Stock und Hut stehn ihm gut

Herr Blaumann ist ein geheimnisvoller Mann mit Hut

Eines war sicher: Nie verließ Opa Blaumann das Haus ohne Hut, Fliege und Weste. Auch der Gehstock durfte nicht fehlen, wenn er durchs Städtchen spazierte oder eine kleine Wanderung durch die Weinberge machte. Wie ein feiner alter Herr aus längst vergangenen Tagen sah er aus und man konnte meinen, er stamme auch aus jener Zeit. Aber wenn er unterwegs sein Handy zückte, passte dies dann doch nicht. Es sah nur witzig aus. Witziger als der Hut, die Fliege, die Weste und der Gehstock.
Opa Blaumann trug auch nie eine Kappe oder Mütze. Nein, nur ein Hut war gut, und so stand er ihm auch zu Gesicht. Gut nämlich. Und weil das so schon immer war, kannte ihn niemand anders.
„Er ist ein feiner Herr, der Herr Blaumann“, sagten die Leute. „Nur der Name passt nicht so recht.“
Dann grinsten sie und dachten an die Arbeitsklamotten, die ‚Blaumann‘ genannt wurden. Sie waren aus derbem blauen Stoff, den Handwerker und Heimwerker bei der Arbeit trugen. Lauter Arbeiten, die so gar nicht zu einem feinen Herrn mit Hut, Fliege und Weste und gepflegten Händen passte.
Manchmal fragten sich die Leute schon, warum er Hut, Fliege und Weste immer trug, selbst wenn er in seinem Garten den Rasen mähte oder die Rosen schnitt. Schämte er sich seiner Frisur oder hatte er eine glänzende Glatze, einer Narbe oder ein Muttermal auf der Stirn? Vielleicht auch war alles ganz anders und niedliche, rote Löckchen zierten seinen Kopf? Die würden toll zu ihm passen. Wundertoll.
Klar, alle waren neugierig, selbst der Wind schien unbedingt wissen zu wollen, was sich unter dem Hut verbarg. Und als Opa Blaumann eines ruhigen und eigentlich windstillen Tages über den Marktplatz schlenderte, schickte er eine Böe, die wild über den Platz fegte und alles, was keinen Halt hatte, aufwirbelte. Auch Opa Blaumanns Hut.
Der hüpfte von Opa Blaumanns Kopf, drehte ein paar Kreisel in der Luft, wirbelte hoch und höher und blieb im obersten Ast des Kastanienbaums hängen.
Oh je! Opa Blaumann erschrak mächtig. Erst wollte er mit dem Stock nach dem Hut fischen, aber dann hielt er inne. Er überlegte einen Moment und grinste. Dann zog er windschnell Fliege und Weste aus und versteckte sie mitsamt dem Gehstock im Gebüsch hinter dem großen Königsdenkmal.
Und während die Leute später verdutzt in die Kastanie auf den Hut starrten, trottete Opa Blaumann unbemerkt und unerkannt langsam nach Hause. Dem Wind aber, dem drehte er noch schnell eine lange Nase, bevor er in seinem Häuschen verschwand und die Tür hinter sich zuschlug.
Übrigens, er hatte wirklich viele kleine Löckchen. Schneeweiße, und die standen ihm gut. Aber das soll ein Geheimnis bleiben.

© Elke Bräunling

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Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

15. Januar 2017 von Elke
Kategorien: Kindergeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , | 2 Kommentare

Kommentare (2)

  1. die Geschicht gefällt mir, mit dem Hut ist es so eine Sache. Mein Vater trug nur Hut und hatte eine Ringglatze mitten auf dem Kopf. Eines Tages Sonntags Morgen auf dem Weg zur Kirche, kackte ihn eine Taube auf den Hut. Meine Mutter meinte dann mein Vater hätte ja Glück das er den Hut aufhatte, direkt auf dem Kopf wärs unangenähmer. Alle lachten ausser mein Vater. Gruß, Sigrid

  2. Hey, das ist schon wieder eine neue Geschichte aus der Geschichte. Eine lustige noch dazu.
    Danke fürs Erzählen
    und einen schönen Montag
    Lieber Gruß
    Ele

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