Der Herbstwind und die Bäume am Marktplatz

Ist es ein Abschied für immer, wenn die Blätter und Früchte von den Bäumen fallen? Nein. Da ist doch schon ein kleiner „Knubbel“, der sich am Platz eines welken Blattes gebildet hat. Schau hin!

Eine heftige Windböe fuhr durch die alten Kastanienbäume am Marktplatz. Huiiii! Mit lautem Rascheln rieselten gleich hundert und mehr gelbe Kastanienblätter wie in einem dichten Blätterregen zu Boden. Hier und da plumpste mit einem lautem Plopp auch auch eine der letzten Kastanien von den Bäumen.
Huiiii und Plopp!
Schön war das! So richtig herbstlich.
Huiiii und Plopp pustete der Wind erneut in die Baumkronen.
„Huiiii!“, sirrte er vor Vergnügen.
„Huiiii!“, raunten die Blätter und eines nach dem anderen lösten sie sich von den Ästen und tanzten durch die Luft.
„Huiiii!“, jubelten die Kinder. „Herbst ist schön und der Wind ist toll. Huiii und plopp!“
Und eifrig sammelten sie die Kastanien ein und steckten sie in ihre Jackentaschen.
Die Kinder beeilten sich, denn es hingen nur noch wenige Kastanien an den Zweigen. Ihre Kollegen waren längst mit lauten Plumpsern zu Boden gefallen und von eifrigen Kinderhänden aufgesammelt worden.
„Bald sind die Bäume kahl und leer“, sagte eines der Kinder. Ein bisschen wehmütig blickte es in die Baumkronen hinauf. „Irgendwie“, meinte es dann, „macht der Herbst auch ein bisschen traurig, oder?“
„Warum das?“, fragte ein anderes Kind.
„Weil nun all die schönen Blätter und Kastanien von den Bäumen fallen und bald, ja, bald werden die Äste ganz kahl sein. Und das sieht eben traurig aus.“
„Aber sie kommen ja wieder, die Blätter“, sagte eine drittes Kind. „Mein Papa hat mir erklärt, dass die Äste schon jetzt für jedes neue Blatt im Frühjahr einen Platz frei halten.“
„Echt wahr?“
Das Kind nickte. „Du kannst es sehen an den kleinen braunen Knubbeln.“ Es griff nach einem Kastanienzweig und tastete ihn vorsichtig ab. „Siehst du? Hier wird nächstes Jahr ein neues Blatt wachsen. Und hier. Und hier. Und da auch.“
„Toll!“ Die Kinder staunten.
„Und neue Kastanien wachsen dann auch?“
„Klar. Nach der Baumblüte. Jetzt aber brauchen die Bäume ein bisschen Ruhe. Irgendwann müssen sie ja auch mal schlafen, oder?“
„Klar.“ Das Kind, das eben noch traurig war, nickte zufrieden.
„Dann werde ich jetzt ganz fröhlich sein.“
In diesem Augenblick fiel eine Kastanie – plopp! – direkt auf den Kopf des Kindes.
Das Kind lachte. „Er hat es gehört, der Baum. Und er ist einverstanden.“
Da lachten alle Kinder – und der Wind, der lachte mit.

© Elke Bräunling

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Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

08. Oktober 2017 von Elke
Kategorien: Herbstgeschichten, Naturgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , | 6 Kommentare

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