Das Mädchen und das Mondkostüm

Ein Mondkostüm ist doch viel schöner als das einer Eiskönigin, oder?

Das Mädchen, das nicht einschlafen konnte, saß am Fenster und starrte zum Mond hinauf. Wie fein er sich wieder gerundet hatte. Bald würde er wie ein großes, gelbes Gesicht aussehen und ihr zulächeln. Wie ein riesig großer Smiley würde er aussehen. Das Mädchen kannte das schon und immer, wenn es nicht einschlafen konnte, suchte es am Himmel den Mond. Er war ihm ein großer Freund.
Auch heute lächelten sie einander zu.
„Bald ist Fastnacht“, erzählte das Mädchen dem Mond. „Mama hat mir ein Eisköniginnenkostüm genäht mit einem langen Umhang, der silbern und hellblau und pinkfarben schimmert. Doof, nicht?“
Das Mädchen seufzte. Es hatte keine Lust, eine Eiskönigin zu sein. Viel lieber hätte es sich als Mond verkleidet mit gelben Hosen, einem T-Shirt mit fröhlichen Mondgesichtern und einem großen, runden Mondhut. Ja, dieses Kostüm wäre toll. Fand das Mädchen. Fand Mama aber nicht.
„Mama sagt, ein Mondkostüm sähe albern aus“, erzählte es nun dem Mond. „Das wäre etwas für kleine Kinder. Ich aber bin schon groß und soll als Eiskönigin Fastnacht feiern. Siehst du, so!“
Es hielt dem Mond ein Bild entgegen, das das Mädchen als prächtige Eiskönigin mit einer silbernen Krone zeigte.
„Das ist ein sehr schönes Kostüm“, sagte der Mond. „Aber wer sagt, ich sei albern? Tss. Was Erwachsene aber auch immer denken!“
Das Mädchen nickte. „Ich weiß, dass du nicht albern bist und meine Fastnachtsidee vom Mondkostüm ist es auch nicht. Oder?“
„Es ist ungewohnt“, meinte der Mond. „Noch nie habe ich in jenen verrückten Zeiten, die ihr Menschen Fastnacht nennt, einen Mond in den Straßen gesehen. Du etwa?“
„Nö“, sagte das Mädchen. „Es gibt viel mehr Eisköniginnen als Monde. Und deshalb möchte ich ein Mond sein.“
„Dein Wunsch ehrt mich“, sagte der Mond. „Aber sag, kannst du dir einen Mond vorstellen, der sich dick und rund durch die Straßen und Tanzsäle kugelt?“
„Ja, das kann ich mir vorstellen. Sehr gut sogar“, sagte das Mädchen und lachte. „Es ist lustig. Fastnachtskostüme sollen lustig sein.“
Da musste auch der Mond lachen und sein Smileygrinsen sah gleich noch runder und fröhlicher aus.
„Jahaa“, lachte er. „Lachen tut gut. Nur kann ich mir dein lustiges Mondkostüm so gar nicht vorstellen. Zeige es mir!“
„Au ja!“, rief das Mädchen, das immer noch nicht müde war. „Ich male dir ein Bild.“
„Dann aber schläfst du!“, mahnte der Mond. „Versprochen?“
„Versprochen.“ Das Mädchen hatte nun keine Zeit, sich weiter mit dem Mond zu unterhalten. Es holte Papier und Farbstifte und malte einen dicken, runden, fröhlich lachenden Mondkopf, der auf einem kleinen Mädchen in einer gelben Hosen und einem gelben Hemd wie ein fettes lachendes Stück Käse thronte.
Als es am nächsten Morgen aufwachte, fiel sein Blick sogleich auf das Bild. Eine Eiskönigin hatte es gemalt mit einem prächtigen Gewand und einer silbernen Krone, auf der eine hohe, goldene Mondsichel mit einem halben Mondgesicht steckte. Daneben lag das neue T-Shirt mit den fröhlichen Mondgesichtern, das Papa von seiner Reise gestern mitgebracht hatte. Sie lachten, die Mondgesichter.

© Elke Bräunling

 

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

27. Februar 2017 von Elke
Kategorien: Kindergeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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