Ein rätselhafter Zauber

Ein rätselhafter Zauber
Ein kleines Rätselgedicht

Denk dir, heut Morgen
ging ich aus dem Haus,
und alles sah draußen
ganz anders aus.

Ich war erschrocken
und blieb erst mal stehn
und schaute mich um,
doch ich konnte nichts sehn.

Es war zum Gruseln,
denn wo ich auch stand,
war alles gespenstisch
verschleiert im Land.

Die Bäume im Garten
gab´s plötzlich nicht mehr.
Nur dürre Gerippe
sahn starr zu mir her.

Selbst Nachbars Haus
gleich um die Eck
war -wie von Geistern
verhext- einfach weg.

Ich rieb mir die Augen
und dachte mir bloß:
Was ist nur geschehen?
Was ist heut nur los?

Träumte ich all das,
was ich hier sah,
oder war heute Nacht
ein Zauberer da?

Wer kann mir sagen,
was mich so erschreckt´.
Wer hat die Lösung
des Rätsels entdeckt?

(Nebel)

© Elke Bräunling


Nebelkind will erwachsen sein

Ein Nebeltag muss nicht zum Fürchten sein. Dort draußen stecken nur Nebelkind und seine Geschwister zwischen Büschen und Bäumen. Du kannst sie sehen. Manchmal …

Endlich war der Herbst mit seinen Nebeltagen wieder gekommen. Die große Nebelfamilie, die hinter den Wolken über dem Zauberozean wohnte, war ganz aufgeregt. Aufbruchbereit standen die Familienmitglieder beim großen Nebelwolkenschiffs und starrten zur Erde hinab. Einige rieben sich aus Vorfreude die Hände, halt, die Nebelarme.
Mit finsteren Mienen beobachteten das kleine Nebelkind und seine Freunde das bunte Treiben. Sie nämlich durften noch nicht zur Erde ziehen.
“Ihr müsst erst noch wachsen!“, sagte der Nebelkönig.
Wachsen! Wie langweilig war das!
Nein, dazu fehlte dem kleinen Nebelkind die Geduld.
“Das wäre doch gelacht!“, murmelte es. “Ich kann auch Nebel machen.”
Und während seine Freunde artig zu Hause blieben, folgte Nebelkind heimlich seinen Wolkenkollegen. Die legten Continue reading »

Herbstgespräche im Blumenhimmel

Nicht alle Blumen hatten einen schönen Sommer. Warum?

Traurig saßen ein paar Sommerblumen im Blumenhimmel und starrten auf die herbstliche Erde. Die Sonne schien warm und verwandelte die Bäume und Büsche mit ihrem herbstlichen Laub in bunte Farbtupfer; die Luft roch frisch nach Herbst und reifem Obst. Es war ein Herbsttag, der so schön war, dass die Herzen der Erdenbewohner kleine Glückshüpfer machten.
“Was blickt ihr so trübsinnig drein”, fragte die Himmelsfee. “Ihr habt doch auch eine schöne Zeit auf der Erde gehabt, und in euren Samen werdet ihr nächstes Jahr weiterleben.”
Da fingen die Herbstblumen an zu weinen. Sie weinten sehr und konnten gar nicht mehr aufhören.
Die Himmelsfee erschrak. “Was ist mit euch?“, fragte sie. “Was ist geschehen? So erzählt es mir doch!”
Da sagte die Sonnenblume, der ihren sonnengelben Blütenkranz am weitesten aus der Erde hervorstreckt, mit Wehmut: Continue reading »

Von bunten Blättern und Nadelbäumen im Herbst

Von bunten Blättern und Nadelbäumen im Herbst und von der Zeit, als die Bäume noch sprechen konnten

Pia und Papa schlurfen im Wald durch dichtes Laub, das am Boden liegt und bei jedem Schritt laut raschelt.
„Warum werden die Blätter im Herbst bunt und fallen ab?“, fragt Pia.
„Weil sich die Bäume auf den Winter vorbereiten“, sagt Papa. „Um zu überleben, entziehen sie den Blättern alle Säfte. So trocknen die Blätter aus und werden gelb, rot oder braun, bis sie so trocken sind, dass sie sich nicht mehr an den Zweigen halten können.
„Arme Blätter!“, meint Pia. Sie deutet zu den Kiefern und Fichten.
„Und warum haben die hier keine bunten Nadeln?”, fragt sie.
Da muss Papa auch überlegen.
„Es ist eben so”, sagt er schließlich wenig überzeugend. „Nadelbäume sind immergrüne Gewächse.”
„Immergrün?” Pia kann sich darunter wenig vorstellen. „Wieso? Wegen Weihnachten? Damit wir grüne Zweige und Christbäume haben können?”
Papa lacht. „Ja, vielleicht. Weißt du, über diese Frage haben sich schon viele Leute Gedanken gemacht. Ich kenne ein altes indianisches Märchen, das erzählt, warum Continue reading »

Das Birkenblatt und der Wind

Einen Grund, das Leben “schön” zu sehen, findet das Birkenblatt immer

„Ach, wenn ich doch fliegen könnte!“, dachte das Birkenblatt und blickte sehnsüchtig dem bunten Drachen hinterher, der in der Luft tanzte. „Nur ein einziges Mal.“
„Fliegen?“, lachte der Herbstwind. „Das kannst du haben.“
Und eins, zwei, drei blies er eine volle Backenladung auf die Birke.
Huiiii!!! Wie das brauste!
Hoch wirbelten die gelben Birkenblätter in den Himmel hinauf, dem Drachen hinterher.
„Ich kann fliegen!“, rief das Birkenblatt glücklich. „Hurra!“
Es flog hoch und höher, umkreiste den Drachenschweif, hüpfte auf die Drachennase zu einem übermütigen Kuss und tanzte mit dem neuen Freund um die Wette.
„Fliegen ist schön“, jubelte das Birkenblatt. „So schööööööön…!“
Doch was war das? Für einen Moment machte der Wind eine Atempause, und wie ein Stein trudelte das Birkenblatt zur Erde hinunter.
„Fliegen ist ja so schö-ö-ö-ö-ö-ön…“, lallte es und landete – platsch- im Bach.
Na ja, Schwimmen ist auch nicht schlecht, oder?
© Elke Bräunling

Eine Landung kann auch so enden …
Blatt 2 im Wasser gelandet


Die langweilige Schlechtwetterlaune

Ist es wirklich so langweilig an einem Schlechtwettertag? Mit der richtigen Kleidung und mit Fantasie eigentlich nicht, oder?

Wieder ist der Himmel grau. Es regnet. Dauernd regnet es!
Maximilian sitzt am Fenster und starrt in das ungemütliche Grau hinaus. Er ist sauer.
„Mir ist langweilig!“, quengelt er.
„Geh ein bisschen draußen spielen!“, schlägt Mama vor.
„Aber draußen ist schlechtes Wetter.“
„Es gibt kein schlechtes Wetter“, sagt Mama, die, wie Maximilian findet, heute wieder einmal besonders gemein ist. „Es gibt nur falsche Kleidung.“
„Im Regen zu stehen ist auch langweilig“, meckert Maximilian.
„Dann verabrede dich mit Jonathan.“
„Der ist heute nicht zu Hause.“
Hm. Mama, die am Computer sitzt und nicht auf Maximilian achtet, überlegt. „Bau doch den neuen Lego-Traktor!“, schlägt sie vor.
„Damit bin ich längst fertig! Ich habe dir den Traktor gezeigt und du hast „Ja! Ja!“ gesagt. Echt! Nie guckst du genau hin, wenn ich dir etwas zeige.“ Maximilian ist empört.
Mama seufzt und schaltet den Computer auf Standby. „Dann Continue reading »

Wenn die Blätter bunt sich färben

Wenn die Blätter bunt sich färben

Wenn die Blätter bunt sich färben,
kommt der Herbst, wie uns bekannt,
fröhlich an mit seinem Pinsel.
Bunt wird es bei uns im Land.

Wenn die Blätter bunt sich färben,
rauft der Herbst, wie uns bekannt,
wild mit seinen Windgesellen,
und es stürmt bei uns im Land.

Wenn die Blätter bunt sich färben,
ruft der Herbst, wie uns bekannt
den Tieren zu: “Passt nur gut auf!
Bald wird´s wieder kalt im Land.”

Wenn die Blätter bunt sich färben,
steht der Herbst, wie uns bekannt,
auch vor unsrer Tür und rät uns:
“Zieht euch warm an jetzt im Land!”

