Adventskalender *10* Der erste Christbaum

10. Kapitel

Der erste Christbaum

Annas Eltern erzählten die Geschichte des Christbaums. Den hatte es nämlich zuallererst im Elsass gegeben. Vor über 400 Jahren. Das war lange, bevor man ihn in anderen Ländern kannte.
„Ehrlich wahr?“, fragte Anna.
„Ehrlich wahr“, sagte Papa. „Und den allerersten Christbaum soll es in Schlettstatt gegeben haben. In der ‚Auberge des Alliés’.“
„Obärsch?“, fragte Anna verständnislos.
Mama musste lachen. „Das ist französisch und heißt Wirtshaus.“
Annas Vater deutete auf das Haus im Kalenderbild.
„So ähnlich sieht sie aus, die Auberge. Sie hat mir so gut gefallen.“
„Und dann hast du das Haus auf dem Kalenderbild gesehen …“
„Ja, und dann habe ich den Kalender gekauft. Nicht, weil ich Mama ärgern wollte. Bestimmt nicht.“
Doch darüber wollte Anna jetzt nicht sprechen. Zu spannend war die Geschichte mit dem ersten Christbaum.
„Und wie war das damals?“, fragte sie.
„Damals war das Elsass deutsch gewesen, und die Auberge war ein altes Zunfthaus mit einer gemütlichen Stube. Dort hatte man den ersten Christbaum aufgestellt.“
„Nein“, rief Mama. „Nicht aufgestellt. Die ersten Christbäume hatte man an den Zimmerdecken aufgehängt.“
„Hihi. Ein aufgehängter Christbaum. Wie komisch“, kicherte Anna.
„Die ersten Christbäume hatten noch keine Kerzen“, erzählte Mama. „An ihren Zweigen hingen kleine rote Äpfel. Das waren die Christkindleäpfel. Dann gab es als Schmuck noch bunte Papierrosen, kleine Lebkuchen, Zucker und Oblaten.“
„Schön“, sagte Anna. „Auch ohne Kerzen.“
„Später dann hatte es im Herbst einmal sehr früh Frost gegeben“, fuhr Papa fort, „und alle Äpfel waren an den Bäumen erfroren. Da waren die Menschen sehr traurig gewesen. Einen Christbaum ohne rote Äpfel konnten sie sich nicht vorstellen.“
„Aber dann“, sagte Mama, „hatte ein Glasbläser eine Idee: Er blies kleine Glaskugeln und bemalte sie rot wie kleine Äpfel. Das waren die ersten Christbaumkugeln.“
„Da haben sich die Leute bestimmt gefreut, nicht?“
„Ja, sehr.“
„Und wann war das?“
„Och, das ist auch schon über zweihundert Jahre her.“
„Und wer hatte die Idee mit dem allerersten Christbaum?“
„Das weiß man heute nicht mehr. Er wurde zu Ehren des Christkindes aufgestellt“, sagte Mama. „Deshalb nannte man ihn auch ‚Christkindelsbaum‘.“
Papa lachte. „Und denk dir, noch immer streiten sich die Leute wegen dieses ersten Christkindelsbaums. Die einen sagen, er hätte in Schlettstadt gestanden, andere meinen, es sei in Straßburg gewesen.“
„Warum muss man immer streiten?“, fragte Anna.
Annas Eltern schwiegen.
„Es ist spät geworden“, sagten sie und gaben Anna einen Gutenachtkuss. „Schlaf gut.“
„Gute Nacht“, sagte Anna.
Sie musste noch lange an das Elsass und den ersten Christbaum denken.

© Elke Bräunling

Wie die Geschichte weiter geht, erfährst du morgen am 11. Adventskalendertag im nächsten Kapitel, und zwar hier:

 

 

 

 

 

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Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

10. Dezember 2017 von Elke
Kategorien: Adventskalender, Geschichten für Kinder, Kindergeschichten, Traumgeschichten, Weihnachtsgeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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