Begegnung auf dem Weihnachtsmarkt

Manchmal können Weihnachtsbäume sprechen und uns ihre Geschichte erzählen. Manchmal …

Tim und Papa wollen heute auf dem Weihnachtsmarkt einen Christbaum kaufen. Während Papa prüfend einen Baum nach dem anderen in die Hand nimmt, geht Tim auf Entdeckungsreise. Vom Karussell her klingt das Lied vom Tannenbaum zu ihnen herüber.
O Tannenbaum, o Tannenbaum, wie grün sind deine Blätter…”, singt auch Tim, während er zwischen den Weihnachtsbäumen, die mit einer zarten Raureifschicht geschmückt sind, herumschlendert.
Oh Weihnachtsbaum, oh Weihnachtstraum, im Wald war es viel netter…“, singt es da plötzlich von einer kleinen Tanne, dann fiept eine dünne Stimme: “Jajaja. Netter! Im Wald war es viel netter. Jaja.” Die Tanne schüttelt sich, und kleine Raureifsternchen schweben auf Tims Kopf.
Tim schaut sich verwundert um. Wer hat da gesungen? Er kann niemanden sehen. Hier gibt es nur Tannen: große und kleine, breite und schmale, dicke und dünne, gerade gewachsene und krumme.
“Komisch”, murmelt Tim. “Sie können sprechen, die Tannen, und singen. Wirklich komisch.”
“Singen, sprechen, lachen, weinen, das kann eine Tanne nicht. Sieh dich um, rundumherum, und dann weißt du, wer hier spricht!“, singt da die Stimme wieder.
“Wo bist du?“, ruft Tim läuft um die Tanne herum. Und da, auf einmal, sieht er die kleine rote Christbaumkugel. “Du bist das?”
Die Christbaumkugel schaukelt am Tannenzweig hin und her und Continue reading »

Zum Belzenickel auf den Hollerberg

Manche Kinder fürchten sich vor dem Nikolaus. Wegen der Rute und weil er immer so genau über all ihre Untaten Bescheid weiß. Früher kam es schon vor, dass der Nikolaus für unartige Kinder nichts weiter als eine Rute mitbrachte. Weil er aber ein Heiliger Mann war, mussten andere den Job des Bestrafens tun. Nikolaus wurde deshalb von sehr wilden Gesellen begleitet. Und die hatten ein großes Vergnügen, Kinder zu erschrecken oder gar zu strafen. Ganz besonders unartige Kinder steckten sie sogar in einen Sack und nahmen sie für eine Weile mit. Ja, gemeine Kerle waren das.
Der Belzenickel zum Beispiel war so ein Typ. Er sah schrecklich böse aus, trug einen Schlapphut und einen Umhang mit einem Kuhkettengürtel. Er mochte Kinder so wenig leiden, dass er sie am Nikolaustag mit Knüppel, Sack und lautem Kettengerassel durch die Straßen jagte. Sehr hatten sich die Kinder vor ihm gefürchtet!
Aber keine Bange: Diese Zeiten sind vorbei. Heute sind diese Nikolausgesellen nichts weiter als lustige Spaßvögel, die mancherorts den Nikolaus auf seinem Weg durch die Nacht begleiten. Von vielen kennt man auch nur noch die Namen. Sie sind von Gegend zu Gegend verschieden. Vielleicht habt ihr von ihnen schon gehört? Es sind Knecht Ruprecht, Belzenickel, böser Klas, Pelzmärte, Rauhpelz, Nikolo, Wullewux, Klaubauf, Buttmandln, Swarter Piet, Hans Trapp, Erbsbär und viele mehr.
© Elke Bräunling

Hier nun lernst du einen dieser “bösen” Nikolausgesellen kennen. Es ist der Belzenickel, der hier im südwestdeutschen Raum bekannt und gefürchtet ist, nein, war. ;)

Zum Belzenickel auf den Hollerberg

Der Tag vor Nikolaus war ein kalter, grauer Nebeltag. Wir waren sauer. Warum musste es ausgerechnet heute so neblig sein?
“Sollen wir etwa bei Nebel auf den Hollerberg gehen?“, fragte Lena entsetzt. “Uih, das wird grausig!”
Ich fühlte mich bei diesem dem Gedanken auch nicht sehr wohl. Und dabei hatte ich mich schon so sehr auf diesen Tag gefreut!
Bei uns gibt es nämlich eine schöne Sitte: Am Tag vor Nikolaus wandern alle Kinder mit Laternen auf den Hollerberg. Dort oben, heißt es, wohnt der Belzenickel mit seinen Zwergen Grasmück, Borzel, Wurzelsepp, Hans-Kaspar, Gaierschawel und Schaiergawel in der Höhle bei den roten Felsen.
Der Belzenickel ist, wie Knecht Ruprecht, ein Gehilfe des Nikolaus’, und früher war er gar nicht nett zu Kindern. Da hatte er sie mit Knüppel und Sack durch die Straßen gejagt. Und grausig böse ausgesehen hatte er in dem dunklen Umhang, dem Kettengürtel und dem Schlapphut über seinem Gesicht! Vor diesem Kerl hätte ich mich auch gefürchtet. Heute aber, sagen die Kinder, soll er sehr nett sein, und deshalb besuchen sie ihn jedes Jahr auf dem Hollerberg.
Es ist ein weiter Weg da hinauf, und das letzte Stück ist so steil, dass er ‚Himmelsleiter’ heißt. Man meint nämlich, der Weg führe schnurstracks in den Himmel.
Wir freuten uns sehr auf diese Wanderung. Wenn nur der Nebel nicht wäre! Doch als es dämmerte, nahmen wir unseren ganzen Mut zusammen und gingen zum Dorfplatz, wo wir uns mit den anderen Kindern trafen. Continue reading »

Der Zauberkranz aus dem Wald

Manche Tannenkränze sind “Zauberkränze”, und da haben die Waldmännlein ihre Hand im Spiel