© Elke Bräunling


Der eingebildete Herbstwind und die Bäume

Irgendwie ist er ein bisschen der Boss im Herbst, der Herbstwind. Glaubt er zumindest

Fleißig war der Herbstwind in den ersten Herbstwochen gewesen. Er hatte sich auch große Mühe gegeben, denn er wollte seinen Job richtig machen. Und sorgfältig.
Ja, und sorgfältig hatte er jeden Baum und jeden Strauch umweht und dabei gut darauf geachtet, auch wirklich alle Baumfrüchte von ihren Zweigen zu schubsen. Auf den Boden fallen sollten sie und sich in die Erde eingraben. Wurzeln bilden sollten sie dort und zu neuen Bäumen heranwachsen.
“Ja ja”, sagte der Herbstwind, als er einen letzten Rundgang durch die Wälder machte. “Mein Job ist sehr wichtig. Ich, ich alleine bin für die jungen Bäume zuständig. Ha!'”
Er plusterte sich ein wenig auf und erzählte jedem, den er traf, voller Stolz, wie wichtig er mit seiner Arbeit für die Wälder und Parks und Gärten war.
“Eigentlich”, fügte er prahlerisch hinzu, “gäbe es ohne mich und meine Herbstarbeit keine Bäume mehr, keinen Wald und somit auch keine Früchte.”
“Angeber!”, heulten die Früchte, die ein bisschen traurig auf dem Boden lagen und sich nach ihrem glücklichen ‚Sommerleben’ sehnten.
“Lügner!”, protestierten die Bäume und Sträucher. „Ohne uns gäbe es die Früchte nicht jedes Jahr aufs Neue. Pah!“
“Aufschneider!” Die Sonne grinste. „Man kann ihn einfach nicht ernst nehmen, diesen verrückten Herbstwind!“
„Dummkopf!“, grollten die Wolken. Sie mochten den Herbstwind, der sie voller Übermut immer und immer wieder über den Himmel jagte, nicht leiden. „Du redest Unsinn. Ohne unseren Regen gäbe es keine Bäume, ach was, überhaupt keine Pflanzen und kein Leben gäbe es auf der Erde ohne uns. Die Sonne und wir, wir sind für die Pflanzen und Tiere zuständig. Hörst du, Wind? Und überhaupt …“
Die Wolken waren sehr erregt. Sie schimpften und schimpften, doch den Herbstwind ließ das Protestgeschrei ringsum kalt. Er schüttelte es mit ein paar Windbrisen von sich und lachte. Dann jagte er mit einer besonders schaurigen Böe noch einmal über die Baumwipfel, schüttelte erste Blätter von ihren Zweigen, winkte und rief:
“Ich muss weiter ziehen! Eure Baumkollegen in anderen Teilen des Landes warten schon voller Sehnsucht auf mich und meine Dienste. Aber ich komme wieder. Schließlich muss ich mich bald um die Blätter kümmern und die Bäume aufräumen. Bis ba-a-ald!“
Bis bald?
Die Blätter an den Bäumen seufzten, und sie fühlten sich auf einmal alt. Und alt sahen sie auch von Tag zu Tag nun mehr aus. Braun, runzelig, ausgedörrt … und fast freuten sie sich auf die Rückkehr des Windes. Es fiel ihnen nämlich schwer, sich noch lange an ihren Zweigen festzuhalten.

© Elke Bräunling


Hier, auf unserem kleinen Video, seht ihr viele Bäume im Jahreskreislauf von Frühling bis in den tiefen Winter – und Musik zum Träumen gibt es dazu auch.


Köstlichkeit aus dunkler Erde

Köstlichkeit aus dunkler Erde
Ein Kartoffelgedicht

Sie wächst nur in dunkler Erde
mit einer Schale schmutzig braun,
ist diese Frucht, die uns so kostbar,
im Innern lecker anzuschaun.

Sie ist bekannt uns als Kartoffel,
man sagt auch Erdapfel zu ihr,
denn wie die Äpfel auf den Bäumen
ist sie gesund für Mensch und Tier.

Wir haben sie oft auf dem Teller,
denn sie schmeckt wunderbar und fein.
Kaum einer mag sie mehr vermissen,
Drum muss in jedem Haus sie sein.

© Elke Bräunling

Geschichten, Gedichte, Lieder und kleine Rollenspiele zu Ernte und Erntedank findest du im Buch “ERNTEZAUBER”, erschienen in der Neubearbeitung des Buches “Hallo Opa! Erzählst du mir eine Geschichte vom Erntedank” neu im August 2014:


Taschenbuch:Erntezauber – Ernte und Erntedank: Geschichten und Lieder
Ebook:Erntezauber – Ernte und Erntedank: Geschichten, Gedichte, Spiele und Lieder

Information


Die Kartoffel und Kartoffelgeschichten

Wisst ihr über die Kartoffel und ihre Geschichte Bescheid

Könnt ihr euch vorstellen, dass es die Kartoffel erst seit dem Ende des 18. Jahrhunderts bei uns gibt? Eigentlich, könnte man meinen, dieses nahrhafte, vitaminreiche Gemüse hätte schon immer die Menschen gesund ernährt. Das haben sie auch, die Kartoffeln, aber nicht bei uns in Europa.
Zu allererst wurden Kartoffeln in Peru (Südamerika) angepflanzt, und als sie endlich nach Europa kamen, glaubten die Menschen, die Kartoffelpflanze sei eine Zierpflanze. Die leckeren Kartoffelknollen nämlich hatten sie damals noch nicht zum Essen entdeckt. Sie hatten nur an den kleinen grünen Früchten genascht, und die sind giftig. Klar, dass die Menschen dann keine Lust mehr auf Kartoffeln hatten. Erst mit der Zeit begriffen sie, dass der wahre Schatz der Kartoffel in der Erde lag. In den Knollen nämlich. Dennoch weigerten sich die Bauern lange, Kartoffeln anzupflanzen. Daher mussten die damaligen Könige ihnen den Anbau sogar befehlen. Besonders der preußische König Friedrich der Große hatte sich sehr darum gekümmert. In seinem Reich gab es sogar Strafen, wenn man die Kartoffel nicht anpflanzte. Der schlaue König hatte nämlich erkannt, dass Kartoffeln viel einfacher anzubauen sind als Getreide. Sie wachsen nämlich auch auf den kärgsten Böden und bringen eine gute Ernte ein. So hatten die Menschen auch in schlechten Getreidejahren und in Hungerzeiten immer etwas zu essen.
Die Damen der Gesellschaft übrigens liebten die kleinen, weißen, etwas unscheinbar wirkenden Kartoffelblüten sehr und sie schmückten ihr kunstvoll gestecktes Haar sowie den Ausschnitt ihrer Abendkleider mit … Kartoffelblüten.
Wie gut, dass König Friedrich und andere europäische Herrscher damals so streng waren, denn heute wissen wir, dass Kartoffeln auch viele wichtige Vitamine und Mineralien haben, ja, und dass man aus ihnen leckere Gerichte kochen kann – vor allem die Pommes Frites.

© Elke Bräunling

Auf dem Kartoffelfeld im Herbst bist du auch in diesen Geschichten:
Ein besonderer Schultag im Herbst
Herbsterntefest im Schulhof
Der kleine Bär und der Kartoffelzwerg
Aufbruch im Kartoffelfeld
Köstlichkeit in dunkler Erde – Ein Kartoffel- und Erntedankgedicht

Der kleine Bär und der Kartoffelzwerg

Auf dem Kartoffelfeld ist nach der Ernte ganz schön was los. Ganz schön ins Schwitzen kommt der kleine Bär

Als der kleine Bär für Mama Bär Pilze sammelte, hörte er am Waldrand lautes Klagen. Ein kahlköpfiger brauner Winzling mit einem Faltengesicht sauste aufgeregt über das abgeerntete Kartoffelfeld.
“Wer bist du?“, fragte er den Fremden.
“Sieht man doch“, quäkte der. „Der Kartoffelzwerg bin ich. Und Hilfe brauche ich. Man hat mir mein Kartoffelvolk gestohlen.“ Der Zwerg deutete auf den Pilzkorb. “Wirf diese Pilz-Dinger weg! Schnell! Du musst meine Leute retten.“
Der kleine Bär sah sich um. „Wen muss ich retten? Ich sehe niemanden.“
Der Zwerg stöhnte auf. “Die Continue reading »

Der Sonnenzauber in der Jackentasche

Nun fallen die Kastanien wieder von den Bäumen. Wusstest du schon, dass die letzte Kastanie, die du findest und einsteckst, – vielleicht – eine Zauberkastanie ist?

Heute war ein stürmischer Herbsttag. Überall tanzten Blätter durch die Luft und trudelten dann zu Boden. Hier und da fiel eine letzte Kastanie, Eichel oder Walnuss zu Boden.
“Meine Tante sagt, die letzten Kastanien, können zaubern”, sagte Anna. “Sie sammelt sie und steckt sie in ihre Jackentasche.”
“Zauber?“ Die Kinder konnten dies nicht glauben. “Das ist doch bloß eine von deinen komischen Ideen”, maulten sie.
“Nein. Ist es nicht.” Anna bückte sich nach einer Kastanie und steckte sie in ihre Tasche. “Das ist nun meine Zauberkastanie”, erklärte sie. “Die werde ich immer bei mir tragen.“
“Und das ist ein Zauber?”, fragte Florian.
Anna nickte. “Wenn du die Continue reading »

Wenn Sommer und Herbst miteinander streiten

Wer ist der Schönste? Das fragen sich Sommer und Herbst in diesen Tagen immer wieder aufs Neue. Und sie streiten ganz schön dabei.

