Fastenfeste

Fasten, muss das sein?

Die Fastenzeit hatte begonnen. Eine komische Zeit, wie Pia und Pit fanden. Daran mussten sie sich erst gewöhnen. Und irgendwie hatten sie gerade noch mehr Sehnsucht nach ihren Eltern, die für ein Jahr in Kanada arbeiteten. Die fasteten nämlich nicht. Auch Opa hatte wenig Lust auf die Fastenzeit.
„Das Leben ist so kurz und ich möchte keinen Tag freiwillig mit Dingen vergeuden, zu denen ich mich zwingen muss und die mir nicht gut tun“, sagte er.
Oma nickte. „Wir versuchen, ein Leben mit Maß und Achtsamkeit zu führen für das, was wir tun und essen. Jeden Tag im Jahr, nicht nur zur Fastenzeit. Das gefällt mir besser.“
Pia und Pit atmeten auf. Auf das Fasten hatten sie auch keine Lust. Was sie von ihren Freunden darüber nämlich hörten, klang unbequem und nervig.
„Dennoch aber“, fuhr Oma fort, „können wir in den Tagen zwischen Aschermittwoch und Ostern ein kleines bisschen mehr für unsere Achtsamkeit tun. Was haltet ihr davon, wenn wir in diesen Wochen versuchten, auf Zucker zu verzichten?“
Die Geschwister erschraken. Das klang nun aber doch bedenklich.
„Gar nichts Süßes?“, fragte Pit.
„Gehört Honig auch zum Zucker?“, erkundigte sich Pia vorsichtig. „Und Obst auch?“
„Nein. Wieso das denn auch?“ Um Omas Mundwinkel zuckte es und die Fältchen um ihre Augen lächelten.
„Weil … weil da ist ja auch Zucker drin“, stammelte Pia und Pit brummte:
„Ganz ohne süß wäre ganz schön doof.“
„Stimmt“, sagte Opa. „Ich möchte auch nicht bis Ostern auf ein Stück Kuchen verzichten.“
„Denkt ihr, ich wünsche mir das?“ Oma lachte nun. „Man kann auch ohne Zucker ‚süß‘ essen, und das probieren wir einfach mal aus. Ganz schön spannend ist das. Findet ihr nicht auch?“
Das stimmte. Auf Omas Ideen zum Süßessen ohne Zucker konnte man wirklich gespannt sein.
„Und jede süße Speise ohne Zucker werden wir feiern wie ein kleines Fest. Einverstanden?“
Das klang nun wirklich nicht schlecht. Pia und Pit atmeten auf. Auch Opa war die Erleichterung anzusehen.
„Es ist eine gute Idee, das Fasten zu feiern“, sagte er. „Und da fällt mir doch glatt der Funkensonntag ein. Bei meiner Cousine Luise auf dem Land wird der noch mit einem tollen Fest gefeiert. Am Abend dann wird auf dem Burgberg ein großes Funkenfeuer entzündet. Jeder darf ein Stück Feuerholz mit seinen Wünschen zum Frühlings- und Fastenbeginn mit auf den Feuerhaufen legen und das sollten wir auch tun. Einverstanden?
„Au ja!“ Pia und Pit jubelten, auch wenn sie das mit dem Fasten und den Feuerhölzern nicht ganz verstanden hatten. Egal. ‚Funkensonntag‘, das klang nach einem Fest und Feste waren ebenso willkommen wie die Besuche bei Großtante Luise. Und mal ehrlich: Die Großtante, die das Leben nur ungern ernst nahm, würde bestimmt nicht auf den Zucker in ihrem Kuchen verzichten. Ha!

© Elke Bräunling

Weitere Geschichten zu Fasten und Fastenzeit findet Ihr hier:
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Frühlingszeit ist Fastenzeit
Der Frühlingskuchen
Die Sache mit Kater Paul
Pit, die Pommes und das Fasten
Pia, Pit und die zwei Kilo
Johanna und das Probleme-Fasten
Als Anna mit Worten fastete
NEU Ab morgen wird gefastet
Viel Spaß damit!
🙂

Über Elke

Elke Bräunling, Kinderbuchautorin

13. Februar 2018 von Elke
Kategorien: Auf dem Land, Familiengeschichten, Frühlingsgeschichten, Geschichten über Gefühle, Kindergeschichten | Schlagwörter: , , , , , , , , , , | 2 Kommentare

Kommentare (2)

  1. ich faste auch nicht 🙂 🙂 🙂

  2. Ich auch nicht! Aber ich achte … das ganze Jahr 😉

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