Adventskalender * 2 * Früher war alles viel schöner

 

2. Kapitel

Früher war alles viel schöner

Achtlos legte Anna die beiden Kalender in ihr Regal.
„Warum müssen sie sich immer streiten?“, murmelte sie. „Nichts macht mehr Spaß. Mist, blöder!“
Anna war enttäuscht. Und traurig. Sie warf sich aufs Bett und vergrub ihr Gesicht im Kopfkissen. Was war nur los? Hatten sich ihre Eltern nicht mehr lieb? Immerzu schimpften sie aufeinander ein. Ob sie sich scheiden lassen wollten? Davor hatte Anna Angst. Große Angst.
„Zwei Adventskalender brauche ich nicht“, murmelte sie und kämpfte mit den Tränen. „Am liebsten möchte ich gar keinen haben. Nur wie früher soll es wieder sein. Ja, wie früher. Da war alles viel schöner.“
Und nun musste Anna doch weinen. Leise schluchzte sie ihren Kummer ins Kissen.
Da fuhr auf einmal eine feuchte Zunge über ihr Gesicht, und das Bett begann zu beben wie ein Schiff auf hoher See. Es war ihr Hund Flöckchen, der seinen schweren Körper mühsam auf Annas Bett wuchtete.
„Oh, Flöckchen!“, rief Anna und musste trotz der Tränen lachen. Es sah zu komisch aus, wie der große Hund sich abmühte.
„Ist ja schon gut“, sagte sie und schlang die Arme um Flöckchens Hals. „Ich bin gar nicht mehr so sehr traurig. Ich habe ja dich.“
Und dann machten sie es sich gemeinsam auf dem Bett gemütlich, die kleine Anna und der große Hund.
Flöckchen war mit seinen langen, weißgrauen Zottelhaaren nämlich alles andere als ein kleines, zartes Flöckchen. Eher eine Riesenflocke, oder wie Papa manchmal sagte, ein guter Ersatz für einen Flokatiteppich.
„Ja“, seufzte Anna, „letztes Jahr war alles anders. Viel schöner. Und da hab ich auch dich bekommen, mein liebes kleingroßes Flöckchen. Du warst mein bestes, mein allerschönstes Weihnachtsgeschenk.“
Nachdenklich starrte sie auf die beiden Adventskalender, die, mit dem Kopf zuunterst, auf dem Regal lagen.
„Früher“, erzählte sie dem Hund, „haben wir das erste Adventskalendertürchen gemeinsam geöffnet. Dann haben wir eine Kerze angezündet und „Macht hoch die Tür“ gesungen. Das war schön. Und lustig. Papa hat nämlich zwischendrin immer nur „La-la-la“ gebrummt, weil er wieder mal den Text vergessen hat, und Mama hat ihn dann in die Seite gepiekt. Dann haben wir alle gelacht und viel Spaß gehabt.“
Anna lächelte, als sie daran dachte.
„Aber gestritten“, sagte sie dann, „haben sie deswegen nicht. Nein, gelacht haben sie. Oh, war das schön! Früher…!“
Anna erzählte und erzählte. Von früher. Von Adventslichtern und Weihnachtswichteln, vom Plätzchen backen und vom Weihnachtsmarkt, vom Nikolaus und vom Wünsche-Ausdenkspiel.
Und auf einmal fühlte sie sich besser.
„Wirklich gut, dass ich dich habe“, sagte sie zu Flöckchen und streichelte über den wuscheligen Hundekopf.
Dann musste sie kichern. „Stell dir vor, ich hätte letztes Weihnachten zwei Flöckchen bekommen, einen von Papa und einen von Mama. Da hätten wir gar keinen Platz zu dritt auf dem Bett.“

© Elke Bräunling

 

Wie die Geschichte weiter geht, erfährst du morgen am 3. Adventskalendertag, und zwar hier:

 

 

 

 

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Einen neuen Adventskalender findest du auch hier mit der Geschichte für den 2. Dezembertag:
Der Besuch des kleinen Sternchens – 2. Adventstag

 

 

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Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

02. Dezember 2017 von Elke
Kategorien: Adventskalender, Geschichten für Kinder, Kindergeschichten, Weihnachtsgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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