Nichts als Ärger haben Sommer und Herbst Jahr für Jahr aufs Neue miteinander. Beide nämlich sind sehr eitel und beide wünschen sich endlich eine Antwort auf die wichtige Frage, wer der Schönere von ihnen sei. Deshalb nerven sie den berühmten Märchen-Spiegel jedes Jahr zur Spätsommer- und Frühherbstzeit mit der gleichen Frage:
“Spieglein, Spieglein, an der Wand, wer ist der Schönste hier im Land?”
Der berühmte und sehr kluge Märchenspiegel aber schweigt.
So auch wieder dieses Mal, und die beiden hochnäsigen Jahreszeiten beginnen wieder mit ihrem immer wiederkehrenden Streit:
“Ich bin der Schönste!”, prahlt der Continue reading »

Glück für den Kürbis

Glück für den Kürbis

Der Kürbis sprach: „Mir ist’s nicht schnuppe.
Ich habe keine Lust auf Suppe.
Ich möcht auch kein Gemüse sein
und auch kein Futter für das Schwein.”
Er lag am Markt auf einem Tisch
und grauste sich.

“Was grämst du dich?”, rief da die Rübe.
“Die Zukunft von uns, die ist trübe.
Man kocht uns und man isst uns auf.
So ist nun mal der Dinge Lauf.“
Der Menschen Hunger, der ist groß
und unser Los.”

Da kam ein Kind. Es sah die beiden
und sagte leis’: „Ihr sollt nicht leiden.
Ich schnitze aus euch ein Gesicht
und stell in euren Bauch ein Licht.
So leuchtet ihr in dunkler Nacht
und haltet Wacht.“

Es war, als spürte man sie beben.
„Du meinst, wir dürfen weiter leben?“
Die beiden Freunde riefen’s froh.
Für manche ist’s im Leben so,
dass man es trifft ein kleines Stück.
Man nennt es: Glück!

© Elke Bräunling

Der eitle Kürbis

Schönsein ist nicht immer von Vorteil. Das erkennt auch der eitle Kürbis.

Heute ist Erntetag. „Es ist höchste Zeit“, brummt ein besonders schöner Kürbis. „Hier langweilt man sich ja zu Tode.“
Die anderen, weniger prächtigen Kürbisse nicken: „Nun werden wir endlich etwas erleben!“
Da lacht der Superkürbis höhnisch auf. „Ihr Kleinköpfe werdet doch bloß zerschnipselt, gekocht und aufgegessen! Ich aber“, er streicht sich wohlgefällig über den Leib, „bin zu schön, um zerhackt zu werden. Aus mir wird etwas ganz Besonderes.“
Die Kürbisse staunen. Recht hat er, der schöne Kollege! Was kann aus ihnen denn schon werden?
Auch die Bauersleute wundern sich, als sie den ´Superkürbis´ entdecken.
„Ein Mordskerl“, sagen sie und Continue reading »

Kastaniengeschichten

Herbstzeit ist Kastanienzeit und Kastanien, die lieben alle kleinen und großen Kinder, oder?
Hier findest du Links zu Kastaniengeschichten, -gedichten und -rezepten.
Viel Spaß damit!
:)

Einen kleinen Sachtext über die Kastanie findest du hier: Stacheligel” Kastanie

Kastaniengedichte stehen hier: Das kleine grüne Stachelding
Der Kastanienbaum vor unserem Haus

Und hier findest du weitere Kastaniengeschichten:
Die Kastanien und der Herbstwind
Das kleine Kastanienwunder
Der Herbstwind und die Kastanienbäume am Marktplatz
Die trotzige Kastanie
Die Glückskastanie und das vergessliche Eichhörnchen
Die kleine Waldmaus und das Stacheltier

Rezept Kastanienpfannkuchen

“Stacheligel” Kastanie

“Stacheligel” Kastanie
Ein Sachtext über die Kastanien mit einem kleinen Rezept

Alle Kinder freuen sich, wenn im Herbst die Kastanien reif sind und die glänzenden braunen Kastanienkugeln aus der harten, grünen Stachelschale herausbrechen. Prima nämlich kann man mit Kastanien basteln. Das macht Spaß.

Aber Vorsicht: Zum Essen sind Rosskastanien nur für Rehe und Wildschweine ein Leckerbissen. Auch kranken Pferde hat man früher Kastanien ins Futter gemischt als Medizin gegen den gefährlichen Rosshusten. Für Menschen dagegen sind Rosskastanien giftig. Wer nur eine dieser rotbraunen Lackkugeln verspeist, bekommt bereits Durchfall und Übelkeit. Dennoch enthält die Rosskastanie wertvolle Stoffe für Medikamente gegen Rheuma und Gicht. Auch hilft sie bei Durchblutungsstörungen, und aus den Blüten lässt sich ein ausgezeichneter Hustentee zubereiten.

Es gibt aber auch Kastanien, die man essen kann, und ich sage euch, die schmecken lecker. Ihr kennt sie bestimmt von Rummelplätzen oder Weihnachtsmärkten, wo ihr sie beim Maronimann kaufen könnt. Es sind Esskastanien oder Maronen (so nennt man sie in der Schweiz und in Italien). Aus ihnen kann man tolle Gerichte, sogar Kuchen und Süßspeisen, zaubern. Esskastanien wachsen im südeuropäischen Wäldern. Aber auch bei uns findet ihr sie in den Wäldern warmer Gebiete, wo auch Weinbau betrieben wird. Großen Spaß macht es, hier im Herbst durch die Wälder zu streifen und im Herbstlaub nach Esskastanien zu suchen. Aber Vorsicht: Die Hüllen der Esskastanien sind mächtig stachelig. Wie kleine, runde, gelbgrüne Igel sehen sie aus mit kleinen, spitzen Stacheln.

Wie lecker geröstete Kastanien schmecken, könnt Ihr in der Herbstzeit selbst ausprobieren, zum Beispiel nach diesem Rezept:

Geröstete Kastanien oder Maronen
Du brauchst Esskastanien/Maronen, die Menge wählst du selbst.
Schneide die gewölbte Seite der Kastanienfrucht über Kreuz ein und lege sie auf ein Backblech.
 Heize den Ofen vor auf ca. 180-200 Grad (Umluft) und backe die Früchte gut 20 Minuten.
 Sie sind gar, wenn die Schalen an der Schnittstelle aufspringen.
Die Kastanien werden nun in ein feuchtes Tuch eingeschlagen, damit sie etwas abkühlen. Dann kannst du sie schälen und naschen.
Du kannst sie aber auch in einer Pfanne in etwas Butter anrösten und servieren.
 Wer es mag, gibt entweder etwas Rohrzucker oder Meersalz über die Früchte.
 Guten Appetit.
Abwandlung: Du kannst Kastanien auch auf Ofenplatten oder Kaminplatten rösten.

© Elke Bräunling

Die Kastanien und der Herbstwind

Wenn die erste Kastanie am Boden liegt, weiß jeder: Jetzt ist der Herbst da. Und dabei würden die Kastanienfrüchte noch so gerne so lange an ihren Plätzen in den Bäumen bleiben

“Ha! Ihr kriegt uns nicht!”
“Niemand kann uns vom Baum stehlen und aufessen.”
“In unserer Stachelhülle sind wir geschützt.”
“Das Leben ist schön und wir können es ohne Furcht genießen.”
“Uns droht keine Gefahr. Wir sind sicher. Hoho!”
Fröhlich und ein bisschen übermütig reckten die Kastanien ihre Stachelköpfe von der Baumkrone aus der Sonne entgegen. Es schien fast, als lachten sie die Vögel und die Eichhörnchen, die im Baum auf Futtersuche unterwegs waren, aus. Sie jubelten lange, doch die Waldbewohner interessierte das wenig. Schon gar nicht die Vögel, denn die machten sich nichts aus Kastanien. Nur das Eichhörnchen, das an seine fehlenden Wintervorräte dachte, schmunzelte.
“Man wird sehen”, murmelte es und wartete.
Doch da war ein anderer, der sich ein bisschen über diese vorlauten Kastanienfrüchte ärgerte. Es war der Herbstwind, der mit einer lauen Brise über die Bergkämme strich und den Späßen der vorwitzigen Früchten lauschte.
“Wartet, ihr Früchtchen”, sirrte er den Kastanien zu. “Da ist doch einer, den ihr fürchten solltet. Bald seid ihr reif!”
Er meinte Continue reading »

Kastanienpfannkuchen

“Achtung” Rezept! – Kastanienpfannkuchen

Neben der Rosskastanie, die für Rehe und Wildschweine ein Leckerbissen sind, gibt es auch Kastanien, die man essen kann. Die schmecken sehr lecker. Ihr kennt sie bestimmt von Rummelplätzen oder Weihnachtsmärkten, wo ihr sie beim Maronimann kaufen könnt. Es sind Esskastanien oder Maronen (so nennt man sie in der Schweiz und in Italien). Aus ihnen kann man tolle Gerichte, sogar Kuchen und Süßspeisen, zaubern. Esskastanien wachsen im südeuropäischen Waldgebieten. Aber auch bei uns findet ihr sie in den Wäldern warmer Gebiete, wo auch Weinbau betrieben wird. Großen Spaß macht es, hier im Herbst durch die Wälder zu streifen und im Herbstlaub nach Esskastanien zu suchen. Aber Vorsicht: Die Hüllen der Esskastanien sind mächtig stachelig. Wie kleine, runde, gelbgrüne Igel sehen sie aus mit kleinen, spitzen Stacheln.