Überall auf dem Waldweg lagen Tannenzweige. Gestern nämlich war es im Wald laut zugegangen. Holzfäller waren da gewesen. Mit kreischenden Sägen hatten sie die Tannen am Hang gefällt und auf einen Lastwagen geworfen. “Für Weihnachten”, hatte einer gesagt. “Mit dem Grünzeug lässt sich viel Geld verdienen”, hatte ein anderer gemeint. Sie hatten sich vergnügt die Hände gerieben und waren mit ihrem Laster davon gebrummt. Die Tannenzweige hatten sie einfach liegen gelassen. Die brachten nämlich nicht viel Geld ein.
Im Wald war es wieder ruhig geworden. Wenn man aber genauer hinhörte, vernahm man leises Wimmern bei den Zweigen. Dort hatten sich die Waldmännlein versammelt und weinten. Mit jedem Baum, der sterben musste, schrumpften sie nämlich ein bisschen mehr vor Kummer. Sie waren schon so klein, dass man sie mit bloßem Auge nicht mehr erkennen konnte. Das war schlimm, denn mit ihrer Größe verloren sie auch ihre Zauberkraft.
“So kann es nicht weiter gehen!”, sagte das Oberwaldmännlein. “Immer mehr Bäume sterben. Irgendwann sind alle kaputt, und auch uns wird es nicht mehr geben.”
Die Waldmännlein erschraken. “Wer passt dann auf den Wald auf?”, fragten sie.
“Niemand”, antwortete das Oberwaldmännlein grimmig. “Den wird es nämlich auch nicht mehr geben.”
“Wie schrecklich!”
„Oje oje oje!”
Nun waren sie noch betrübter als zuvor, und am liebsten hätten sie sich für immer unter die Tannenzweige verkrochen.
“Wir dürfen nicht den Kopf in den Sand stecken”, befahl das Oberwaldmännlein und zog energisch einige seiner Untertanen wieder unter den Zweigen hervor.
“Aber was können wir tun?”, fragte ein Waldmännlein. Continue reading »

Als der kleine Igel über die große Katze stolperte

Auf der Futtersuche lernte der kleine Igel die große Katze kennen. Der Beginn einer tollen Freundschaft

Es dämmerte und der kleine Igel machte sich auf den Weg. Am Tag hatte er sich ausgeruht und nun war er hungrig. Er hielt sein Näschen in die frische Abendluft und schnupperte.
„Abendzeit. Essenszeit“, sagte er. „Ich weiß auch schon, wo das Nachtmahl auf mich wartet.“
Er fuselte los. Die Wiesenböschung am kleinen Teich war sein Ziel. Dort würde er Futter finden. Er roch es schon und musste nur seiner Nase folgen.
„Ich muss mich beeilen“, brabbelte er vor sich hin, während er sich einen Weg durch das hohe Gras bahnte. „Hungrig bin ich nämlich. Sehr hungrig. Und bald muss ich bereit sein für den längsten Schlaf im Jahr. Die Tage werden kürzer, der Abend beginnt jeden Tag früher und damit die Zeit für die Futtersuche. Futter, ja, Futter muss ich suchen. Und essen muss ich. Essen, essen, die ganze Nacht bis zum Morgengrauen. Der längste Schlaf dauert lange und wer vorher nicht genügend Nahrung zu sich genommen hat, der wird … Au! Aua!“
Er war Continue reading »

Gärtner Hubers Sternenblumen

Gärtner Huber erzählt Jule und Max beim Kränzebinden die Geschichte der Sternenblumen, die eigentlich Herbstastern sind

Jule und Max frieren. Bei diesem kalten, grauen Nebelwetter ist es ihnen auf dem Spielplatz zu ungemütlich.
Max seufzt. „Ich mag dieses Wetter nicht leiden. Es ist so kalt!“
„Wenn es wenigstens schneien würdet!“, meint Jule.
Sie bleiben vor dem Schaufenster der Gärtnerei Huber stehen. Bunte Blumengestecke und Kränze liegen da.
„Schön“, freut sich Jule.
„Die sind für den Friedhof“, sagt Max. „Damit sich die Toten ein bisschen freuen.“
„Geht das denn?“, fragt Jule.
„Vielleicht“, sagt Max. „Wäre doch toll, oder?“
„Na ja“, meint Jule. „Auf jeden Fall freuen sich die Leute, die den Friedhof besuchen. Das kann ich mir besser vorstellen.“
Im Laden sitzt Gärtner Huber und bindet Kränze. Eine Kerze steht neben ihm und flackert. Gemütlich sieht das aus. Jule und Max drücken sich die Nasen an der Fensterscheibe platt. Da klopft Herr Huber von innen an die Scheibe:
“Was macht ihr denn da draußen in der Nebelkälte?”
“Och”, antwortet Max. “Wir frieren ein bisschen.“
„Langweilig ist uns auch“, sagt Jule.
„Langweilig?“, fragt Herr Huber. „Wollt ihr mir helfen?”
“Au ja”, freuen sich Jule und Max.
Gärtner Huber lächelt. „Na, dann Continue reading »

Herbstputz am Bach

Mancherorts lässt der Sommer ganz schön viel Schmutz zurück. Oder sind’s die Menschen, die ihren ‘Müll’ in der Natur ‘vergessen’?

Aufgeregt kamen Anja, Marie, Erik und Simon in die Schule. Sie waren so wütend, dass sie wild durcheinander schimpften.
„Was ist los?“, fragte Herr Hartmut, der Klassenlehrer.
„Eine Riesensauerei ist los“, wütete Pit.
„Nein“, sagte Anja. „Schweine würden so etwas nie tun?“
„Stimmt!“, rief Marie. „Das tun nur Menschen.“
„Was denn?“, fragte Herr Hartmut wieder. „Was ist passiert?“
Nur langsam konnten sich die vier beruhigen.
„Wir haben eine Radtour in den Wald zum Mühlbach gemacht“, erklärte Marie schließlich.
„Und wisst ihr, was wir dort gefunden haben?“, brüllte Simon. „Einen zugemüllten Grillplatz mit Glasscherben, Flaschen, Dosen, Tüten und Zigarettenkippen.“
„Und weiter unten liegt Abfall im Bach“, ereiferte sich Anja. „Matratzen, Stühle, Autoreifen und noch mehr so Kram.“
„Fische aber“, klagte Marie, „haben wir keine gesehen. Überall liegt bloß Dreck.“
Noch eine ganze Weile Continue reading »

Ein rätselhafter Zauber

Ein rätselhafter Zauber
Ein kleines Rätselgedicht

Denk dir, heut Morgen
ging ich aus dem Haus,
und alles sah draußen
ganz anders aus.

