Was man noch brauchen kann


Müll ist nicht gleich Müll, findet Florian, der Sammler

„Man kann nie wissen, wozu man so eine Dose noch brauchen kann“, sagte Florian. Er hob die Bierdose, die jemand in den schmalen Blumenstreifen am Rande der Straße geworfen hatte, auf und steckte sie in seinen Rucksack.
Mama stöhnte. „Oh nein! Nicht nur, dass du alles, was dir vor die Augen kommt, anfassen musst!“, sagte sie. „Nein, du steckst das Zeugs auch noch ein und schleppst es mit nach Hause. Dein Zimmer sieht bald aus wie eine Müllhalde.“
„Ich sammle nicht alles, was ich sehe.“ Florian war gekränkt. „Nur das, was man noch brauchen kann.“
Mama stöhnte noch lauter. „Und wozu kannst du eine alte, zerbeulte Bierdose noch brauchen?“
„Für den Kran, den wir gerade in der Schule basteln. Dazu passt die Dose prima.“
„Aha! Was ihr aber auch immer alles in der Schule braucht!“
Mehr sagte Mama nun nicht mehr, so wie sie immer nichts sagt, wenn es um die Schule geht. Die war nämlich wichtig und da durfte man nicht meckern. Aber der Blick, mit dem sie Florian musterte, war doch sehr argwöhnisch.
Florian nickte. „Schule ist wichtig. Das sagt Papa auch immer und Oma und Opa meinen das sowieso. Und das alles brauche ich für den Kran und die Argonautenstadt, die wir bauen.“
Er bückte sich wieder und las drei Schrauben, fünf Kronkorken, zwei Probepäckchen mit Haarshampoo und ein halbleeres Parfümfläschchen vom Boden auf. Zuletzt schnappte er sich das leere, silberne Einwegfeuerzeug mit dem Totenkopf, das daneben lag. Das wollte er in aller Ruhe noch prüfen. Vielleicht funktionierte es ja noch ein bisschen.
„Dies klebe ich auf das Bild, das ein Plakat werden soll“, erklärte er schnell und Mama antwortete nur noch mit einem genervten „Jaja!“ Sie kannte das schon.
Florian schmunzelte und packte zuhause seine neuen Schätze zu den alten, die sich in seinem Zimmer auf seinen Regalen und drei hellgrünen Plastikkörben zu kleinen  Müllbergen ansammelten. Nur die Bierdose und das Feuerzeug steckte er in die Jackentasche. Sie nahm er gleich mit zum Spielplatz. Zum Kicken die eine und zum Testen das andere.
Noch am gleichen Abend schlüpften sieben kleine Marienkäfer in die Bierdose hinein. Die lag nämlich nun mit vielen Beulen vom Kicken fast unsichtbar neben dem Spielplatz im Laub unter einer Tanne und bot den Käfern einen willkommenen Schutz gegen den Frost, der noch einmal zurückgekommen war, und das war gut so.

© Elke Bräunling

 

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

24. Januar 2017 von Elke
Kategorien: Familiengeschichten, Kindergeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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