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Esskastanien (Maronen) mit ihren Stachelhüllen

Hast Du Appetit auf Kastanien-Pfannkuchen, pardon, auf Keschte-Crepes?

Keschte-Crepes = Kastaniencrepes (oder Kastanienpfannkuchen)

Zutaten: 200 g Dinkelmehl, ca. 100 g Kastanien, ¼ l Wasser, eine Prise Meersalz, 5 Eier, 2 EL Olivenöl und Butter zum Backen

Zubereitung:
Du brauchst Kastanienmousse: Die gewölbte Seite der Kastanien schneidest du mit einem Messer kreuzweise ein, dann gibst du sie in einem Topf mit kaltem Wasser geben und kochst sie kurz auf. Nun musst du die Früchte noch heiß gründlich schälen. Danach werden die Kastanien nochmals aufgekocht so lange, bis sie weich sind. Dann kannst du sie durch ein Sieb passieren und das Mousse ist zubereitet.

Nun das Mehl mit dem Kastanienmousse und dem Wasser verrühren. Danach Salz zugeben, die Eier und das Olivenöl. Alles gut miteinander vermischen.
Den fertigen Teig lasse nun mindestens eine halbe Stunde ruhen!

Dann geht’s los:
Etwas Butter in der Pfanne erhitzen. Dann so viel Teig in die Pfanne geben, dass Boden dünn bedeckt ist, und von beiden Seiten ausbacken.
Und am besten schmeckt es, wenn man den Crepe gleich aus der Pfanne „nascht“ ;)

Du kannst nun aber auch einen Crepe-„Berg“ bauen: Du häufelst die fertigen Crepes zu einem „Berg“ an und bestreust ihn mit Puderzucker und ab damit zu Tisch, damit Ihr diesen „Berg“ noch warm genießen könnt.

© Elke Bräunling

Aufbruch im Kartoffelfeld

Morgen ist Kartoffelernte und heute, ja, heute geht es ganz schön bunt zu im Kartoffelfeld. Lausche mal!

“Ich befürchte, meine lieben Freunde, morgen ist es wieder so weit”, sagte der Kartoffelkönig eines Tages zu seinem Volk.
“So weit?”
“Wie weit?”
“Warum weit?”
“Was weit?”, fragten die jungen, kleinen Knollen neugierig, während ihre älteren Kollegen leidvoll stöhnten und klagten.
“Sehr weit. Erntezeit!”, erklärte eine besonders dicke Knolle.
“Leidenszeit”, ergänzte eine weitere.
“Abschiedszeit”, jammerte eine dritte.
Die Jungkartoffeln wunderten sich. Ernte? Leiden? Abschied? Sie konnten das nicht begreifen.
“Ist das eine Jammerzeit?”, fragten sie.
“Jaaa!”, heulten die Altkartoffeln auf, und die besonders dicke Knolle jammerte am lautesten:
“Mit ihren scharfen Erntemaschinen werden sie kommen, die Menschen, uns unsanft aus der Erde reißen und uns die Heimat nehmen. Huhuhuuuuuu.”
“Und dann werfen sie uns – knallpeng – auf einen Erntewagen, als ob wir Spielbälle seien”, ergänzte eine weitere Kartoffel. “Das tut so weh! Ojeoje!”
“Und dann?”, fragten die kleinen Jungkartoffeln neugierig, denn sie konnten sich darunter gar nichts vorstellen. “Vielleicht ist es auf so einem Erntewagen ja ganz lustig?”
“Und man kann den Himmel sehen.”
“Und die Sonne.”
“Licht und Sonne machen uns ungenießbar”, sagte der Kartoffelkönig.
“Ach, wenn dem doch nur so wäre und die Menschen uns tagelang in der Sonne liegen lassen würden!”, seufzte die dicke Knolle. “Aber nein. So schnell wie möglich fahren sie uns zum Bauernhof, und dort werden wir aussortiert, gemein voneinander getrennt und in Säcke verpackt. Und dann geht´s – huhuuu – zum Großmarkt.”
“Oder zum Supermarkt”, rief ihre Nachbarin. “Das hat mir eine Kollegin erklärt.”
“Oder gleich in die Küche des Bauern”, sagte eine längliche Kartoffel betrübt, und vor Gram runzelte sie ihre Haut.
“Und dann?”, rief eine vorwitzige Jungkartoffel wieder. “Das ist doch interessanter, als immer im dunklen Boden zu hocken, oder?”
“Genau!”, riefen die anderen Jungkartoffeln, die noch sehr neugierig auf das Leben draußen waren. “Hier ist es doch langweilig. Wir wollen etwas erleben. Warum also heult ihr alle?”
“Ihr vorwitzigen Grünschnäbel”, lachte der Kartoffelkönig, während ringsum ein Wehklagen und Heulen erschallte. “Neugierde ist zwar eine schöne Sache, doch nicht immer von Vorteil. Ihr habt es für dieses Jahr gut getroffen, denn ihr werdet aussortiert und im nächsten Frühjahr wieder frisch in die Erde gesteckt.”
Hm! Na ja, so verlockend fanden die Jungkartoffeln diese Aussicht nicht.
“Und ihr?”, murrten sie.
“Ich werde mich noch heute Nacht tief in die Erde zum Winterschlaf zurückziehen”, erklärte der Kartoffelkönig. “Und eure armen Kollegen…”
Wieder fingen alle Kartoffeln zu weinen an.
“Ja”, schluchzte eine. “Sprich es ruhig aus!”
“Wir”, kreischte eine andere. “Wir werden aufgefressen. So einfach ist das. Huch. Und so gemein!”
“Aufgefressen? Was ist das?”, fragten die Jungkartoffeln erstaunt, denn darunter konnten sie sich gar nichts vorstellen.
Eine Antwort darauf erhielten sie aber nicht. Sie ging in dem lauten Geschluchze und Geweine irgendwie unter. Das war auch gut so. Manchmal ist es besser, wenn man nicht alles weiß, oder?

© Elke Bräunling

Auf dem Kartoffelfeld im Herbst bist du auch in diesen Geschichten:
Der kleine Bär und der Kartoffelzwerg
Ein besonderer Schultag im Herbst – Die Kartoffelernte
Köstlichkeit in dunkler Erde – Ein Kartoffel- und Erntedankgedicht



Geschichten, Gedichte, Lieder und kleine Rollenspiele zu Ernte und Erntedank findest du im Buch “ERNTEZAUBER”, erschienen in der Neubearbeitung des Buches “Hallo Opa! Erzählst du mir eine Geschichte vom Erntedank” neu im August 2014:


Taschenbuch:Erntezauber – Ernte und Erntedank: Geschichten und Lieder
Ebook:Erntezauber – Ernte und Erntedank: Geschichten, Gedichte, Spiele und Lieder

Information


Der kleine Bär und die Silberfäden im Herbst

Der Herbst beginnt spannend – und auch etwas verwirrend – für den kleinen Bären. Was, überlegt er sich, sind das für silbern glitzernde Fäden überall im Wald und auf der Wiese?

“Nanu?” Verwundert stand der kleine Baer an einem Herbstmorgen am Rande der Waldwiese. Die glitzerte und glänzte hell im Licht der ersten Sonnenstrahlen. Viele Silberfäden, tausend und noch mehr, hatten sich über Gräser und zwischen die Wiesenkräuter und -blüten gelegt. Es war, als verzierten sie die Wiese mit Schmuckbändern und Perlenketten. Schön sah das aus.
Der kleine Baer staunte. Er zögerte. Dann betrat er vorsichtig die Waldwiese, die sich in eine Zauberwiese verwandelt hatte, und griff nach diesen fremdartigen Fäden.
Aber was war das? Die seltsamen Fäden blieben in seinem Fell hängen. Sie klebten richtig. Erschrocken pulte der kleine Bär sie aus seinem Bauch und aus Armen und Beinen. Sie glänzten jetzt gar nicht mehr schön.
“Hey, geht weg!”, rief der kleine Bär.
Doch nichts geschah. Nur die Sonne Continue reading »

Das Eichhörnchen und die kostbare Zeit

Überall trifft das Eichhörnchen heute Tiere und Pflanzen, die traurig sind über das Ende des Sommers? Aber ist Herbst nicht auch schön?