Ich war erschrocken
und blieb erst mal stehn
und schaute mich um,
doch ich konnte nichts sehn.

Es war zum Gruseln,
denn wo ich auch stand,
war alles Continue reading »

Nebelkind will erwachsen sein

Ein Nebeltag muss nicht zum Fürchten sein. Dort draußen stecken nur Nebelkind und seine Geschwister zwischen Büschen und Bäumen. Du kannst sie sehen. Manchmal …

Endlich war der Herbst mit seinen Nebeltagen wieder gekommen. Die große Nebelfamilie, die hinter den Wolken über dem Zauberozean wohnte, war ganz aufgeregt. Aufbruchbereit standen die Familienmitglieder beim großen Nebelwolkenschiffs und starrten zur Erde hinab. Einige rieben sich aus Vorfreude die Hände, halt, die Nebelarme.
Mit finsteren Mienen beobachteten das kleine Nebelkind und seine Freunde das bunte Treiben. Sie nämlich durften noch nicht zur Erde ziehen.
“Ihr müsst erst noch wachsen!“, sagte der Nebelkönig.
Wachsen! Wie langweilig war das!
Nein, dazu fehlte dem kleinen Nebelkind die Geduld.
“Das wäre doch gelacht!“, murmelte es. “Ich kann auch Nebel machen.”
Und während seine Freunde artig zu Hause blieben, folgte Nebelkind heimlich seinen Wolkenkollegen. Die legten Continue reading »

Herbstgespräche im Blumenhimmel

Nicht alle Blumen hatten einen schönen Sommer. Warum?

Traurig saßen ein paar Sommerblumen im Blumenhimmel und starrten auf die herbstliche Erde. Die Sonne schien warm und verwandelte die Bäume und Büsche mit ihrem herbstlichen Laub in bunte Farbtupfer; die Luft roch frisch nach Herbst und reifem Obst. Es war ein Herbsttag, der so schön war, dass die Herzen der Erdenbewohner kleine Glückshüpfer machten.
“Was blickt ihr so trübsinnig drein”, fragte die Himmelsfee. “Ihr habt doch auch eine schöne Zeit auf der Erde gehabt, und in euren Samen werdet ihr nächstes Jahr weiterleben.”
Da fingen die Herbstblumen an zu weinen. Sie weinten sehr und konnten gar nicht mehr aufhören.
Die Himmelsfee erschrak. “Was ist mit euch?“, fragte sie. “Was ist geschehen? So erzählt es mir doch!”
Da sagte die Sonnenblume, der ihren sonnengelben Blütenkranz am weitesten aus der Erde hervorstreckt, mit Wehmut: Continue reading »

Von bunten Blättern und Nadelbäumen im Herbst

Von bunten Blättern und Nadelbäumen im Herbst und von der Zeit, als die Bäume noch sprechen konnten

Pia und Papa schlurfen im Wald durch dichtes Laub, das am Boden liegt und bei jedem Schritt laut raschelt.
„Warum werden die Blätter im Herbst bunt und fallen ab?“, fragt Pia.
„Weil sich die Bäume auf den Winter vorbereiten“, sagt Papa. „Um zu überleben, entziehen sie den Blättern alle Säfte. So trocknen die Blätter aus und werden gelb, rot oder braun, bis sie so trocken sind, dass sie sich nicht mehr an den Zweigen halten können.
„Arme Blätter!“, meint Pia. Sie deutet zu den Kiefern und Fichten.
„Und warum haben die hier keine bunten Nadeln?”, fragt sie.
Da muss Papa auch überlegen.
„Es ist eben so”, sagt er schließlich wenig überzeugend. „Nadelbäume sind immergrüne Gewächse.”
„Immergrün?” Pia kann sich darunter wenig vorstellen. „Wieso? Wegen Weihnachten? Damit wir grüne Zweige und Christbäume haben können?”
Papa lacht. „Ja, vielleicht. Weißt du, über diese Frage haben sich schon viele Leute Gedanken gemacht. Ich kenne ein altes indianisches Märchen, das erzählt, warum Continue reading »

Das Birkenblatt und der Wind

Einen Grund, das Leben “schön” zu sehen, findet das Birkenblatt immer

„Ach, wenn ich doch fliegen könnte!“, dachte das Birkenblatt und blickte sehnsüchtig dem bunten Drachen hinterher, der in der Luft tanzte. „Nur ein einziges Mal.“
„Fliegen?“, lachte der Herbstwind. „Das kannst du haben.“
Und eins, zwei, drei blies er eine volle Backenladung auf die Birke.
Huiiii!!! Wie das brauste!
Hoch wirbelten die gelben Birkenblätter in den Himmel hinauf, dem Drachen hinterher.
„Ich kann fliegen!“, rief das Birkenblatt glücklich. „Hurra!“
Es flog hoch und höher, umkreiste den Drachenschweif, hüpfte auf die Drachennase zu einem übermütigen Kuss und tanzte mit dem neuen Freund um die Wette.
„Fliegen ist schön“, jubelte das Birkenblatt. „So schööööööön…!“
Doch was war das? Für einen Moment machte der Wind eine Atempause, und wie ein Stein trudelte das Birkenblatt zur Erde hinunter.
„Fliegen ist ja so schö-ö-ö-ö-ö-ön…“, lallte es und landete – platsch- im Bach.
Na ja, Schwimmen ist auch nicht schlecht, oder?
© Elke Bräunling

Eine Landung kann auch so enden …
Blatt 2 im Wasser gelandet


Die langweilige Schlechtwetterlaune

Ist es wirklich so langweilig an einem Schlechtwettertag? Mit der richtigen Kleidung und mit Fantasie eigentlich nicht, oder?

