Anruf vom Christkind

Manchmal ruft das Christkind an

Das Telefon läutete und der kleine Tim rannte los, um als erster den Hörer zu erhaschen. Er liebte es, sich am Telefon mit Leuten zu unterhalten. Er redete auch gerne mit Fremden. Das konnte noch spannender sein.
„Oh, hallo!“, rief er nun fröhlich in den Hörer. „Das ist toll, dass du anrufst.“
„Wer ist es denn?“, raunte Papa ihm zu. „Ist es jemand, der mich sprechen möchte?“
„Nein“, flüsterte Tim. „Das ist mein Anruf.“
Papa, der seit Tagen einen Anruf erwartete, der für ihn unbequem war und den er lieber nicht erhalten mochte, atmete auf.
„Glück gehabt“, murmelte er. „Möge dieser Kelch auch weiterhin an uns vorüber gehen.“
Man machte sich oft zu viele unnötige Gedanken. Wer weiß, vielleicht hatte Großtante Christie längst jemand anderen in der Verwandtschaft gefunden, bei dem sie für ihren diesjährigen Deutschlandbesuch Quartier nahm. Seine Cousinen konnten sich schließlich auch einmal um die Tante aus Ohio kümmern. Die war nämlich anstrengend. Sie redete viel. Auch hatte sie hundert und mehr Ideen, die sie verwirklichen möchte, am liebsten alle auf einmal.
Ja, den Anruf von Großtante Christie fürchtete Papa wirklich sehr, wusste er doch, dass er sich wieder dazu breitschlagen ließ, die Tante über Weihnachten in der Familie willkommen zu heißen.
„Wer war es denn?“, fragte er, als Tim endlich den Hörer aufgelegt hatte.
„Das Christkind.“ Tim strahlte.
„Das Christkind?“ Papa staunte. „Das ist aber ein feiner Anruf. … Was wollte es denn?“
„Es will bald kommen. Am Samstag schon. Oh, ich freue mich so sehr!“
„Wie fein!“ Papa wunderte sich. Seit wann meldete sich das Christkind telefonisch an? „Es kommt doch immer zu Heiligabend“, murmelte er. „Da muss es doch nicht extra vorher anrufen.“
Und er stellte sich vor, wie das Christkind alle Kinder vor dem Fest anläutete, um sein Kommen anzukündigen. Er grinste. Da aber dämmerte es ihm.
„Was … was hat das Christkind noch gesagt?“, fragte er aufgeregt und die Antwort ahnend.
„Du sollst es abholen“, fiel Tim ein. „Am Samstag am Flughafen. Tante Christie bringt es mir mit. Ist das nicht toll?“
„Toll“, sagte Papa. „Wundertoll sogar.“
Und auf einmal freute er sich auf Tante Christie und das Christkind, das sie mitbringen wollte. Die Zeit mit der Großtante war nämlich immer auch eine sehr fröhliche.

© Elke Bräunling

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

22. Dezember 2016 von Elke
Kategorien: Familiengeschichten, Kindergeschichten, Weihnachtsgeschichten | Schlagwörter: , , , , , | 2 Kommentare

Kommentare (2)

  1. Heute Abend wird von mir erwartet das ich eine Weihnachtsgeschichte erzähle. Deswegen bin ich auf der Suche nach tollen Gesichten. Wünsche schöne Weihnachten.

    Lg Sina

  2. Schöne Weihnachten auch zu dir.
    <3
    Die Neugierde will wissen, ob du eine passende Geschichte gefunden hast? Und wie war das Vorlesen?

    Lieber Gruß
    Ele

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