“Hoffentlich treffe ich heute nicht wieder einen weinenden Apfel”, murmelte das Eichhörnchen, als es sich an diesem frühen Herbsttag auf seine tägliche Waldrunde begab.
Leise schlich es an den Apfelbäumen vorbei. Vor lauter Schleichen vergaß es, vorsichtig zu sein und stieß gegen die großen, hohen Blumen, deren Köpfe kleinen Sonnen glichen. Es hatte diese sonnigen Blumen schon oft gesehen, aber warum ließen sie heute die Köpfe hängen? Der Tag war doch so sonnig und warm und schön!
Das Eichhörnchen wunderte sich.
“Wenn ich es nicht besser wüsste”, murmelte es, “würde ich sagen, sie trauern. Aber warum nur?”
Traurige Sonnen? Hm!
Das Eichhörnchen machte, dass es weiter kam. Mit Traurigkeit hatte es heute nichts am Hut!
Unterwegs traf es Continue reading »

Das Eichhörnchen und der traurige Apfel

Vom Regen und von Regentränen. Können auch Äpfel weinen?

“Warum weinst du, Apfel?”, fragt das Eichhörnchen, das in den Bäumen der Streuobstwiese im kleinen Waldtälchen auf Nahrungssuche unterwegs war.
“Phschhhhhh!” Der Apfel schluchzte. “Wei-hei-einen? Wa-a-as ist das?”
“Weinen?” Das Eichhörnchen überlegte. In den Menschengärten hatte es das Weinen kennen gelernt und – irgendwie – rasch wieder vergessen. Hier im Wald weinte nämlich keiner. Naja, fast keiner.
Der Apfel schluchzte wieder, lauter nun.
“Weinen, das ist, wenn Wasserperlchen über deine Wangen tropfen und deine Apfelhaut nass machen”, sagte das Eichhörnchen schnell. Es war nun etwas verlegen. Eigentlich hatte es geplant, ein wenig von dem köstlichen Fruchtfleisch des Apfels zu naschen. Aber wer brachte es übers Herz, in schluchzende Apfelbäckchen zu beißen?
“Re-e-egen ma-hc-chat meine Apfelbacken auch nass”, klagte der Apfel. “Aber er ma-hc-chat mich ni-hi-hicht so-ho traurig.”
Ein Zittern durchlief den Apfelkörper und viele Continue reading »

Der Apfeltraum im Apfelbaum

Der Apfeltraum im Apfelbaum

Hoch in einem Apfelbaum
träumt’ ein Apfel einen Traum.
“Ha! Der Schönste bin ich. Seht,
wie gut mir dieses Schönsein steht!
Rot die Backen, prall und rund,
zudem bin ich kerngesund.
Jeder, der mich sieht, ruft: ‘Oh!
diesen Apfel mag ich so!
Lieber Apfel, komm zu mir!
Mir gelüstet sehr nach dir.’
Nicht mit mir. Ich rufe: ‘Pah!
Ich bin nicht für jeden da!'”
Sprach’s und streckte sein Gesicht
zu der Sonne hellem Licht.
Längst war’n alle Äpfel fort,
nur der Apfel hing noch dort
oben hoch in seinem Baum.
Wahr geworden war sein Traum.
Als der Winter zog ins Land,
man ihn dort noch immer fand.
Er hängt jetzt noch, welk, verfroren,
seine Schönheit ist verloren.

© Elke Bräunling

Mia und der kleine Ärger

Es lohnt nicht, sich über andere zu ärgern, auch nicht in der Schule

Mia ist sauer. “Herr, lass Hirn regnen!”, hat Alex beim Fußballspielen zu ihr gesagt. Weil sie zwei Mal wegen diesem doofen Abseits den Ball an die Gegnermannschaft abgeben musste. Das ist bloß passiert, weil Mia zu schnell gelaufen ist und weil sie unbedingt auch ein Tor schießen wollte.
“Das mit dem Abseits begreift ihr Weiber nie!”, hat Alex laut gerufen und blöde dabei gelacht.
Klar, dann haben alle gelacht.
“Ich bin doch nicht doof!”, hat Mia zurückgerufen. “Nur ein bisschen schneller bin ich. Pah!”
Da haben alle noch mehr gelacht und Alex hat, ebenso laut wie vorher, gegrölt: “Die Rechenarbeit vorgestern hast du auch verhauen. Fußball und Rechnen, ha, das kapieren Mädchen nie!”
Wie gemein. Vorgestern hatte Continue reading »

Die Sonne und das Blatt

Warum das Blatt mit der Sonne in diesem späten Sommer so gar nicht mehr einverstanden ist

“Hallo Sonne!”, sagte das Blatt. “Ich freue mich, dass du mich jeden Tag für ein Weilchen besuchst. Aber du tust mir nicht gut. Deine Strahlen verbrennen meine Haut. Sie machen sie trocken, braun und dünn.”
“Es ist später Sommer”, erwiderte die Sonne mit einem Schmunzeln. “Es ist meine beste Zeit.”
“Meine auch!”, rief das Blatt. Nein, es schrie es fast. “Es ist auch meine beste Zeit. Meine letzte Lebenszeit. Und die möchte ich genießen, möchte sie leben. Frei und ohne Verletzungen. Also bitte, zieh weiter, Sonne! Lass ab von mir. Du tust mir weh.”
“Eigentlich bin ich es gewohnt, dass man mich liebevoll Willkommen heißt und meine Strahlenkinder freudig aufnimmt.”
In der Stimme der Sonne lag so etwas wie erschrockene Verwunderung. “Meinst du nicht, auch wir könnten uns arrangieren und Freunde sein?”
Besänftigend legte sie ihre Sonnenarme auf das Blatt. Es war, als wolle sie Continue reading »

Eine seltsame Begegnung am Waldrand

Beim Schuleschwänzen erlebt Max am Waldrand eine ganz eigenartiges Abenteuer. Oder ist er auf einmal in einer falschen Zeit gelandet?

Auf dem Schulweg bog Max an einer Wegkreuzung ohne weiter nachzudenken ab und trottete langsam aus dem Städtchen hinaus zum nahen Wald.
„Eine gute Idee“, murmelte er, als er sich wenig später am Waldrand ins Gras setzte. „Während sie in der Schule das blöde Diktat schreiben, habe ich einen tollen Sonnentag.“
Er beobachtete den Bussard am Himmel, lauschte dem Vogelgezwitscher, beobachtete eine Ameisenstraße und seufzte zufrieden. „Hier bleibe ich bis Schulschluss. Es gibt so viel zu sehen, dass mir nicht langweilig wird. Verhungern muss ich auch nicht. Bestimmt finde ich Himbeeren und Walderdbeeren.“
Das schlechte Gewissen meldete sich. „Ich könnte für Mama Beeren pflücken. Dann ist sie nicht ganz so sauer, wenn sie erfährt, dass ich Schule schwänze.“
Max griff nach der Dose mit den längst aufgegessenen Pausenbroten und trottete zu den Himbeerbüschen hinüber. Er hatte Glück. Schon viele Beeren waren reif und an der Böschung lachten ihm rote Walderdbeeren entgegen.
„Ganz schön viel Arbeit“, murmelte Max. Er überlegte und …
Da. Es raschelte im Unterholz, ein Ast knackte und Continue reading »

Jules Schmetterlingstraum

Wie kann man zarte bunte Schmetterlinge in die Gärten locken? Jule hat da eine ganz besondere Idee

Aus dicken, hässlichen Raupen schlüpfen zarte, bunte Schmetterlinge, hat Jule gehört. Das kann Jule erst nicht glauben, doch weil sie Schmetterlinge über alles leiden mag, träumt sie von einem fröhlich kunterbunten Schmetterlingsgarten.
Schmetterlinge aber sieht Jule im Garten nur wenige. Weil die nämlich ihre Eier, aus denen die Raupen schlüpfen, lieber auf Brennnesseln, Wildkräutern und -büschen ablegen, und die gibt es in den gepflegten Gärten der Siedlung nicht.
Schade, findet Jule, und denkt an ihren Schmetterlingstraum. Dann hat sie eine Idee. Sie nimmt ein Einmachglas und geht zum Wäldchen hinter dem Spielplatz. Dort wachsen Brennnesseln, Wildkräuter, Büsche und Birken, und von denen sammelt Jule alle Raupen, die sie finden kann, in ihr Glas. Vorsichtig trägt sie ihre Beute heim in den Garten und setzt die Raupen auf die Blätter der Bäume, Büsche, Rosen, Stauden und Salatköpfe. Mehrere Tage lang macht sie das, und es ist keine einfache Sache.
Am Anfang Continue reading »

Die Wolkenträne

Regentropfen, sind sie Wolkentränen?

