Die kleine Blätterfee und die Sonne

Wenn die kleine Blätterfee erwacht ist, wird es bald bunter im Land

Irgendetwas hatte sie aufgeweckt. Stimmen und Laute, die ihre Zeit ankündigten. Und roch es nicht auch danach? Die Blätterfee schnupperte.
„Die Vorboten des Herbstes“, sagte sie. „Sie liegen in der Luft. Ich kann sie riechen und hören.“ Sie blickte auf und sah die Finkenschar, die sich in der großen Buche niedergelassen hatte.
„Und ich kann sie sehen“, fügte sie hinzu. „Die ersten Vögel sammeln sich zum großen Flug in den Süden.“ Sie schnupperte wieder. „Eindeutig. Ja. Klar. Ich glaube, meine bunte Jahreszeit ist bald da.“
„Bunt?“, fragte die Sonne und lachte. „Bunt wird sie erst, wenn du mit deiner Arbeit beginnst.“
„Und wenn du mir dann hilfst“, antwortete die kleine Blätterfee schnell. „Das Bunte braucht uns beide.“
„Das ist mir bekannt“, sagte die Sonne. „Nur weile ich von Tag zu Tag nun weniger hier im Lande. Meine Strahlen werden daher immer schwächer. Du solltest bald mit deiner Arbeit beginnen. Und beeilen solltest du dich. Du kennst das ja schon aus früheren Jahren.“
Die kleine Blätterfee nickte. Ja, das kannte sie schon. Die Sonne sagte es ihr jedes Jahr wieder. Und doch machte sie dann mit ihrem Aufbruch nach Süden noch lange nicht ernst. Wie immer würde sie dem Land noch viele goldene und auch warme Sonnentage schenken.
„So werde ich mich doch gleich auf den Weg machen zu einem Besuch bei meiner lieben Tante, der Herbstfee. Ich hoffe, dass auch sie bereits aus ihrem Sommerschlaf erwacht ist und die Pforte in ihrem Feenschloss geöffnet hat.“
Die Sonne nickte. „Ich sende ihr meinen Gruß. Richte ihr aus, dass ich ihr meine Aufwartung machen werde, wenn die Zeit gekommen ist und der Herbst endgültig Einzug hält. Nun aber muss auch ich weiter ziehen, der Abend naht. Alles Gute für dich.“ Sie blinkte der kleinen Blätterfee mit ihrem Strahlenkranz noch einmal zu, dann zog sie sich hinter den Berg zurück.
„Alles Gute!“, rief die kleine Fee und winkte. Sie winkte noch, als es im Tal längst kühl geworden war und die Dämmerung einbrach. Sie musste sich beeilen. Der Weg zur Herbstfee war weit und sie hatte es eilig nun. Farbe musste sie unbedingt dort holen. Morgen schon wollte sie damit beginnen, die Blätter der Bäume in den Wäldern und Parks, in den Alleen, Feldern und Gärten ringsum in ihrem Herbstland tiefgrün und gelb und braun und rot und Gold und orangefarben anzumalen.

© Elke Bräunling

Eine weitere Geschichte mit der kleinen Blätterfee findest du hier: Die kleine Blätterfee und der Wind

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

09. September 2016 von Elke
Kategorien: Gutenachtgeschichten, Herbstgeschichten, Märchen, Naturgeschichten, Traumgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , | 1 Kommentar

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