Die kleine Waldmaus und das Sommerloch

Die kleine Waldmaus wundert sich

„Also ich weiß nicht“, sagte die kleine Waldmaus eines späten Sommertages zu ihrem Freund, dem kleinen Igel, „ich weiß wirklich nicht, was die Menschen mit diesem Sommerloch meinen. Immer wieder höre ich sie darüber sprechen, wenn sie auf ihren Wandertouren an mir vorbeikommen. Auch jene Ruhesuchenden, die auf der Waldwiese Rast machen, haben jenes seltsame Loch immer wieder einmal erwähnt. Aber ich kann es hier nicht finden.“
„Ein Sommerloch?“ Der kleine Igel blickte auf. „Was ist das? Noch nie habe ich davon gehört.“
„Du hörst ja auch nie zu, wenn die Menschen etwas sagen“, sagte die Maus.
„Sollte ich das denn?“ Der Igel begriff nicht. „Was könnte wichtig sein, das die Menschen wissen könnten und ich nicht? Waren wir uns nicht einig, dass die meisten Zweibeiner nur glauben, viel zu können und zu wissen. In Wirklichkeit sieht das aber doch ganz anders aus, oder?“
Die kleine Waldmaus grinste. „Du hast recht. Menschen sind selten gescheit. Zumindest, was unser Leben im Wald angeht. Da wissen sie nichts und meinen doch, so viel klüger zu sein als wir Tiere. Ha! Das rührt zum Lachen.“
„Eben.“ Der Igel nickte. „Und was ist nun ein Sommerloch?“
„Wenn ich das wüsste.“ Die Maus seufzte. „Mir scheint, dies ist nun mal doch ein Ding, über das nur Menschen etwas sagen können, wenn sie denn etwas sagen und darüber nicht nur klagen.“
„Was nun? Sie klagen über dieses Loch?“
„Laut und deutlich. Es muss ein ganz ärgerliches Ding sein.“
Der Igel lachte. „Ach, dann meinen sie bestimmt das Wetter. Wenn nicht immer die Sonne scheint, sind sie sauer, die Menschen, und klagen dem vermeintlich Versäumten hinterher.“
„Ein Loch ist also ein ‚vermeintlich Versäumtes‘?“ Die Maus staunte.
„Ein Loch ist ein Loch und nicht immer von Vorteil.“
„Ha!“, rief da die Maus. „Was glaubst du, wie oft mich ein Loch schon gerettet hat. Ein Erdloch. Nein, viele davon. Es gibt nichts Besseres, als sich in einem Loch vor dem Feind zu verstecken.“
„Aha!“ Der Igel überlegte. „Ob die Menschen vielleicht im Sommer ein Loch suchen, in dem sie sich verstecken können?“
„Wovor?“, fragte die Maus.
„Das ist es wohl, was sie selbst nicht zu wissen scheinen. Deshalb reden sie ja ständig davon und passen auf unterwegs, ob sie es nicht doch unterwegs finden.“
„Aufpassen? Wovor?“
Der Igel kicherte. „Vor einem Loch. Und wenn du noch einen Schritt weiter gehst, fällst auch du in eines hinein.“
„Was? Oh!“ Die kleine Maus sprang zur Seite. Fast hätte sie das Loch, das zu den Wasserwegen unter der Erde führte, übersehen. Nicht auszudenken, wenn sie dort hinein gefallen wäre.

© Elke Bräunling

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

27. Juni 2017 von Elke
Kategorien: Freundschaftsgeschichten, Gutenachtgeschichten, Tiergeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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