Lange bevor der große Regen angekündigt war, stahl sich ein Regentropfen aus der Wolke und sprang mit einem Hüpfer vom Himmel.
“Ich bin frei”, rief er und schlug übermütig ein paar Purzelbäume. “Frei-ei-ei…!”
Platsch! Schon landete er auf der Nase eines kleinen Mädchens.
“Oh!”, rief das Mädchen. “Eine Wolkenträne. Ich hab doch immer gewusst, dass Wolken weinen können.” Es sprang auf, um die Wolkenträne seinen Freunden zu zeigen.
Die aber lachten nur.
“Heute ist doch kein Regentag!”, riefen sie und grinsten. “Diesen Tropfen hat bestimmt ein Vogel … verloren! Hahaha!”
Ein Vogel?
Das Mädchen schüttelte sich voller Ekel, rannte zum nahen Bach und wusch sich schnell das Gesicht.
So landete der Regentropfen bei seinen Kollegen im Bach und war wie in der Wolke wieder nur einer von vielen.
Ich bin vielleicht eine dusselige Träne!, dachte er noch, doch da verschlang ihn schon eine Welle und trug ihn mit all den anderen Wassertropfen dem Fluss entgegen.
© Elke Bräunling

Die Rose weint ...
© Elke Bräunling, Viele Wolkentränen treffen sich auf der Rosenblüte

Im roten Klatschmohnmeer

Wenn ein Feld oder eine Wiese zum Meer werden, dann, ja, dann bist du gerade unterwegs auf einer Traumreise/Fantasiereise

Auf einem Ausflug oder auf einem Bild hast du ein Feld oder eine Wiese gesehen mit vielen Klatschmohnblumen. Es sind 1000 und mehr und sie schmücken das Land mit vielen klatschmohnroten Punkten. Schön sieht das aus! Am liebsten würdest du gleich einen großen Strauß Mohnblüten pflücken. Vielleicht möchtest du aber auch eine kleine Traumreise machen? Hast du Lust auf eine Reise ins rote Klatschmohnmeer? Continue reading »

Die Stadt im Watt

Eine versunkene Stadt gibt es im Watt und manchmal soll man sie noch … nein, lest selbst!

Im Urlaub auf der Nordseeinsel Nordstrand hatten Pia und Pit mit ihren Eltern Unterkunft in einem alten Fischerhaus hinterm Deich gefunden. Gleich am ersten Abend hatte der alte Fischer den Kindern versprochen, ihnen das Watt mit all seinen Wundern und Geheimnissen zu zeigen.
Mächtig gespannt waren Pia und Pit, als sie am Morgen zum Deich liefen und aufs Meer spähten. Das Watt lag unter dem Wasser verborgen, doch wenn man genau hinschaute, sah man, wie sich das Meer langsam zurückzog.
„Dort!“, sagte Pit und deutete nach Westen aufs Meer. „Irgendwo dort hinten liegt sie, die versunkene Stadt.“
Pia nickte und dachte an die Geschichten, die ihnen der alte Fischer erzählt hatte.
Früher nämlich hatte Continue reading »

Pia und Pit suchen das Meer

An ihrem ersten Urlaubstag an der Nordsee suchen Pia und Pit erst einmal das Meer

Endlich waren die Ferien da und Pia und Pit fuhren mit ihren Eltern zum Urlaub an die Nordsee. Auf die Halbinsel Nordstrand wohnten sie gleich hinter dem Deich in einem Fischerhaus und das war, fanden Pia und Pit, toll. Man musste nur auf den Deich laufen, und schon sah man das Meer. Oder auch nicht. Zweimal am Tag nämlich zog sich das Wasser zurück und machte einer Landschaft Platz, die wie eine Matschwüste aussah.
Das ist das Watt, lernten Pia und Pit. Man sieht es bei Ebbe. Kommt das Wasser, so nennt man es „Flut“. Ebbe und Flut! So teilt man die Zeiten am Meer ein. Man nennt es „Gezeiten.“
Das war alles neu für die beiden Landratten. Sie hatten zwar davon gehört, aber so richtig hatten sie sich das mit den Gezeiten nicht vorstellen können. Und deshalb begann der Urlaubstag mit einer Enttäuschung.
Während ihre Eltern noch Koffer auspackten, rannten Pia und Pit Continue reading »

Davids Schneckenzoo

Ein lauter Schreckensschrei aus dem Nachbargarten riss alle Bewohner des Wohnviertels aus der Mittagsruhe. Nachbar L. stapfte wütend und schimpfend durch seine Gemüsebeete und sein kleiner Sohn stand dabei, grinsend. Was war passiert?
So etwas Ähnliches vielleicht wie Davids Vater in der folgenden Geschichte?

Davids Schneckenzoo

Eine tolle Idee hat David heute. Er baut im Garten aus großen Steinen ein viereckiges Gehege und legt Steine, Salatblätter, Äste, Strohhalme, eine Hütte aus Bausteinen und eine Wasserschale hinein.
„Was baust du da?“, fragt Papa neugierig.
„Einen Schneckenzoo“, sagt David und deutet auf das Glas voller Schnecken, das im Schatten der Hecke steht. „Die hab ich auf den Feldern gesammelt. Sie kommen in meinen Schneckenzoo, und ich werde gut auf sie aufpassen.“
Papa klopft David anerkennend auf die Schulter. „Ich mag es, wenn Kinder gute Ideen haben“, sagt er stolz. „Aus Naturbeobachtungen kann man mächtig viel lernen.“
Papa findet alles gut, was sich zum Lernen eignet, und David freut sich, wenn Papa ihn lobt. Den ganzen Tag kümmert er sich um seinen Zoo, und Papa guckt immer mal bei ihm vorbei und blickt sehr stolz und glücklich drein.
Am nächsten Tag aber ist Papas Blick überhaupt und gar nicht mehr stolz und glücklich. Davids Schnecken haben nämlich während der Nacht mit großem Appetit eine kleine Klettertour über die ´Zoo´-Mauern hinüber zu Papas jungem Salatbeet gemacht. Dort ruhen sie sich nun unter Erdkrumen und Steinen versteckt von der üppigen Salat-Mahlzeit aus.
„Sauerei“, schimpft Papa los und blickt auf die zerfressenen Salatreste. „Da haben wir den Salat! Du mit deinen blödsinnigen Ideen!“
„Was für Ideen?“, fragt David. „Und was für einen Salat?“ Lachend deutet er auf das kahl gefressene Beet. „Weißt du“, sagt er kichernd zu Papa, „aus Naturbeobachtungen kann man wirklich viel lernen.“
Was bleibt Papa da noch übrig als mitzulachen?

© Elke Bräunling

Schnecke unterwegs
© Elke Bräunling, Weinbergschnecke auf der Suche nach Salatblättern


Ein farbenfroher Regenwettermorgen

Regentage müssen nicht langweilig sein. Auch nicht in den Ferien

Immer wieder regnet es in diesem Sommer. Stundenlang oft. Auch jetzt.
“Ich sehe schwarz”, sagt Papa. “Unser Ausflug zum Kletterpark wird wohl ins Wasser fallen.”
Papas Miene ist düster und griesgrämig, so als wäre die Welt um ihn herum wirklich rabenschwarz.
“Och!”, sagt Florian traurig. Er deutet aus dem Fenster und entdeckt eine Lücke im Wolkendunkel. Eine himmelblaue Lücke. Gleich fühlt er sich nicht mehr traurig.
“Und ich sehe blau”, ruft er und ist zufrieden. Wer nämlich ‘blau’ sieht, hat er in der Schule gelernt, fühlt sich entspannt und zufrieden. Er zwinkert Mama zu.
Mama lächelt. “Stimmt”, sagt sie. “Und in deinem Blau sehe ich nun noch ein kleines, fröhliches Sonnengelb. Es drängelt sich immer mehr durch die Wolken und Continue reading »

Der Garten der 2b

Ein eigener Schulgarten ist eine feine Sache. Und eigenes Gemüse, Obst und Salate schmecken prima

Hinter der Schule liegt eine große Wiese, und daneben ein verwildertes Ackergrundstück. Dort haben die Kinder immer besonders gerne gespielt, doch als sie eines Tages in die Schule kommen, gibt es ihren Lieblingsspielplatz mit den verwilderten Hecken nicht mehr. Schade. Hier hat man immer so schön Ball und Verstecken spielen und Hütten bauen können. Frisch gepflügt und langweilig leer liegt das Land nun in Rechtecke unterteilt neben der Wiese. Die Kinder sind enttäuscht. Gerade heute ist so ein schöner Sonnentag zum Spielen. Muffig sitzen sie auf der Wiese und ärgern sich.
”Ich habe eine Überraschung für euch”, sagt Frau Schäfer, die plötzlich mit einem Korb und Gartengeräten bepackt vor ihnen steht. ”Kommt mit!”
Die Kinder haben gar keine Zeit zum Murren, so schnell läuft Frau Schäfer über die Wiese und macht vor dem ehemaligen Ackerstück Halt. Sie deutet auf die sauber geharkte Erde und sagt:
”Das ist unser Schulgarten, und dieses Rechteck gehört uns, der Klasse 2b. Jede Klasse erhält ein Gartenstück, und dort können wir anpflanzen, was wir uns wünschen.”
“Wäg!” Der dicke Robin heult auf. “Gartenarbeit ist doof.”
“Warte es ab!” Frau Schäfer lächelt. Sie Continue reading »

SOEBEN ERSCHIENEN
Elkes Minutengeschichten – Sommer: 40 kurze Sommergeschichten für Kinder


Taschenbuch:Elkes Minutengeschichten – SOMMER: 40 Geschichten zur Sommerzeit
Ebook:Elkes Minutengeschichten – SOMMER: Sommergeschichten für Kinder

Information

Vierzig Sommergeschichten für Kinder. Geschichten und Märchen von Festen im Sommer, von Abenteuern, Träumen, Spiel und Spaß, von Natur und Wetter, Tieren, Blumen und Bäumen, von Urlaubsreisen und Ferienzeit, von guten und schlechten Launen und von den Menschen mit ihren Gedanken, Gefühlen und Erlebnissen in dieser bunten Jahreszeit.

