Der kleine Igel und das runde Ding

Als der kleine Igel einmal Lust zum Spielen hatte

Ein seltsames fremdes Ding lag auf der Wiese am Rande des Waldweges. Es war größer als ein Apfel oder ein Waldkiefernzapfen. Und es war bunt. Fröhlich gelb mit roten, blauen, grünen, weißen und lilafarbenen Tupfen.
„Hm! Hm! Wer bist du?“
Neugierig umrundete der kleine Igel den gelb-bunten Fremdling in sicherer Entfernung. Schließlich sollte man Wesen und Dinge, die man nicht kannte, erst einmal sorgfältig beobachten.
Der kleine Igel wartete eine lange Weile. Der bunte Fremde aber rührte sich nicht. Wie langweilig! Und wie hungrig das Warten machte! Der Magen des kleinen Igels begann zu knurren.
„Ein Feind bist du nicht“, sagte der kleine Igel schließlich. „Sag! Wer oder was aber bist du? Ein Freund?“
Nichts. Das fremde Ding bewegte sich nicht. Es sagte auch nichts.
Nun gut. Nicht jeder konnte sprechen und lachen und singen. Und nicht jeder, der nicht sprechen und lachen und singen konnte, musste ein Feind sein.
„Ich kann aussehen wie du“, erklärte der kleine Igel dem Fremdling und rollte sich zu einer Kugel zusammen. „Nicht bunt, aber rund. Siehst du?“
Er gab dem Fremden einen Nasenstupser und noch einen und noch einen.
Da, endlich, bewegte sich der bunte Kerl. Langsam rollte er ein Stück des Waldwegs hinab. Er schwieg auch jetzt.
„Du bist aber …“, wollte der kleine Igel losschimpfen, doch da hörte er Menschenschritte. Sie kamen rasch näher. Gefahr!
„Pass auf!“, rief er dem stummen Fremden zu. „Vor Menschen musst du dich in Acht nehmen.“
Und schnell rollte sich der kleine Igel wieder zu einer kleinen, runden Igelkugel zusammen.
Gerade noch rechtzeitig.
„Da liegt unser Ball!“, sagte eine Kinderstimme. „Endlich haben wir ihn gefunden.“
„Und ein Igel liegt daneben. Oh, wie toll ist das!“, rief eine andere Stimme. „Ich wollte schon immer einmal mit einem Igel spielen.“
Ball? Spielen?
Darunter konnte sich der kleine Igel nichts vorstellen. Das war ihm gerade auch gar nicht wichtig. Er wollte keine ‚tolle‘ Kugel zum Spielen sein. Auch rund und bunt wie der stumme Fremde, der sich Ball nannte, wollte er nicht mehr sein. Schnell strampelte er die Beinchen frei. Dann sprang er auf und fuselte die Wegböschung hinüber zu den schützenden Steinen. Die Lust auf fremde Freunde war ihm vergangen, und der Hunger ein bisschen, irgendwie, auch.

© Elke Bräunling

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Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

25. Juni 2017 von Elke
Kategorien: Abenteuergeschichten, Kindergeschichten, Spaßgeschichten, Tiergeschichten | Schlagwörter: , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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