Wieder ist der Himmel grau. Es regnet. Dauernd regnet es!
Maximilian sitzt am Fenster und starrt in das ungemütliche Grau hinaus. Er ist sauer.
„Mir ist langweilig!“, quengelt er.
„Geh ein bisschen draußen spielen!“, schlägt Mama vor.
„Aber draußen ist schlechtes Wetter.“
„Es gibt kein schlechtes Wetter“, sagt Mama, die, wie Maximilian findet, heute wieder einmal besonders gemein ist. „Es gibt nur falsche Kleidung.“
„Im Regen zu stehen ist auch langweilig“, meckert Maximilian.
„Dann verabrede dich mit Jonathan.“
„Der ist heute nicht zu Hause.“
Hm. Mama, die am Computer sitzt und nicht auf Maximilian achtet, überlegt. „Bau doch den neuen Lego-Traktor!“, schlägt sie vor.
„Damit bin ich längst fertig! Ich habe dir den Traktor gezeigt und du hast „Ja! Ja!“ gesagt. Echt! Nie guckst du genau hin, wenn ich dir etwas zeige.“ Maximilian ist empört.
Mama seufzt und schaltet den Computer auf Standby. „Dann Continue reading »

Wenn die Blätter bunt sich färben

Wenn die Blätter bunt sich färben

Wenn die Blätter bunt sich färben,
kommt der Herbst, wie uns bekannt,
fröhlich an mit seinem Pinsel.
Bunt wird es bei uns im Land.

Wenn die Blätter bunt sich färben,
rauft der Herbst, wie uns bekannt,
wild mit seinen Windgesellen,
und es stürmt bei uns im Land.

Wenn die Blätter bunt sich färben,
ruft der Herbst, wie uns bekannt
den Tieren zu: “Passt nur gut auf!
Bald wird´s wieder kalt im Land.”

Wenn die Blätter bunt sich färben,
steht der Herbst, wie uns bekannt,
auch vor unsrer Tür und rät uns:
“Zieht euch warm an jetzt im Land!”

© Elke Bräunling


Der eingebildete Herbstwind und die Bäume

Irgendwie ist er ein bisschen der Boss im Herbst, der Herbstwind. Glaubt er zumindest

Fleißig war der Herbstwind in den ersten Herbstwochen gewesen. Er hatte sich auch große Mühe gegeben, denn er wollte seinen Job richtig machen. Und sorgfältig.
Ja, und sorgfältig hatte er jeden Baum und jeden Strauch umweht und dabei gut darauf geachtet, auch wirklich alle Baumfrüchte von ihren Zweigen zu schubsen. Auf den Boden fallen sollten sie und sich in die Erde eingraben. Wurzeln bilden sollten sie dort und zu neuen Bäumen heranwachsen.
“Ja ja”, sagte der Herbstwind, als er einen letzten Rundgang durch die Wälder machte. “Mein Job ist sehr wichtig. Ich, ich alleine bin für die jungen Bäume zuständig. Ha!'”
Er plusterte sich ein wenig auf und erzählte jedem, den er traf, voller Stolz, wie Continue reading »

Köstlichkeit aus dunkler Erde

Köstlichkeit aus dunkler Erde
Ein Kartoffelgedicht

Sie wächst nur in dunkler Erde
mit einer Schale schmutzig braun,
ist diese Frucht, die uns so kostbar,
im Innern lecker anzuschaun.

Sie ist bekannt uns als Kartoffel,
man sagt auch Erdapfel zu ihr,
denn wie die Äpfel auf den Bäumen
ist sie gesund für Mensch und Tier.

Wir haben sie oft auf dem Teller,
denn sie schmeckt wunderbar und fein.
Kaum einer mag sie mehr vermissen,
Drum muss in jedem Haus sie sein.

© Elke Bräunling

Geschichten, Gedichte, Lieder und kleine Rollenspiele zu Ernte und Erntedank findest du im Buch “ERNTEZAUBER”, erschienen in der Neubearbeitung des Buches “Hallo Opa! Erzählst du mir eine Geschichte vom Erntedank” neu im August 2014:


Taschenbuch:Erntezauber – Ernte und Erntedank: Geschichten und Lieder
Ebook:Erntezauber – Ernte und Erntedank: Geschichten, Gedichte, Spiele und Lieder

Information


Die Kartoffel und Kartoffelgeschichten

Wisst ihr über die Kartoffel und ihre Geschichte Bescheid

Könnt ihr euch vorstellen, dass es die Kartoffel erst seit dem Ende des 18. Jahrhunderts bei uns gibt? Eigentlich, könnte man meinen, dieses nahrhafte, vitaminreiche Gemüse hätte schon immer die Menschen gesund ernährt. Das haben sie auch, die Kartoffeln, aber nicht bei uns in Europa.
Zu allererst wurden Kartoffeln in Peru (Südamerika) angepflanzt, und als sie endlich nach Europa kamen, glaubten die Menschen, die Kartoffelpflanze sei eine Zierpflanze. Die leckeren Kartoffelknollen nämlich hatten sie damals noch nicht zum Essen entdeckt. Sie hatten nur an den kleinen grünen Früchten genascht, und die sind giftig. Klar, dass die Menschen dann keine Lust mehr auf Kartoffeln hatten. Erst mit der Zeit begriffen sie, dass der wahre Schatz der Kartoffel Continue reading »

Der kleine Bär und der Kartoffelzwerg

Auf dem Kartoffelfeld ist nach der Ernte ganz schön was los. Ganz schön ins Schwitzen kommt der kleine Bär

Als der kleine Bär für Mama Bär Pilze sammelte, hörte er am Waldrand lautes Klagen. Ein kahlköpfiger brauner Winzling mit einem Faltengesicht sauste aufgeregt über das abgeerntete Kartoffelfeld.
“Wer bist du?“, fragte er den Fremden.
“Sieht man doch“, quäkte der. „Der Kartoffelzwerg bin ich. Und Hilfe brauche ich. Man hat mir mein Kartoffelvolk gestohlen.“ Der Zwerg deutete auf den Pilzkorb. “Wirf diese Pilz-Dinger weg! Schnell! Du musst meine Leute retten.“
Der kleine Bär sah sich um. „Wen muss ich retten? Ich sehe niemanden.“
Der Zwerg stöhnte auf. “Die Continue reading »

Der Sonnenzauber in der Jackentasche

Nun fallen die Kastanien wieder von den Bäumen. Wusstest du schon, dass die letzte Kastanie, die du findest und einsteckst, – vielleicht – eine Zauberkastanie ist?