Minutengeschichten sind Geschichten und Märchen, die mit einer Vorlesedauer von 1-3 Minuten als kleiner Morgengruß oder als Betthupferl, als kleine Überraschung oder in einer kurzen Pause am Tag erzählt oder vorgelesen werden können.
Die Texte sind so konzipiert, dass sie das Display eines Smartphones ausfüllen. Ohne Scrollen kann man aus der Ferne dem Kind oder Enkelkind am Telefon/Handy mit einer Geschichte eine kleine Freude bereiten. So kann Papa oder Mama beispielsweise die Tradition der Gutenachtgeschichte auch von unterwegs oder von der Arbeit aufrechterhalten.

Die Bitte „Papa/Mama/Oma/Opa, erzählst du mir noch schnell eine Geschichte?“, lässt sich mit dieser Sammlung so zu aller Zufriedenheit und ohne viel Aufhebens erfüllen. Es „kostet“ eine oder zwei Minuten Zeit „nur“ …

Ebooks lese ich übrigens am liebsten mit diesem Ebookreader, dem Kindle Paperwhite, 15 cm (6 Zoll) hochauflösendes Display (212 ppi) mit integrierter Beleuchtung, WLANInformation

Der kleine Bär und der Blumenstrauß

Einmal hatte der kleine Bär ein eigenartiges Erlebnis im Wald. Als er Blumen pflückte

Einmal wollte der kleine Bär einen großen bunten Blumenstrauß für Mama Bär pflücken.
Überall blühte es kunterbunt in den prächtigsten Farben: rot, gelb, weiß, blau, lila, rosa, pink, orange, gräsergrün und bunt, bunt, bunt. Eine Blume schöner als die andere. Und wie süß es duftete! Der kleine Bär konnte sich nur schwer entscheiden, welche er wählen sollte. Die Margeriten und Glockenblumen oder der wilde Flieder? Die ersten Rosen oder die Holunderblüten? Oder … ?
„Nehme ich von jeder Blüte eine“, beschloss er.
Er beugte sich über einen blauen Wiesensalbei. Da glaubte er eine Stimme zu hören. „Lass mich Continue reading »

Ein Glückskäfer-Glück für Jule

Wie ein Marienkäfer der grübelnden Jule doch ein bisschen Glück brachte … und vielleicht sogar den Eintritt ins Zirkuszelt?

Traurig sitzt Jule am Rande des Festplatzes und blickt auf das bunte Zirkuszelt. Zu gerne hätte sie sich die Nachmittagsvorstellung mit den beiden Clowns, die am Eingang fröhlich ihre Späßchen machen und die Leute ins Zelt einladen, angesehen. Ihre Freunde sind schon im Zelt. Nur sie hat kein Geld für die Eintrittskarte. Nie hat Jule Geld, seit ihre Eltern arbeitslos sind. Immer muss sie sich all die Dinge, die ihre Freunde erleben, von draußen ansehen. Jule schüttelt den Kopf. Sie mag nicht weiter grübeln. „Grübeln”, sagt Papa immer, „macht nur ein Griesgramgesicht. Aber helfen, nein, das tut es nicht.”
Jule will kein Griesgramgesicht haben. Sie zwingt sich zu einem kleinen Lächeln, und weil niemand zum Anlächeln da ist, schenkt sie ihr Lächeln der Margerite, die neben ihr am Wegrand wächst. Ja, und ihr ist, als lächelte die Blume zurück. Oder hat sie das geträumt? Nachdenklich Continue reading »

Das Beerenfest im Wald

In diesen Sommertagen wird überall gefeiert. Auch im Wald.

“Die Waldbeeren blühn, die Waldbeeren blühn, habt ihr sie schon gesehen?”
Laut hallen die Rufe durch den Wald.
“Die Waldbeeren blühn. Hurra! Hurra! Und bald feiern wir ein Fest. Ein Beerenfest. Hurra!”
Fröhlich tanzen die Waldbewohner, die Tiere, Elfen, Wichtel, Zwerge und Feen um die blühenden Brombeersträucher. Feste nämlich feiern sie für ihr Leben gern. Und süße Beeren essen sie auch für ihr Leben gern. Ja, das Waldleben ist schön, so schön! Und sie jubeln und lachen und freuen sich über jede Blüte, die sich aus den Knospen schält.
“Die Waldbeeren blühn. Hurra! Hurra!”
“Pah!”, dröhnt da plötzlich eine Stimme von der alten knorrigen Baumwurzel her. “Was bringen sie euch jetzt ein, die Blüten der Waldbeeren? Noch eins, zwei, drei oder vier Wochen müsst ihr warten, bis ihr Beeren ernten und ein Beerenfest feiern könnt. Ihr müsst nicht einiger Blüten wegen so einen Lärm machen. Davon werdet ihr nicht satt. Also schweigt still und stört die Waldruhe nicht weiter!”
Die Waldbewohner halten inne. Eins, zwei, drei oder vier Wochen warten? Das ist eine lange Zeit. Jetzt aber Continue reading »

Die Elfe und der Wichtel mit den roten Backen

Der kleine Erdbeerwichtel ist ein scheuer Wichtel. Er mag nämlich nicht gerne ausgelacht werden. Es macht ihm Angst.

Als die kleine Wiesenelfe die Waldbewohner zum Tanzfest auf der Hollerwaldwiese einlud, hätte sie beinahe den scheuen Erdbeerwichtel vergessen. Ihn hatte sie heute noch nicht getroffen. Eigentlich hatte sie ihn in diesem Frühling und Frühsommer nicht gesehen.
“Es wird ihm doch nichts passiert sein?”
Eilig sauste die Elfe zur Waldlichtung, wo er seine Höhle hatte und rief:
“Hallo, Erdbeerwichtel! Wo steckst du?”
Niemand antwortete. Nur im Waldbeerenhang oben links raschelte es für einen Moment.
“Erdbeerwichtel! Bist du da?” Schnell flog die Elfe zum Hang hinauf. Dort schaute sie unter jedes Blatt. Dann sah sie ihn, den scheuen Wichtel. Unter zwei Blättern verborgen lag er und hielt sich die Augen zu.
“Huhu!”, kicherte die Elfe. “Da bist du? Warum antwortest du nicht?”
“W-w-weil i-i-ich gar nicht da bin”, stammelte der Wichtel und seine Backen färbten sich erdbeerrot.
“Wer nicht da ist, kann auch nicht gesehen werden.” Die Elfe kicherte noch immer. “Und wer nicht gesehen werden kann, liegt nicht mit erdbeerroten Backen unter zwei Blättern.”
Der Wichtel schwieg. Seine Continue reading »

Die Sonne und der Mond

Gestern war Vollmond. Vollmond ist für viele Menschen besonders magisch und spannend und aufregend. Ja, und manchem Kind schenkt er in diesen Tagen ganz besonders fantasievolle Träume

Seit es die Welt gibt, gibt es zwei, die sich gar nicht ausstehen können. Es sind die Sonne und der Mond.
„Mich mögen die Menschen, Tiere und Pflanzen lieber”, sagt die Sonne jeden Tag aufs Neue zufrieden. „Ich schenke ihnen Licht und Wärme, und damit mache ich die Menschen fröhlich, die Tiere sind zufrieden und die Pflanzen saugen mein Licht auf, um wachsen zu können.”
„Nicht alle Tiere mögen dein Sonnenlicht leiden”, erwidert der Mond. „Ich kenne viele, die erst in der Nacht aufwachen und auf Nahrungssuche gehen.”
„Wie viele?”, fragt die Sonne und lacht.
„Nun”, sagt der Mond, „da sind die Eulen, die Nachtfalter, Schnecken, Wildschweine, Füchse und viele andere Waldtiere, ja, und auch die Katzen mögen das Nachtlicht lieber leiden als deine brennend heißen Sonnenstrahlen.”
„Ist das alles?”, fragt die Sonne gönnerhaft. „Mehr hast du nicht zu bieten?”
Der Mond überlegt. „Ich Continue reading »

