Der Weihnachtsmann auf dem Weihnachtsmarkt

Die Bude des alten Mannes, der aussieht wie der Weihnachtsmann, sieht anders aus als die anderen Buden auf dem Weihnachtsmarkt

Alle waren sie in diesem Jahr wieder auf dem kleinen Weihnachtsmarkt vertreten: die Wurstbude, den Reibekuchenstand, die Stand mit dem Weihnachtsschmuck, die Strickschatulle, die Mandelrösterei, der Maronimann, die Süßzauberbude, das Pfefferkuchenparadies, der Weihnachtskugelmann, die Bücher-Else und das Kinderkarussell mit den hölzernen Pferdchen und viele andere Stände und Buden. Es war wie immer auf dem engen Marktplatz der kleinen Stadt.
Nein, etwas war anders. Eine neue kleine Bude hatte sich über Nacht zwischen die alten Stände gemogelt. Sie sah nicht weihnachtlich aus und die Marktbesucher beäugten sie voller Misstrauen. Man sah keinen Weihnachtsschmuck da und keine Lichtketten, nichts glitzerte und glimmerte und es gab auch keine Auslagen. Leer und langweilig, ja, trist sah sie aus, diese neue Bude. Ein alter Mann saß darin. Er trug einen langen weißen Bart und passte irgendwie so gar nicht hierher. Er blickte ernst drein. Ernst und traurig. Wer war er? Und was machte er auf dem Weihnachtsmarkt? Die Leute zögerten.
„Das ist der Weihnachtsmann!“, rief da ein Kind. „Hurra! Der Weihnachtsmann ist zu uns gekommen.“
„Der Weihnachtsmann? Oh! Toll!“
Von allen Seiten kamen die Kinder gelaufen und scharten sich um die kleine Bude mit dem Fremden, der gar nicht wie ein Weihnachtsmann aussah. Und der begann zu erzählen. Geschichten vom Weihnachtsmann und seinen Zwergen, von Engeln, Sternen und dem Christkind, von Geheimnissen, Wünschen und dem Kind im Stall, von Überraschungen, Liebe und dem Weihnachtsfest. Eine Geschichte nach der anderen erzählte er und noch eine und noch eine und immer mehr und mehr. Und mit jeder Geschichte zauberte er das Weihnachtsland ein bisschen mehr hierher auf den kleinen Weihnachtsmarkt.
Schön war das und die Kinder hatten viel Freude bei diesem fremden, alten Mann vor dieser unscheinbaren, gar nicht weihnachtlich aussehenden Bude zwischen all den glitzerbunten Marktständen. Keines von ihnen hatte Lust, sich noch woanders auf dem Markt umzusehen. Auch nicht dort, wo es lockend hell und bunt glimmerte oder wo die Musik besonders laut hallte. Auch nach Hause gehen wollte niemand. Beim Weihnachtsmann bleiben wollten die Kinder und noch ein bisschen vom Weihnachtsland träumen. Und das war okay so für diesen Tag … und für diese Zeit. Dabei sah der Alte noch immer gar nicht nach Weihnachtsmann aus. Oder vielleicht ein bisschen doch?

© Elke Bräunling

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Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin
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