Kluge Menschen sind toll

Warum es doch gut ist, in die Schule zu gehen

Mein Onkel John hat lange in Amerika gelebt. Jetzt ist er nach Hause gekommen. Oma ist vor lauter Freude schon ganz erschöpft. Immer bringt er sie zum Lachen. Das gefällt mir sehr. Auch mit mir ist er voll fröhlich und er hat mir viele spannende Geschichten mitgebracht. Für jeden Abend eine. Ich freue mich, dass er endlich da ist. 
Ach ja, Onkel John ist der kleine Bruder von Papa und Oma sagt oft, dass er ein großes Kind ist. Und deshalb ist es auch kein Wunder, dass ich so gut mit ihm klarkomme. Ich bin nämlich auch ein großes Kind. Nach den Ferien komme ich in die Schule. Ob Onkel John wohl mitgehen wird?
Oma lacht, als ich sie dies frage.
„Ha!“, ruft sie. „Das wäre das erste Mal, dass John freiwillig in die Schule gehen würde. Hoho! Dass ich das noch erlebe!“
Sie schüttelt sich vor Lachen und ich wundere mich, was daran so lustig sein mag. 
„Den John wirst du nicht dazu bewegen, freiwillig in eine Schule zu gehen!“, sagt mein Papa, als ich ihm die gleiche Frage stelle.
Es bleibt mir also nichts anderes übrig, als meinen Onkel selbst zu fragen, wenn ich genau wissen will, warum alle denken, er sei für Schulen nicht geeignet. Ich beschließe, auf einen günstigen Augenblick zu warten. Noch weiß ich nicht, welcher Augenblick günstig ist, und deshalb warte ich mit meiner Frage. Bei Onkel John muss man nämlich viel Geduld haben. Das weiß ich schon längst.
Als Onkel John auf der Terrasse sitzt und an einem Holzstückchen schnitzt, scheint mir der rechte Moment gekommen zu sein. 
„Was schnitzt du denn da Schönes?“, leite ich meine Fragestunde ein. 
„Ach, nichts Besonderes!“, antwortet Onkel John. „Ich muss nachdenken und das geht am besten, wenn meine Hände mit etwas beschäftigt sind. Das klärt die Gedanken. Ein alter Freund, ein Indianer, macht das auch immer so. Er ist ein sehr kluger Mann!“
„Kluge Männer sind toll. Ich mag sie.“ Ich schaue Onkel John an. „Bist du auch ein kluger Mann, Onkel John?“
„Das weiß ich nicht, Max. Ich versuche einfach, jeden Tag etwas dazu zu lernen. Das Leben selbst ist die beste Schule und die Natur ist die beste Lehrerin. Die Tiere, die Pflanzen und besonders die Bäume.“
Schule des Lebens jeden Tag? Das klingt spannend. Ich verstehe. Onkel John muss also gar nicht in die Schule gehen. Oma und Papa haben nicht recht.
„Wenn das so ist, dann müsste ich ja gar nicht in die Schule gehen, oder?“, frage ich. Onkel
John lacht. „So ganz ohne geht es wohl nicht. Du musst schreiben und rechnen können, etwas über die Welt erfahren. Tiere, Pflanzen und Bäume solltest du kennenlernen und dir dann deine eigenen Gedanken dazu machen. Fremde Sprachen lernst du in der Schule, oder meinst du, ich hätte nach Amerika gehen können, wenn ich nicht Englisch gelernt hätte?“
„Okay!“, verspreche ich. „Dann gehe ich erstmal in die Schule und dann mache ich es wie du!“
Onkel John drückt mich und gibt mir einen dicken Kuss auf die Wange. Das hat er noch nie gemacht, aber er lernt ja auch jeden Tag was dazu. Finde ich toll!

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

29. Juli 2017 von Elke
Kategorien: Familiengeschichten, Geschichten für Kinder, Kindergedichte, Kindergeschichten, Schulgeschichten | Schlagwörter: , , , , | 2 Kommentare

Kommentare (2)

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