Der Marienkäfer und das Kind in der Krippe

Vom Marienkäfer im Stall zu Bethlehem

„Wer sagt, dass keiner von uns damals im Stall von Bethlehem dabei gewesen war?“
Am liebsten hätte der Marienkäfer 🐞 entrüstet den Kopf geschüttelt, doch das hätte eh keiner gesehen. „Einer von uns hat Maria, Josef und das Kind begleitet, so wahr ich hier vor euch stehe.“
„Das Kind?“ Neugierig sahen die Tiere, die Bienen, Wespen, Hornissen, Fliegen, Käfer und Ameisen den kleinen Marienkäfer an. Eigentlich wollten sie sich nur bei einem kleinen Treffen auf der Waldwiese voneinander verabschieden, bevor sie den langen Winterschlaf antraten. Aber das, was der kleine Marienkäfer erzählte, war zu spannend. Die Geschichte mochten alle nun noch hören.
„Du meinst das Kind im Stall?“, fragte die Mücke.
„Erzähle!“, bat die Ameise.
„Aber beeile dich!“, warf die Biene ein. „Mir ist kalt und müde bin ich auch. Das Jahr ist anstrengend gewesen.“
„Ja, erzähle! Schnell!“, riefen die anderen Tiere.
Und da erzählte der kleine Marienkäfer die Geschichte, die sich die Mitglieder seiner Familie von Jahr zu Jahr zu Jahr immer weiter erzählten.
„Es war ein Tag wie heute“, begann er. „Nicht zu warm und nicht zu kalt und doch fühlte er sich ungemütlich kühl an. So kühl, dass sich ein Marienkäfer auf dem Haar eines Mannes, der mit seiner Frau unter einem Baum rastete, niederließ, um sich ein wenig aufzuwärmen. Weich und warm war es hier und der Käfer kroch unter eine Haarlocke. Dort ruhte er sich aus. Weil er so müde war, bemerkte er nicht, dass sich das Paar längst wieder auf den Weg gemacht hatte. Erst als die Nacht hereinbrach und der der Mann mit der Hand durch sein Haar fuhr, erwachte er. Vor Schreck hielt er sich auf Finger des Mannes fest.
‚Hoffentlich sieht mich keiner‘, betete er, doch da rief der Mann auch schon:
„Ein Käfer! Er hat uns auf unserem Weg begleitet, wie mir scheint. Sieh nur, Maria! Ähnelt er nicht einem kleinen feinen Schmuckstück?“
Maria nickte. „Bestimmt bringt er uns Glück“, sagte sie und lächelte.
Ihr Lächeln traf den kleinen Käfer, der mein Vorfahr war, wie ein warmer Sonnenstrahl. Und weil er bei dieser Frau mit dem schönen Namen und dem erwärmenden Lächeln noch ein Weilchen bleiben wollte, krabbelte er vom Finger des Mannes auf die Schulter der Frau. Dort blieb er sitzen, reglos, wie es sich für ein Schmuckstück gehört, und ließ kein Auge von dem Kind, das vor ihm in der Krippe lag. Und was er in dieser Nacht dann noch alles erlebte, ist eine sehr lange Geschichte.“
Der kleine Marienkäfer nickte gewichtig.
„Dein Urahn hat Maria zum Lächeln gebracht“, sagte die Hornisse. „Wie sehr freut mich das!“
„Und er hat der heiligen Familie Glück gebracht?“, überlegte der Wiesenkäfer. „Was für ein Glück!“
Die Tiere nickten.
„Und nun wisst ihr“, schloss der kleine Marienkäfer, „woher wir unseren Namen haben und warum man uns zudem auch ‚Glückskäfer‘ nennt.“
Wieder nickten die Tiere. Sie schwiegen. Was gab es hier auch noch zu sagen? Außerdem war ihnen kalt geworden. Die Zeit für den Winterschlaf war gekommen.

© Elke Bräunling

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

26. November 2017 von Elke
Kategorien: Geschichten für Demenzkranke, Geschichten für Kinder, Geschichten für Senioren, Kindergeschichten, Traumgeschichten, Weihnachtsgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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