Heute war ein stürmischer Herbsttag. Überall tanzten Blätter durch die Luft und trudelten dann zu Boden. Hier und da fiel eine letzte Kastanie, Eichel oder Walnuss zu Boden.
“Meine Tante sagt, die letzten Kastanien, können zaubern”, sagte Anna. “Sie sammelt sie und steckt sie in ihre Jackentasche.”
“Zauber?“ Die Kinder konnten dies nicht glauben. “Das ist doch bloß eine von deinen komischen Ideen”, maulten sie.
“Nein. Ist es nicht.” Anna bückte sich nach einer Kastanie und steckte sie in ihre Tasche. “Das ist nun meine Zauberkastanie”, erklärte sie. “Die werde ich immer bei mir tragen.“
“Und das ist ein Zauber?”, fragte Florian.
Anna nickte. “Wenn du die Continue reading »

Wenn Sommer und Herbst miteinander streiten

Wer ist der Schönste? Das fragen sich Sommer und Herbst in diesen Tagen immer wieder aufs Neue. Und sie streiten ganz schön dabei.

Nichts als Ärger haben Sommer und Herbst Jahr für Jahr aufs Neue miteinander. Beide nämlich sind sehr eitel und beide wünschen sich endlich eine Antwort auf die wichtige Frage, wer der Schönere von ihnen sei. Deshalb nerven sie den berühmten Märchen-Spiegel jedes Jahr zur Spätsommer- und Frühherbstzeit mit der gleichen Frage:
“Spieglein, Spieglein, an der Wand, wer ist der Schönste hier im Land?”
Der berühmte und sehr kluge Märchenspiegel aber schweigt.
So auch wieder dieses Mal, und die beiden hochnäsigen Jahreszeiten beginnen wieder mit ihrem immer wiederkehrenden Streit:
“Ich bin der Schönste!”, prahlt der Continue reading »

Glück für den Kürbis

Glück für den Kürbis

Der Kürbis sprach: „Mir ist’s nicht schnuppe.
Ich habe keine Lust auf Suppe.
Ich möcht auch kein Gemüse sein
und auch kein Futter für das Schwein.”
Er lag am Markt auf einem Tisch
und grauste sich.

“Was grämst du dich?”, rief da die Rübe.
“Die Zukunft von uns, die ist trübe.
Man kocht uns und man isst uns auf.
So ist nun mal der Dinge Lauf.“
Der Menschen Hunger, der ist groß
und unser Los.”

Da kam ein Kind. Es sah die beiden
und sagte leis’: „Ihr sollt nicht leiden.
Ich schnitze aus euch ein Gesicht
und stell in euren Bauch ein Licht.
So leuchtet ihr in dunkler Nacht
und haltet Wacht.“

Es war, als spürte man sie beben.
„Du meinst, wir dürfen weiter leben?“
Die beiden Freunde riefen’s froh.
Für manche ist’s im Leben so,
dass man es trifft ein kleines Stück.
Man nennt es: Glück!

© Elke Bräunling

Der eitle Kürbis

Schönsein ist nicht immer von Vorteil. Das erkennt auch der eitle Kürbis.

Heute ist Erntetag. „Es ist höchste Zeit“, brummt ein besonders schöner Kürbis. „Hier langweilt man sich ja zu Tode.“
Die anderen, weniger prächtigen Kürbisse nicken: „Nun werden wir endlich etwas erleben!“
Da lacht der Superkürbis höhnisch auf. „Ihr Kleinköpfe werdet doch bloß zerschnipselt, gekocht und aufgegessen! Ich aber“, er streicht sich wohlgefällig über den Leib, „bin zu schön, um zerhackt zu werden. Aus mir wird etwas ganz Besonderes.“
Die Kürbisse staunen. Recht hat er, der schöne Kollege! Was kann aus ihnen denn schon werden?
Auch die Bauersleute wundern sich, als sie den ´Superkürbis´ entdecken.
„Ein Mordskerl“, sagen sie und Continue reading »

Kastaniengeschichten

Herbstzeit ist Kastanienzeit und Kastanien, die lieben alle kleinen und großen Kinder, oder?
Hier findest du Links zu Kastaniengeschichten, -gedichten und -rezepten.
Viel Spaß damit!
:)

Einen kleinen Sachtext über die Kastanie findest du hier: Stacheligel” Kastanie

Kastaniengedichte stehen hier: Das kleine grüne Stachelding
Der Kastanienbaum vor unserem Haus

Und hier findest du weitere Kastaniengeschichten:
Die Kastanien und der Herbstwind
Das kleine Kastanienwunder
Der Herbstwind und die Kastanienbäume am Marktplatz
Die trotzige Kastanie
Die Glückskastanie und das vergessliche Eichhörnchen
Die kleine Waldmaus und das Stacheltier

Rezept Kastanienpfannkuchen

“Stacheligel” Kastanie

“Stacheligel” Kastanie
Ein Sachtext über die Kastanien mit einem kleinen Rezept

Alle Kinder freuen sich, wenn im Herbst die Kastanien reif sind und die glänzenden braunen Kastanienkugeln aus der harten, grünen Stachelschale herausbrechen. Prima nämlich kann man mit Kastanien basteln. Das macht Spaß.

Aber Vorsicht: Zum Essen sind Rosskastanien nur für Rehe und Wildschweine ein Leckerbissen. Auch kranken Pferde hat man früher Kastanien ins Futter gemischt als Medizin gegen den gefährlichen Rosshusten. Für Menschen dagegen sind Rosskastanien giftig. Wer nur eine dieser rotbraunen Lackkugeln verspeist, bekommt bereits Durchfall und Übelkeit. Dennoch enthält die Rosskastanie wertvolle Stoffe für Medikamente gegen Rheuma und Gicht. Auch hilft sie bei Durchblutungsstörungen, und aus den Blüten lässt sich ein ausgezeichneter Hustentee zubereiten.

