Die kleine Waldmaus und der Glückskäfer

„Was ist Glück?“, fragt der Marienkäfer die kleine Waldmaus

„Wer bist du?“, fragte die kleine Waldmaus den Käfer, der sich für einen kurzen Augenblick auf ihre Nase gesetzt hatte. Danach war er mit einem lauten Brummen weiter geflogen zu der Krokusblüte, die am Rande der Wiese stand und gerade ihre Knospe geöffnet hatte. Dort machte er es sich gemütlich und kuschelte sich in die Blütenblätter.
Was für ein lustiger Kerl! Toll sah er aus mit dem roten Panzer und den schwarzen Punkten. Einen schöneren Käfer hatte die kleine Waldmaus hier auf der Wiese noch nicht gesehen.
„Wer bist du?“, fragte sie wieder.
„Ein Käfer bin ich“, antwortete der Marienkäfer. „Sieht man doch! Ein Marienkäfer, um es genau zu sagen. Jedenfalls nennen mich die Menschen so. Weil … nun … ich soll an eine Frau erinnern, die den Namen Maria trug. Irgendwann nämlich soll die Jungfrau Maria meine Vorfahren zu den Menschen geschickt haben, um deren Ernten zu retten. Das aber ist schon lange Zeit her.“ Der Käfer schwieg einen Moment, um dann fortzufahren:
„Viele Menschen nennen uns auch Glückskäfer. Weil wir, so glauben sie, Glück bringen sollen.“ Er lachte auf. „Ich auch. Haha! Man stelle sich das vor! Ich … bringe … Glück.“
Er pumpte ein paar Mal mit seinen rot-schwarz gepunkteten Flügeln. „Kannst du mir sagen, wie ich es anstellen soll, Glück zu bringen?“
Nein, das konnte sich die kleine Maus nicht vorstellen. Was sich die Menschen aber auch so alles ausdachten!
„Glück? Was ist Glück?“, fragte sie den Käfer.
Das wusste der Käfer auch nicht so genau.
„Das ist ja das Problem“, antwortete er. „Keiner kann mir sagen, was Glück ist und warum ich ein Glückskäfer bin.“ Er machte eine Pause und sah die kleine Maus an. „Hier mit dir zu sitzen und mich mit dir zu unterhalten, sag, ist es das Glück?“
Die kleine Maus überlegte.
„Vielleicht ist es auch ein Glück, nicht zu wissen, was Glück bedeutet?“, fragte sie den Käfer.
Der schwieg. Irgendwie nämlich war ihm das auch gerade egal.
„Ich werde Opa Maus nach dem Glück fragen“, sagte die kleine Waldmaus und verabschiedete sich von dem Käfer, der ein Glückskäfer war.
‚Was für ein Glück, dass es Opa Maus gibt‘, dachte sie auf dem Heimweg. ‚Ihn kann ich immer fragen und er hat immer Zeit‘.
Ob Opa Maus so etwas wie ein Glück war?
„Bestimmt“, sagte die kleine Maus und sie beschleunigte ihre Schritte. Auch ihr Herz schlug ein wenig schneller nun, einfach, weil sich der Gedanke an Opa Maus gut anfühlte. War allein dies nicht schon ein Glück?

© Elke Bräunling

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Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

16. Februar 2017 von Elke
Kategorien: Frühlingsgeschichten, Geschichten über Gefühle, Kindergeschichten, Naturgeschichten, Tiergeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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