Herr Meier und das Glück zum neuen Jahr

Die Sache mit dem Glück ist eigentlich ganz einfach

„Warum bringt das neue Jahr Glück?“, fragte Anton am Silvesternachmittag den Herr Meier, den er am Gartenzaun getroffen hatte.
„Wer sagt, dass es Glück bringt und wem?“, brummte der alte Nachbar, der damit beschäftigt war, einem vom Wind zerzausten Apfelbäumchen mit Pflöcken neuen Halt zu geben.
„Jedem“, meinte Anton, doch er klang zögerlich, konnte er es doch selbst nicht so recht glauben, dass all die Glückwünsche und Glückskarten und Glücksschweinchen und Kleeblätter, die die Leute einander in den letzten Tagen des Jahres zuwarfen, für das Glück zuständig waren. „So sagen es die Leute.“
„Ha!“ Nachbar Meier lachte auf. Es war ein raues Lachen. „So einfach lässt sich das Glück nicht erkaufen. Oh nein, es will verdient sein.“
„Du meinst, man muss dafür arbeiten?“, fragte Anton und irgendwie konnte er sich das besser vorstellen als die Sache mit dem Wünschen.
„So kann man es nennen. Man kann aber auch sagen, dass jeder seines Glückes Schmied ist und selbst etwas dafür tun sollte. Das Glück will gerne ein bisschen angeschubst werden und das ist okay so. Wer nur auf dem Sofa liegt und auf sein Glück wartet, der kann oft lange warten.“
„Zu Sofamenschen kommt das Glück also nicht?“, fragt Anton.
„Schon. Auch. Zäher vielleicht. Und langsamer.“
„Wieso?“
Herr Meier deutete auf das Apfelbäumchen, das durch die beiden neuen Pflöcke nun neuen Halt hatte.
„Es steht stabiler nun und wird den Stürmen besser trotzen. Das ist ein Glück für uns beide, das Bäumchen und mich, und wir freuen uns beide darüber“, sagt er.
„Ach so.“ Anton hatte es begriffen. „Dann hast du heute dem Glück ein bisschen nachgeholfen, weil du gerne im Garten arbeitest und nicht so gerne auf dem Sofa liegst.“
„So kann man das auch erklären.“ Der alte Mann schmunzelte. „Ein Glück ist es auch, heute mit dir reden und dir viel Glück im neuen Jahr wünschen zu können. Das macht mich jetzt glücklich und dich vielleicht auch.“
Anton nickte. „Es fühlt sich auch gut an, dieses Glück. Haben wir das dann im neuen Jahr jeden Tag?“
„Hoho! Aber ja. Wir müssen uns nur jeden Tag wieder hier am Gartenzaun treffen und einander einen gute Tag, Freude und Glück wünschen.“
Da musste Anton aber doch lachen. „Aber so machen wir das doch schon lange.“
„Eben. Und sag, ist das nicht ein Glück?“
Anton nickte. Und noch mehr Glück für heute wäre, wenn du wieder zu uns zum Abendessen kommst und mit uns Silvester feierst. So wie immer. Kommst du?“
Herr Meier lächelte.  „Und ich dachte schon, du fragst mich das heute gar nicht mehr und ich müsste den Abend alleine verbringen. Oh, was habe ich doch für ein Glück!“
Und dann lachten sie beide, Anton und der alte Nachbar. Sie konnte manchmal doch so einfach sein, die Sache mit dem Glück.

© Elke Bräunling

Alle Silvestergeschichten mit Nachbar Meier:
Herr Meier und der Zauber zwischen den Jahren
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Herr Meier und das Glück im neuen Jahr

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

26. Dezember 2016 von Elke
Kategorien: Freundschaftsgeschichten, Kindergeschichten, Weihnachtsgeschichten, Wintergeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , | 3 Kommentare

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