Eine Insel für Mama

Einen friedlichen Ort wünscht sich Mama, an dem man seine Ruhe hat und nicht aufräumen muss

Es ist wieder einmal einer dieser Tage, die man gerne schnell vergessen würde. Nichts als Stress und Ärger und Lärm hat es gegeben und als Papa am Abend nach Hause kommt, wünscht er sich nur noch eines: Ruhe und Frieden.
Dies aber findet er heute auch zuhause nicht. Schon vor der Tür hört er Schimpfen und Lärmen in der Wohnung. Es ist Mama, die schimpft, und es sind Lia und Leo, die lärmen, und Reginald bellt dazu. Er kann nur laut bellen. Zu laut für Papas Nerven heute. Alles ist zu laut heute.
„Ruhe!“, brüllt er, noch ehe er die Wohnungstür aufschließt, und erschrickt erst einmal. „Was ist denn hier los?“
„Das siehst du doch!“, faucht Mama.
„Ja, das sehe ich!“ Papa kniet sich zu Mama, die im Flur auf dem Boden inmitten einem Berg Schuhen, Mützen, Jacken, Schals und Handschuhen sitzt. Er gibt ihr einen Kuss, brüllt „Reginald, aus!“ und sieht sich um.
„Wer von euch hat dieses Chaos angerichtet?“, fragt er und wirft einen strengen Blick auf Lia und Leo.
„Ich“, antwortet Mama und ihre Stimme klingt kläglich. „Ich war das. Ich habe heute Morgen in der Eile meinen dunkelblauen Schal und einen von Lias himmelblauen Handschuhen nicht gefunden und weil ich hier nie etwas finde, habe ich alles erst mal auf den Boden geworfen, um den Handschuh zu finden und den Schal. Und um alles dann endlich einmal richtig aufzuräumen. Das macht ja sonst keiner.“
„Und dann?“ Papa blickt ein bisschen schuldbewusst, denn auch er wirft seine Klamotten wie Lia und Leo meist achtlos irgendwo ins Garderobenregal und hat später Probleme, das richtige Teil zu finden.
„Dann ist mir die Zeit davongelaufen bei all dem Stress heute. Und … ich hasse Aufräumen.“ Mama seufzt.
„Wir helfen dir“, sagt Papa, der auch nicht gerne aufräumt. „Nicht wahr, Kinder?“
„Geht nicht“, sagt Lia. „Ich muss mein Zimmer aufräumen. Mama hat alle meine Schals und Handschuhe und Pullover auch dort auf den Boden geworfen. Wegen der Ordnung.“
„Meine auch“, beklagt sich Leo. „Und meine Legos und Bücher gleich mit. Mama ist gemein.“
„Nein“, sagt Mama. „Genervt trifft es eher. Deine Legos und Bücher lagen auf dem Küchentisch und ich habe dich viele Male gebeten, sie aufzuräumen.“
Sie steht auf und blickt auf das Chaos.
„Ich wünschte mir eine Insel, nur für mich allein“, murmelt sie.
„Was für eine Insel?“, fragt Leo.
„Eine ruhige und eine sehr ordentliche.“
„Fein“, freut sich Lia. „Nimmst du mich dann mit?“
Mama seufzt und Reginald fängt wieder mit dem Bellen an.
„Eine Insel ohne Hund und ohne Kinder. Aber erst muss Reginald Gassi. Das hätte ich auch beinahe vergessen.“ Sie greift nach der Hundeleine, gurtet Reginald an und flüchtet aus der Wohnung.
Papa, Lia und Leo sehen sich an.
„Eine schöne Bescherung“, murmelt Papa.
„Mama ist doof“, beschwert sich Leo.
„Ich habe keinen Bock zum Aufräumen“, motzt Lia. „Soll sie doch auf ihre Insel gehen. Ganz schön langweilig wird ihr dort sein.“
„Und was wäre mit uns hier ohne Mama?“, fragt Papa. „Also, mir gefiele es besser, Mama fände ihre Insel bei uns. Eine Insel der Ruhe und der Ordnung. Was meint ihr? Kriegen wir das hin?“
Lia und Leo nicken.
„Und eine Insel mit heißer Schokolade und Musik und Kuschelabend“, sagt Lia.
„Au ja!“, ruft Leo. „Das haben wir lange nicht mehr gemacht.“
„Genau so machen wir es.“ Papa nickt zufrieden. „Aber nun los! Vorher gibt es noch eine Menge zu tun. Aufräumen und Abendbrot richten. Und …“
„Und Schokolade kochen“, rufen Lia und Leo wie aus einem Mund.

© Elke Bräunling

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Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

01. Februar 2017 von Elke
Kategorien: Familiengeschichten, Geschichten über Gefühle, Kindergeschichten, Mutgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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