Das glückliche Glücksschwein

Das Glück sollte man nicht herausfordern

Am Morgen des Silvestertages saß ein Schwein mitten auf der Straße. Es war nicht aus Fleisch und Blut, nein, es war ein Glücksschwein aus Marzipan.
„Hey, pass auf!“, rief die alte Katze ihm zu. „Es ist nicht klug, hier zu sitzen.“
„Mir passiert nichts“, antwortete das Schwein. „Ich bin nämlich ein Glücksschwein.“
„Und?“, fragte die Katze. „Was ändert das?“
„Nichts. Aber ich …“
In dem Augenblick kam der Bus um die Ecke. Langsam fuhr er auf das Schwein zu.
„Pass auf!“, rief die Katze. „Lauf weg! Sonst wirst du überfahren.“
„Aber ich bin …“, antwortete das Schwein, das wieder „Ich bin ein Glücksschwein“ sagen wollte. Da rollte der Bus schon über es hinweg. Die Räder des Busses aber waren so weit von der Straßenmitte entfernt, dass dem Schwein nichts passierte.
„Siehst du?“, rief es. „Das Glück ist mit mir.“
Die Katze atmete tief durch. „Ein zerbrechliches Glück, wie mir scheint“, murmelte sie und betrat vorsichtig die Straße. „Es kann nicht immer gut gehen. Komm, ich bringe dich auf die sichere Seite!“
„Eine sichere Seite? Was ist das?“, erkundigte sich das Schwein. „Macht sie glücklich?“
„Ich denke schon“, meinte die Katze. „Meine Menschen reden manchmal davon.“
„Sind sie glücklich, deine Menschen?“
„Hm!“ Darüber musste die Katze nachdenken. Es gab Dinge, auf die sie nicht sofort eine Antwort wusste. Manchmal auch gar nicht.
Ein Motor heulte auf und ein Auto startete.
„Pass auf!“, rief die Katze. Sie gab dem Schwein einen Schubs, so dass es an den Straßenrand kullerte. Im gleichen Moment brauste das Auto vorbei.
„Hey, pass du auf!“, rief das Schwein.
„Ich habe dir geholfen“, sagte die Katze, und aus dem Fenster rief eine Kind:
„Da hast du aber Schwein gehabt, du Schwein.“
„Nein, Glücksschwein“, sagte das Schwein. „Ich bin ein …“
Ein lautes Bellen unterbrach seine Worte und ein großer, struppiger Hund raste auf die Katze zu.
Die erschrak. Sie erkannte den Feind sofort. Sie machte einen Buckel, fauchte und suchte schnell das Weite. Mit Schweinen, die das Glück auf so törichte Weise herausforderten, hatte sie nichts am Hut.
Der Hund auch nicht. Als er begriffen hatte, dass er bei der Katze den Kürzeren zog, schlenderte er zu dem Schwein, das so verführerisch roch, und fraß es mit ein paar kräftigen Bissen – zack und knack – auf.

© Elke Bräunling

Aus dem neuen Buch: Omas Wintergeschichten


Taschenbuch:Omas Wintergeschichten: Wintergeschichten und Märchen für Kinder
Ebook:Omas Wintergeschichten: Wintergeschichten und Märchen für Kinder

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Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

27. Dezember 2016 von Elke
Kategorien: Kindergeschichten, Tiergeschichten, Wintergeschichten | Schlagwörter: , , , , , , | 2 Kommentare

Kommentare (2)

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