre, Finns und Mareks alte Schultüten säubern und mit kleinen Geschenken für Mina ,Junis und Yasin füllen würden, dann wäre das doch eine tolle Sache. Jeder sollte schließlich eine kleine Schultütenfreude am ersten Schultag haben. Klar, oder?

© Elke Bräunling

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

18. August 2016 von Elke
Kategorien: Freundschaftsgeschichten, Geschichten über Gefühle, Schulgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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