Winterwette mit Oma Wolke

Kommt der Winter nun oder bleibt der Herbst und wer gewinnt die Wette?

„Es riecht nach Winter“, rief Oma Wolke zu Pia herauf. Sie stand im Garten mitten auf der Obstwiese, die Arme in die Hüften gesteckt und die Nase himmelwärts gereckt. „Jawohl. Ich rieche ihn. Da bin ich mir sicher.“
„Winter?“, fragte Pia, die in ihrem Zimmer am Fenster stand und zu Oma Wolke in den Nachbargarten hinunter blickte. „Den sehe ich nicht und ich spüre ihn auch nicht.“
Schnell blickte sie nun auch zum Himmel hinauf und wie Oma Wolke schnupperte nun auch sie. Den Winter aber konnte sie nicht riechen. Im Gegenteil. Draußen duftete es nach Herbst und auch nach Frühling. Und zwar nach einem warmen Sommerherbst und Maienfrühling sogar. So warm und sonnig nämlich war es in diesen Novemberwochen gewesen, dass man alles spürte, roch und fühlte, nur nicht den Winter. Irgendwie war der Herbst fast unsichtbar und sehr freundlich durch die Zeit gewandert, nicht einmal einen Herbststurm hatte es gegeben und auch nur freundlichen Morgennebel. Nein, nach Winter fühlte es sich hier draußen nicht an.
„Es wird späte Herbststürme geben und die haben die Kälte mit im Gepäck. Das spüre ich deutlich in meinen alten Knochen.“ Oma Wolke war sich sicher.
Eine Windböe fuhr durch die Apfelbäume. Sie fühlte sich warm an und streichelte  Pias Wangen. Sie duftete nach Frühling und warf viele Hände voller roter, gelber und brauner Blätter von den Zweigen. Die knisterten und raschelten auf ihrem Weg zum Boden, so welk und trocken waren sie nun geworden.
„Der Wind ist aber ganz warm“, rief Pia Oma Wolke zu. „Und er duftet nach Frühling.“
„Beleidige meine Sturmnase nicht!“ Oma Wolke grinste. „Der Herbststurm wird kommen und er bringt den Winter mit. Wetten?“
Nein, wetten mochte Pia mit Oma Wolke nicht. Die gewann nämlich fast alle Wetten, vor allem Wetterwetten,  und das war langweilig. Und teuer.
„Ich wette lieber mit dir, dass du bald sagen wirst, der Winter und vor allem der Advent würden noch lange nicht kommen werden. Weil du nämlich wegen des tollen Herbstfrühlingswetters vergessen hast, Lebkuchen und Butterkringel zu backen. Wetten?“
Diese Wette würde sie gewinnen. Pia war sich da ganz sicher, hatte sie es doch in den letzten Wochen an keinem Tag versäumt, in Oma Wolkes Küche zu blinzeln und nach Weihnachtsplätzchen zu suchen. Da war nichts zum Erschnuppern gewesen. Es gab noch kein Oma-Wolke-Weihnachtsgebäck. Totsicher.
„Wette angenommen!“ Nun lächelte Oma Wolke nicht mehr, nein, sie grinste breit übers ganze Gesicht. „Und Wette verloren. Die Plätzchen ruhen längst wohl verpackt und sicher vor kleinen Spionen im Keller und warten auf ihren Einsatz, wenn der erste Wintersturm ums Haus tobt. Hahaha! Ich habe abends gebacken und du hast es dieses Mal nicht bemerkt. Ha! Was freut mich das! Ich habe gewonnen. Um was haben wir gewettet?“

© Elke Bräunling

Diese Geschichte findest du in dem neuen Buch: Omas Wintergeschichten


Taschenbuch: Omas Wintergeschichten: Wintergeschichten und Märchen für Kinder
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Elke Bräunling, Kinderbuchautorin
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