Es gibt aber auch Kastanien, die man essen kann, und ich sage euch, die Continue reading »

Die Kastanien und der Herbstwind

Wenn die erste Kastanie am Boden liegt, weiß jeder: Jetzt ist der Herbst da. Und dabei würden die Kastanienfrüchte noch so gerne so lange an ihren Plätzen in den Bäumen bleiben

“Ha! Ihr kriegt uns nicht!”
“Niemand kann uns vom Baum stehlen und aufessen.”
“In unserer Stachelhülle sind wir geschützt.”
“Das Leben ist schön und wir können es ohne Furcht genießen.”
“Uns droht keine Gefahr. Wir sind sicher. Hoho!”
Fröhlich und ein bisschen übermütig reckten die Kastanien ihre Stachelköpfe von der Baumkrone aus der Sonne entgegen. Es schien fast, als lachten sie die Vögel und die Eichhörnchen, die im Baum auf Futtersuche unterwegs waren, aus. Sie jubelten lange, doch die Waldbewohner interessierte das wenig. Schon gar nicht die Vögel, denn die machten sich nichts aus Kastanien. Nur das Eichhörnchen, das an seine fehlenden Wintervorräte dachte, schmunzelte.
“Man wird sehen”, murmelte es und wartete.
Doch da war ein anderer, der sich ein bisschen über diese vorlauten Kastanienfrüchte ärgerte. Es war der Herbstwind, der mit einer lauen Brise über die Bergkämme strich und den Späßen der vorwitzigen Früchten lauschte.
“Wartet, ihr Früchtchen”, sirrte er den Kastanien zu. “Da ist doch einer, den ihr fürchten solltet. Bald seid ihr reif!”
Er meinte Continue reading »

Kastanienpfannkuchen

“Achtung” Rezept! – Kastanienpfannkuchen

Neben der Rosskastanie, die für Rehe und Wildschweine ein Leckerbissen sind, gibt es auch Kastanien, die man essen kann. Die schmecken sehr lecker. Ihr kennt sie bestimmt von Rummelplätzen oder Weihnachtsmärkten, wo ihr sie beim Maronimann kaufen könnt. Es sind Esskastanien oder Maronen (so nennt man sie in der Schweiz und in Italien). Aus ihnen kann man tolle Gerichte, sogar Kuchen und Süßspeisen, zaubern. Esskastanien wachsen im südeuropäischen Waldgebieten. Aber auch bei uns findet ihr sie in den Wäldern warmer Gebiete, wo auch Weinbau betrieben wird. Großen Spaß macht es, hier im Herbst durch die Wälder zu streifen und im Herbstlaub nach Esskastanien zu suchen. Aber Vorsicht: Die Hüllen der Esskastanien sind mächtig stachelig. Wie kleine, runde, gelbgrüne Igel sehen sie aus mit kleinen, spitzen Stacheln.

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Esskastanien (Maronen) mit ihren Stachelhüllen

Hast Du Appetit auf Kastanien-Pfannkuchen, pardon, auf Keschte-Crepes?

Keschte-Crepes = Kastaniencrepes (oder Kastanienpfannkuchen)

Zutaten: 200 g Dinkelmehl, ca. 100 g Kastanien, ¼ l Wasser, eine Prise Meersalz, 5 Eier, 2 EL Olivenöl und Butter zum Backen

Zubereitung:
Du brauchst Kastanienmousse: Die gewölbte Seite der Kastanien schneidest du mit einem Messer kreuzweise ein, dann gibst du sie in einem Topf mit kaltem Wasser geben und kochst sie kurz auf. Nun musst du die Früchte noch heiß gründlich schälen. Danach werden die Kastanien nochmals aufgekocht so lange, bis sie weich sind. Dann kannst du sie durch ein Sieb passieren und das Mousse ist zubereitet.

Nun das Mehl mit dem Kastanienmousse und dem Wasser verrühren. Danach Salz zugeben, die Eier und das Olivenöl. Alles gut miteinander vermischen.
Den fertigen Teig lasse nun mindestens eine halbe Stunde ruhen!

Dann geht’s los:
Etwas Butter in der Pfanne erhitzen. Dann so viel Teig in die Pfanne geben, dass Boden dünn bedeckt ist, und von beiden Seiten ausbacken.
Und am besten schmeckt es, wenn man den Crepe gleich aus der Pfanne „nascht“ ;)

Du kannst nun aber auch einen Crepe-„Berg“ bauen: Du häufelst die fertigen Crepes zu einem „Berg“ an und bestreust ihn mit Puderzucker und ab damit zu Tisch, damit Ihr diesen „Berg“ noch warm genießen könnt.

© Elke Bräunling

Aufbruch im Kartoffelfeld

Morgen ist Kartoffelernte und heute, ja, heute geht es ganz schön bunt zu im Kartoffelfeld. Lausche mal!

“Ich befürchte, meine lieben Freunde, morgen ist es wieder so weit”, sagte der Kartoffelkönig eines Tages zu seinem Volk.
“So weit?”
“Wie weit?”
“Warum weit?”
“Was weit?”, fragten die jungen, kleinen Knollen neugierig, während ihre älteren Kollegen leidvoll stöhnten und klagten.
“Sehr weit. Erntezeit!”, erklärte eine besonders dicke Knolle.
“Leidenszeit”, ergänzte eine weitere.
“Abschiedszeit”, jammerte eine dritte.
Die Jungkartoffeln wunderten sich. Ernte? Leiden? Abschied? Sie konnten das nicht begreifen.
“Ist das eine Jammerzeit?”, fragten sie. Continue reading »

Der kleine Bär und die Silberfäden im Herbst

Der Herbst beginnt spannend – und auch etwas verwirrend – für den kleinen Bären. Was, überlegt er sich, sind das für silbern glitzernde Fäden überall im Wald und auf der Wiese?

“Nanu?” Verwundert stand der kleine Baer an einem Herbstmorgen am Rande der Waldwiese. Die glitzerte und glänzte hell im Licht der ersten Sonnenstrahlen. Viele Silberfäden, tausend und noch mehr, hatten sich über Gräser und zwischen die Wiesenkräuter und -blüten gelegt. Es war, als verzierten sie die Wiese mit Schmuckbändern und Perlenketten. Schön sah das aus.
Der kleine Baer staunte. Er zögerte. Dann betrat er vorsichtig die Waldwiese, die sich in eine Zauberwiese verwandelt hatte, und griff nach diesen fremdartigen Fäden.
Aber was war das? Die seltsamen Fäden blieben in seinem Fell hängen. Sie klebten richtig. Erschrocken pulte der kleine Bär sie aus seinem Bauch und aus Armen und Beinen. Sie glänzten jetzt gar nicht mehr schön.
“Hey, geht weg!”, rief der kleine Bär.
Doch nichts geschah. Nur die Sonne Continue reading »

Das Eichhörnchen und die kostbare Zeit

Überall trifft das Eichhörnchen heute Tiere und Pflanzen, die traurig sind über das Ende des Sommers? Aber ist Herbst nicht auch schön?

