Als wir die Weihnachtsfreude fanden

Im Stillen kann man sie finden, die Weihnachtsfreude

„Irgendwie“, sagte Papa, „mag ich dieses Weihnachten dort draußen nicht mehr leiden.“
Er deutete zur Stadt hinüber. Mehr sagte er nicht und alle schwiegen. Keiner von uns aber konnte Papas Worte vergessen.
Wir dachten auch daran, als wir uns mit den Großeltern und Onkel Léon ein paar Tage später zum Heiligabend-Nachmittagsspaziergang trafen.
„Ich möchte euch einen ganz besonderen Ort der Weihnacht zeigen“, sagte Papa. „Zieht eure Wanderschuhe an!“
Wanderschuhe am Heiligen Abend? Wir wunderten uns, doch keiner wagte es, dazu eine Frage zu stellen. Wir meckerten auch nicht, als Papa nach kurzer Autofahrt auf einem ruhigen Waldparkplatz parkte. Der Weg, den Papa von hier aus einschlug, führte oberhalb der Weinberge am Waldrand entlang bergan. Er war steil, doch von der Bergkuppe leuchtete uns ein Licht entgegen.
„Weihnachtlich sieht es dort oben aus. Seht!“, sagte Mama und deutete auf den hellen Punkt im Winterdämmerlicht. „Es fühlt sich gut an, den Berg hinauf zu steigen, dem Licht entgegen.“
„Wie friedlich und still es hier ist!“, freute sich Oma.
Und Opa meinte leise: „Hier draußen ist man dem Fest näher, findet ihr nicht auch?“
„Besuchen wir das Weihnachtslicht?“, fragte meine kleine Schwester Bibi und Bastian äugte zum Himmel hinauf. „Vielleicht sehen wir den Stern von Bethlehem?“
„Oder das kleine Weihnachtskind?“, flüsterte Onkel Léon.
Jeder von uns hatte so seine Gedanken auf dem Weg hinauf zu dem Licht.
Endlich hatten wir die Weinbergkapelle erreicht. Es war still hier. Stumm betraten wir den Raum, der vom Licht vieler Kerzen erhellt war. Auf dem kleinen Altar stand eine Krippe. Ein Stall mit dem Jesuskind, Maria und Josef, mit Ochs und Esel und einem Engel. Schlicht und schön.
„Das ist mein Weihnachten“, sagte Papa.
Mein Herz schlug ein wenig schneller. Papa hatte recht. Das war Weihnachten. Dazu brauchte es keine weiteren Worte. Die Stille, die herrschte, war zu schön.
Ich glaube, an jenem Heiligabendnachmittag hatten wir sie für uns wieder gefunden, die Weihnachtsfreude.

© Elke Bräunling

Aus dem Buch: Omas Geschichten durchs Jahr


Taschenbuch:Omas Geschichten durchs Jahr: Frühling, Sommer, Herbst und Winter – Geschichten für Kinder  Ebook mobi:Omas Geschichten durchs Jahr: Frühling, Sommer, Herbst und Winter- Jahreszeitengeschichten für Kinder Information

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

09. Dezember 2016 von Elke
Kategorien: Familiengeschichten, Geschichten über Gefühle, Kindergeschichten, Weihnachtsgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , | 1 Kommentar

1 Kommentar

  1. Pingback: Weihnachtsfreude | Winterzeit

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert


Durch das Fortsetzen der Benutzung dieser Seite, stimmst du der Benutzung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen", um Ihnen das beste Surferlebnis möglich zu geben. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen zu verwenden fortzufahren, oder klicken Sie auf "Akzeptieren" unten, dann erklären Sie sich mit diesen.

Schließen