Die kleine Waldmaus und die Zeit für den Winterschlaf

Die Tiere ziehen sich in ihre Schlafhöhlen zurück und auch die kleine Waldmaus beeilt sich, nach Hause zu kommen

Warm und freundlich hatte dieser Wintertag wieder begonnen. So warm und freundlich, dass die kleine Waldmaus schon früh mit den ersten Sonnenstrahlen die Mausehöhle verlassen hatte. Die Waldwiese wollte sie besuchen und Ausschau halten nach ihren Freunden, den Wiesenmäusen, den Hasenkindern und dem alten Igel, der beim großen Stein unter dem Birkenhain seinen Schlafplatz hatte. Irgendwie aber hatten die Freunde heute keine Lust zum Spielen. Selbst die Sonne hatte sich inzwischen hinter gelbgrauen Wolken versteckt.
„Es liegt etwas in der Luft“, sagte die Hasenmama zu den Hasenkindern, die eigentlich seit Ende des Sommers keine Kinder mehr waren. Sie streckte schnuppernd die Nase in die Höhe. „Wir sollten uns einen geschützten Platz suchen.“
Auch der alte Igel war unruhig und längst nicht so freundlich wie sonst.
„Es ist soweit“, brummelte er mit ungnädiger Miene. „Die kalte Zeit ist nah.“ Er sah die kleinen Mäuse streng an. „Und ihr solltet zusehen, dass ihr in eure Höhlen kommt. Das Wetter, glaubt es mir, es ändert sich. Der Winter steht vor dem Wald.“
Der Winter, der gefährliche Kerl, stand vor dem Wald? Was sagte der Igel da?
Die kleine Waldmaus blickte zu den Bäumen am Waldrand hinüber. Auch die Waldvögel dort schienen ein wenig aufgeregter zu sein als sonst.
„Es ist wie immer“, sagte die kleine Waldmaus schließlich. „Fast wie immer.“
„Nicht mehr lange“, knurrte der Igel. „Geh nach Hause, kleine Maus!“ Er schnupperte. „Schnee! Ich rieche den Schnee!“
Schnee?
Die kleinen Wiesenmäuse piepten laut auf und waren – wusch – mit einem Satz verschwunden.
Die Worte von Opa Maus fielen der kleinen Waldmaus ein. ‚Schnee ist für uns Mäuse nur in unserer warmen Mausehöhle ungefährlich.‘
Das hieße ja, sie war in Gefahr?
„Wann kommt der Schnee?“, fragte sie den Igel.
„Bald“, antwortete er. „Es wird immer kälter. Daher werde ich mich nun zur langen Ruhe begeben und das solltest du auch tun.“
Und ehe die kleine Waldmaus etwas antworten konnte, war der Igel mit einem leisen Rascheln tief in seiner Blätterhöhle verschwunden.
„Ich sollte wohl auch nach Hause gehen“, murmelte die kleine Maus. Und laut rief sie ein „Tschüs und bis morgen“ über die Waldwiese. Dann machte sie sich auf den Weg zur Mausehöhle. Sie beeilte sich, denn irgendwie fühlte sich die Luft immer kühler an.

© Elke Bräunling

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Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin
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