“Hoffentlich treffe ich heute nicht wieder einen weinenden Apfel”, murmelte das Eichhörnchen, als es sich an diesem frühen Herbsttag auf seine tägliche Waldrunde begab.
Leise schlich es an den Apfelbäumen vorbei. Vor lauter Schleichen vergaß es, vorsichtig zu sein und stieß gegen die großen, hohen Blumen, deren Köpfe kleinen Sonnen glichen. Es hatte diese sonnigen Blumen schon oft gesehen, aber warum ließen sie heute die Köpfe hängen? Der Tag war doch so sonnig und warm und schön!
Das Eichhörnchen wunderte sich.
“Wenn ich es nicht besser wüsste”, murmelte es, “würde ich sagen, sie trauern. Aber warum nur?”
Traurige Sonnen? Hm!
Das Eichhörnchen machte, dass es weiter kam. Mit Traurigkeit hatte es heute nichts am Hut!
Unterwegs traf es Continue reading »

Das Eichhörnchen und der traurige Apfel

Vom Regen und von Regentränen. Können auch Äpfel weinen?

“Warum weinst du, Apfel?”, fragt das Eichhörnchen, das in den Bäumen der Streuobstwiese im kleinen Waldtälchen auf Nahrungssuche unterwegs war.
“Phschhhhhh!” Der Apfel schluchzte. “Wei-hei-einen? Wa-a-as ist das?”
“Weinen?” Das Eichhörnchen überlegte. In den Menschengärten hatte es das Weinen kennen gelernt und – irgendwie – rasch wieder vergessen. Hier im Wald weinte nämlich keiner. Naja, fast keiner.
Der Apfel schluchzte wieder, lauter nun.
“Weinen, das ist, wenn Wasserperlchen über deine Wangen tropfen und deine Apfelhaut nass machen”, sagte das Eichhörnchen schnell. Es war nun etwas verlegen. Eigentlich hatte es geplant, ein wenig von dem köstlichen Fruchtfleisch des Apfels zu naschen. Aber wer brachte es übers Herz, in schluchzende Apfelbäckchen zu beißen?
“Re-e-egen ma-hc-chat meine Apfelbacken auch nass”, klagte der Apfel. “Aber er ma-hc-chat mich ni-hi-hicht so-ho traurig.”
Ein Zittern durchlief den Apfelkörper und viele Continue reading »

Der Apfeltraum im Apfelbaum

Der Apfeltraum im Apfelbaum

Hoch in einem Apfelbaum
träumt’ ein Apfel einen Traum.
“Ha! Der Schönste bin ich. Seht,
wie gut mir dieses Schönsein steht!
Rot die Backen, prall und rund,
zudem bin ich kerngesund.
Jeder, der mich sieht, ruft: ‘Oh!
diesen Apfel mag ich so!
Lieber Apfel, komm zu mir!
Mir gelüstet sehr nach dir.’
Nicht mit mir. Ich rufe: ‘Pah!
Ich bin nicht für jeden da!'”
Sprach’s und streckte sein Gesicht
zu der Sonne hellem Licht.
Längst war’n alle Äpfel fort,
nur der Apfel hing noch dort
oben hoch in seinem Baum.
Wahr geworden war sein Traum.
Als der Winter zog ins Land,
man ihn dort noch immer fand.
Er hängt jetzt noch, welk, verfroren,
seine Schönheit ist verloren.

© Elke Bräunling

Mia und der kleine Ärger

Es lohnt nicht, sich über andere zu ärgern, auch nicht in der Schule

Mia ist sauer. “Herr, lass Hirn regnen!”, hat Alex beim Fußballspielen zu ihr gesagt. Weil sie zwei Mal wegen diesem doofen Abseits den Ball an die Gegnermannschaft abgeben musste. Das ist bloß passiert, weil Mia zu schnell gelaufen ist und weil sie unbedingt auch ein Tor schießen wollte.
“Das mit dem Abseits begreift ihr Weiber nie!”, hat Alex laut gerufen und blöde dabei gelacht.
Klar, dann haben alle gelacht.
“Ich bin doch nicht doof!”, hat Mia zurückgerufen. “Nur ein bisschen schneller bin ich. Pah!”
Da haben alle noch mehr gelacht und Alex hat, ebenso laut wie vorher, gegrölt: “Die Rechenarbeit vorgestern hast du auch verhauen. Fußball und Rechnen, ha, das kapieren Mädchen nie!”
Wie gemein. Vorgestern hatte Continue reading »

Die Sonne und das Blatt

Warum das Blatt mit der Sonne in diesem späten Sommer so gar nicht mehr einverstanden ist

“Hallo Sonne!”, sagte das Blatt. “Ich freue mich, dass du mich jeden Tag für ein Weilchen besuchst. Aber du tust mir nicht gut. Deine Strahlen verbrennen meine Haut. Sie machen sie trocken, braun und dünn.”
“Es ist später Sommer”, erwiderte die Sonne mit einem Schmunzeln. “Es ist meine beste Zeit.”
“Meine auch!”, rief das Blatt. Nein, es schrie es fast. “Es ist auch meine beste Zeit. Meine letzte Lebenszeit. Und die möchte ich genießen, möchte sie leben. Frei und ohne Verletzungen. Also bitte, zieh weiter, Sonne! Lass ab von mir. Du tust mir weh.”
“Eigentlich bin ich es gewohnt, dass man mich liebevoll Willkommen heißt und meine Strahlenkinder freudig aufnimmt.”
In der Stimme der Sonne lag so etwas wie erschrockene Verwunderung. “Meinst du nicht, auch wir könnten uns arrangieren und Freunde sein?”
Besänftigend legte sie ihre Sonnenarme auf das Blatt. Es war, als wolle sie Continue reading »

Eine seltsame Begegnung am Waldrand

Beim Schuleschwänzen erlebt Max am Waldrand eine ganz eigenartiges Abenteuer. Oder ist er auf einmal in einer falschen Zeit gelandet?

