Der kleine Stern und die Engelsmusik

Ein Begegnung auf dem Weihnachtsmarkt in der nächtlichen Stadt

Als sich der kleine Stern eines Nachts auf seine Runde über den Himmel machte, hörte er  plötzlich von irgendwoher leisen Gesang. Er lauschte und lauschte, dann wusste er Bescheid. Der wunderfeine Gesang hallte von der kleinen Stadt, die unter ihm lag, zu ihm herauf und er klang wunderschön. Zum Träumen wunderschön sogar. Der kleine Stern verharrte, lauschte wieder. Die Weisen ähnelten der Musik der Engel, die er von der Himmelswiese her kannte. Ob sie es waren, die da sangen? Nein, zu dieser nächtlichen Stunde waren nur die Schutzengel auf der Erde unterwegs. Seltsam. Wer mochten die Sänger sein? Hm! Hm!
„Es ist schon spät. Erde und Himmel sollten jetzt schlafen“, wunderte er sich. „Wer singt da? Hallo?“
Unbedingt wollte der kleine Stern wissen, wer auf Erden so lieblich zu singen vermochte. Und wieder einmal verließ er seinen Himmelsplatz und machte einen Abstecher hinab ins Städtchen.
Langsam glitt er über die Dächer, blinzelte in die Fenster hinein und auf die Straßen hinunter
„Wie schön es seit meinem letzten Besuch hier geworden ist!“, staunte er, als er die Lichter sah, die die Häuser und Straßen schmückten. „Die Menschen bereiten sich auf ein feierliches Fest vor. Das gefällt mir.“
Er kam zum Marktplatz. Auch der hatte sich auf wundersame Weise verändert. Eine große Tanne mit hellen Lichtern stand am Marktbrunnen, daneben grenzten bunt geschmückte Holzhäuschen an.
„Eine kleine Stadt ist in der kleinen Stadt entstanden“, rief der kleine Engel. 👼  „Wie aufregend das ist! Und irgendwo hier singen wunderklare Stimme die schönsten Lieder, die ich auf Erden je gehört habe.“
Suchend durchstreifte er die Budengasse des Weihnachtsmarktes. Die Fenster der Weihnachtsmarktbuden waren dunkel und geschlossen. Der Gesang aber klang näher und näher und … jetzt, ja, da, jetzt! Da waren sie! Ohhh!
Im Fenster des letzten Markthäuschens leuchtete das Licht dreier roter Kerzen und dort sangen sie, die kleinen Wundersänger. Der kleine Stern staunte. Engelchen aus Glas waren’s, die da sangen. Sie hingen an Silberschnüren, die sich im Kerzenschein drehten. Wunderhell schimmerten und gleißten ihre Flügelchen. Schön sah das aus. So schön!
Ein Kind stand vor der Bude und staunte. Seine Augen glänzten.
„Mein Engel hat mir dieses Lied geschenkt“, erklärte es dem kleinen Stern. „Dieses und viele andere. Jede Nacht eine Viertelstunde, bis ich wieder gesund bin.“ Es versuchte zu lächeln. „Kannst du dir vorstellen, wie gemein es sich anfühlt, in der Weihnachtszeit krank zu sein? Nein, das kannst du nicht. Das kann keiner. Aber jetzt geht es mir schon besser und morgen schenkt mir mein Engel wieder ein neues Engelslied für einen neuen Traum. Sag, wirst du auch wieder da sein, kleiner Stern?“
Der kleine Stern nickte und er hatte auch gleich noch eine Idee, doch das war dann eine andere Geschichte.

© Elke Bräunling

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Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin
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