Auf dem Schulweg bog Max an einer Wegkreuzung ohne weiter nachzudenken ab und trottete langsam aus dem Städtchen hinaus zum nahen Wald.
„Eine gute Idee“, murmelte er, als er sich wenig später am Waldrand ins Gras setzte. „Während sie in der Schule das blöde Diktat schreiben, habe ich einen tollen Sonnentag.“
Er beobachtete den Bussard am Himmel, lauschte dem Vogelgezwitscher, beobachtete eine Ameisenstraße und seufzte zufrieden. „Hier bleibe ich bis Schulschluss. Es gibt so viel zu sehen, dass mir nicht langweilig wird. Verhungern muss ich auch nicht. Bestimmt finde ich Himbeeren und Walderdbeeren.“
Das schlechte Gewissen meldete sich. „Ich könnte für Mama Beeren pflücken. Dann ist sie nicht ganz so sauer, wenn sie erfährt, dass ich Schule schwänze.“
Max griff nach der Dose mit den längst aufgegessenen Pausenbroten und trottete zu den Himbeerbüschen hinüber. Er hatte Glück. Schon viele Beeren waren reif und an der Böschung lachten ihm rote Walderdbeeren entgegen.
„Ganz schön viel Arbeit“, murmelte Max. Er überlegte und …
Da. Es raschelte im Unterholz, ein Ast knackte und Continue reading »

Jules Schmetterlingstraum

Wie kann man zarte bunte Schmetterlinge in die Gärten locken? Jule hat da eine ganz besondere Idee

Aus dicken, hässlichen Raupen schlüpfen zarte, bunte Schmetterlinge, hat Jule gehört. Das kann Jule erst nicht glauben, doch weil sie Schmetterlinge über alles leiden mag, träumt sie von einem fröhlich kunterbunten Schmetterlingsgarten.
Schmetterlinge aber sieht Jule im Garten nur wenige. Weil die nämlich ihre Eier, aus denen die Raupen schlüpfen, lieber auf Brennnesseln, Wildkräutern und -büschen ablegen, und die gibt es in den gepflegten Gärten der Siedlung nicht.
Schade, findet Jule, und denkt an ihren Schmetterlingstraum. Dann hat sie eine Idee. Sie nimmt ein Einmachglas und geht zum Wäldchen hinter dem Spielplatz. Dort wachsen Brennnesseln, Wildkräuter, Büsche und Birken, und von denen sammelt Jule alle Raupen, die sie finden kann, in ihr Glas. Vorsichtig trägt sie ihre Beute heim in den Garten und setzt die Raupen auf die Blätter der Bäume, Büsche, Rosen, Stauden und Salatköpfe. Mehrere Tage lang macht sie das, und es ist keine einfache Sache.
Am Anfang Continue reading »

Die Wolkenträne

Regentropfen, sind sie Wolkentränen?

Lange bevor der große Regen angekündigt war, stahl sich ein Regentropfen aus der Wolke und sprang mit einem Hüpfer vom Himmel.
“Ich bin frei”, rief er und schlug übermütig ein paar Purzelbäume. “Frei-ei-ei…!”
Platsch! Schon landete er auf der Nase eines kleinen Mädchens.
“Oh!”, rief das Mädchen. “Eine Wolkenträne. Ich hab doch immer gewusst, dass Wolken weinen können.” Es sprang auf, um die Wolkenträne seinen Freunden zu zeigen.
Die aber lachten nur.
“Heute ist doch kein Regentag!”, riefen sie und grinsten. “Diesen Tropfen hat bestimmt ein Vogel … verloren! Hahaha!”
Ein Vogel?
Das Mädchen schüttelte sich voller Ekel, rannte zum nahen Bach und wusch sich schnell das Gesicht.
So landete der Regentropfen bei seinen Kollegen im Bach und war wie in der Wolke wieder nur einer von vielen.
Ich bin vielleicht eine dusselige Träne!, dachte er noch, doch da verschlang ihn schon eine Welle und trug ihn mit all den anderen Wassertropfen dem Fluss entgegen.
© Elke Bräunling

Die Rose weint ...
© Elke Bräunling, Viele Wolkentränen treffen sich auf der Rosenblüte

Im roten Klatschmohnmeer

Wenn ein Feld oder eine Wiese zum Meer werden, dann, ja, dann bist du gerade unterwegs auf einer Traumreise/Fantasiereise

Auf einem Ausflug oder auf einem Bild hast du ein Feld oder eine Wiese gesehen mit vielen Klatschmohnblumen. Es sind 1000 und mehr und sie schmücken das Land mit vielen klatschmohnroten Punkten. Schön sieht das aus! Am liebsten würdest du gleich einen großen Strauß Mohnblüten pflücken. Vielleicht möchtest du aber auch eine kleine Traumreise machen? Hast du Lust auf eine Reise ins rote Klatschmohnmeer? Continue reading »

Die Stadt im Watt

Eine versunkene Stadt gibt es im Watt und manchmal soll man sie noch … nein, lest selbst!

Im Urlaub auf der Nordseeinsel Nordstrand hatten Pia und Pit mit ihren Eltern Unterkunft in einem alten Fischerhaus hinterm Deich gefunden. Gleich am ersten Abend hatte der alte Fischer den Kindern versprochen, ihnen das Watt mit all seinen Wundern und Geheimnissen zu zeigen.
Mächtig gespannt waren Pia und Pit, als sie am Morgen zum Deich liefen und aufs Meer spähten. Das Watt lag unter dem Wasser verborgen, doch wenn man genau hinschaute, sah man, wie sich das Meer langsam zurückzog.
„Dort!“, sagte Pit und deutete nach Westen aufs Meer. „Irgendwo dort hinten liegt sie, die versunkene Stadt.“
Pia nickte und dachte an die Geschichten, die ihnen der alte Fischer erzählt hatte.
Früher nämlich hatte Continue reading »