Glühwürmchennächte

Glühwürmchennächte
Ein Gedicht zum Juni, dem “Glühwürmchenmonat” – Rätselgedicht

Siehst du das Glimmern
im Dunkeln hier schimmern?
Zahllose Pünktchen
als leuchtende Fünkchen
schweben und tanzen ganz sacht
wie Geisterchen hell durch die Nacht.
Sind´s Sternentränen, die hier im Dunkeln
in Sommernächten tanzen und funkeln?
Sind´s Sonnenkinder, die im Nachtdunkel blühn
und nach einem sonnigen Tage noch glühn?
Ist´s ein Zauber, ein Traum oder was könnt es sein?
Denk an Sommer und Nächte! Bestimmt fällt´s dir ein …
(= Glühwürmchen)

© Elke Bräunling

Glühwürmchen, auch Johanniskäfer genannt, sind DIE Sommerkäfer überhaupt. Jetzt, in den warmen Juninächten, besonders um St. Johannis, sehen wir sie wieder, die charmanten Funkelpünktchen, die durchs Dunkel schweben und tanzen und die die Nacht gleich viel romantischer und auch ein bisschen magisch erscheinen lassen. Sie sind so etwas wie Symbolkäfer der Johannisnacht.

1junifee

Die Kirschfee und ihre Bäume

Eigentlich will die Kirschfee ihre Kinder, die Kirschen, alle für sich behalten. Sie sollen auf den Bäumen bleiben. Was aber sagen die Bäume dazu?

Fast bogen sich in diesem Jahr die Zweige an den Kirschbäumen bis zum Boden, so voller Früchte waren sie. Die Frühlingssonne hatte den Bäumen in den ersten Aprilwochen viele Bienen geschickt. Die hatten auf der Suche nach Nektar jede einzelne Kirschblüte wieder und wieder besucht, so dass nun fast aus jeder Blüte eine Kirsche reifte.
Die Bewohner des kleinen Tales waren sehr zufrieden mit ihren Kirschbäumen.
“Das wird ein feines Kirschenjahr! Wie wundervoll!”, sagten sie und freuten sich. Sie dachten an leckere Kirschtorten, Kirschmarmelade, Kirschkompott, Kirschpudding, an Kirschsaft, Kirschwein und klaren Kirschschnaps. Hmmm …
Jeden Abend besuchten sie ihre Kirschbäume nun und warteten voller Ungeduld darauf, dass sich die Bäckchen der Kirschen rot färbten.
“Die tiefroten Kirschen schmecken am besten. Saftig sind sie und zuckersüß”, sagte ein Vater zu seinen Kindern. “Deshalb sollten wir mit der Ernte warten.”
Und weil alle im Dorf so dachten, warteten auch alle mit dem Ernten.
“Wie schön!”, freute sich die Kirschfee und ihre Wangen Continue reading »

Als die Junifee die Nächte heller machte

Juni ist der Monat des Lichts und der Glühwürmchen und die Junifee hat viel zu tun in ihrem Monat, wenn sie ihre Lichtpünktchen verteilt

Singend tanzte die Junifee ins Land herein. Sie war bester Laune. Übermütig fast umarmte sie die Bäume. Den Blüten und Kräutern winkte sie fröhlich zu und den Früchten an Bäumen und Sträuchern schenkte sie süße Küsse. Sie war so guter Dinge, dass sie die Tage am liebsten festhalten wollte. Tag für Tag ein bisschen mehr.
“Oh ja!”, rief sie. “Der Junisommer ist’s, der die Tage länger macht und die Nächte kürzer. Ich helfe ihm ein wenig dabei. Das Leben soll fröhlicher sein in diesen Tagen. Alle sollen ein bisschen fröhlicher sein.”
Sie lächelte und tänzelte weiter singend durchs Land:
“Sommer ist’s und ich bin da. Die hellen Nächte sind nun nah. Ich schenke Helligkeit dem Land. Als Fee des Lichts bin ich bekannt.”
Wenn es am Abend dämmerte, Continue reading »

Als der kleine Sommergeist verschlafen hatte und für ein Gewitter sorgte

Wenn Sommergeister verschlafen, kann so manches passieren, das eigentlich nicht geplant ist

Heute Morgen hatte der kleine Sommergeist verschlafen. Auch jetzt fühlte er sich zu müde, um seinen Job zu tun und im Tal nach dem Rechten zu sehen. Faul lag er vor seiner Berghöhle im Gras, freute sich an dem warmen Tag und sang:
“Ich bin der kleine Sommergeist und wandre durch die Welt, zieh über Wiesen, Berg und Tal, so wie es mir gefällt. La lalala, la lalala, so wie es mir gefällt. Ich bin der …“
“Hahaha! Du wanderst ja gar nicht. Träge liegst du im Gras und lässt dir den Pelz von der Sonne wärmen. Ein Schwindler bist du.”
“Ein Schwindler?” Der kleine Sommergeist blickte überrascht auf. “Wer bist du und wo steckst du? Er schaute nach allen Seiten. Nichts. Nur ein leises, helles Kichern konnte er hören. Er hatte diese freche, fremde Stimme also nicht geträumt.
“Ich habe keine Lust zu deinem Versteckspiel”, rief er. Und zum ‘Durch–die-Welt-Wandern’ habe ich heute auch keine Lust. Dazu ist es viel zu schwül.”
“Du sagst es!”, tönte das fremde Wesen mit heller Stimme. “Aber schwül wird es nicht mehr lange sein. Ein Gewitter wird kommen. Und das erzähle ich, nein, falsch, das erzählen wir nun allen hier.”
“Du? Ihr? Was wollt ihr? Ein Gewitter verkünden? Da habe ich aber auf meinem Berg und unten im Menschental auch ein Wörtchen mitzureden. Ich bin hier für das Sommerwetter zuständig.”
Empört sprang der kleine Sommergeist auf. Er rannte über die Wiese, suchte hier und da und dort nach den Eindringlingen, doch er hatte kein Glück. Ganz außer Puste und sehr verschwitzt ließ er sich wieder ins Gras fallen. Es war wirklich schwül heute. Kein gutes Wetter für die Pflanzen und Tiere und auch nicht für die Menschen.
“Bestimmt ist diesen seltsamen Fremden genau so heiß und unwohl wie mir.” Er kuschelte sein Haupt in ein Glockenblumenpolster, blickte zum Himmel hinauf und da entdeckte er sie: viele kleine weiße Wölkchen. Sie lachten zu dem kleinen Sommergeist herunter. Dann sangen sie:
“Wir sind die Schäfchenwolkenherde und ziehn durch die Welt. Wir künden Wind und Regen an, so wie es uns gefällt. La lalala, la lalala, so wie es uns gefällt.”
“Ihr seid das!”, grummelte der kleine Sommergeist. “Ihr seid für heute aber nicht geplant.”
“Stimmt”, kicherten die Wölkchen. “Dein schwüles Wetter war auch nicht geplant. Deshalb müssen wir rasch ein Gewitter ankünden, das die schwüle Luft verdrängt.”
“Pah!” Der kleine Sommergeist war gekränkt. Nur weil er einmal verschlafen hatte, mussten doch nicht alle Sommerpläne geändert werden! So etwas Dummes aber auch!
“Aber nur ein ganz kurzes Gewitter, einverstanden? Schließlich habe ich auch nur ganz kurz verschlafen”, rief er zu den Wolken hinauf.
Die aber waren bereits weiter gezogen.

© Elke Bräunling

Weitere Gewittergeschichten findest du hier:
Mia und die Gewittergeister
Mia und das Donnermännlein
Eine Nacht in Gewitterstimmung
Pech für den kleinen Regentropfen



Neu im November 2013: Diese Geschichte findet Ihr in dem neuen Buch:
Opas Gutenachtgeschichten



Taschenbuch: Opas Gutenachtgeschichten: Betthupferl-Geschichten für Kinder

Ebook: Opas Gutenachtgeschichten


Information

Die Sonne und die Kinder

Vom Sommer, in dem die Sonne zu viele heiße Sonnenstrahlen zur Erde schickte

In diesem Sommer war die Sonne besonders fröhlich gestimmt. Am liebsten hätte sie den ganzen Tag mit den Kindern gespielt. Weil ihr dies so viel Freude bereitete, sandte sie noch mehr Wärme auf die Erde hinunter.
Wie schön ist es, mit euch an Stränden und Flussufern, auf Wiesen und Spielplätzen herumzutoben!”, rief sie fröhlich und brannte voller Freude mit ihren Strahlen so kräftig, wie sie nur konnte.
Das gefiel den Kindern gar nicht, denn ihre Haut wurde rot und röter.
“Hey, Sonne!” riefen sie. “Du brennst unsere Haut kaputt!”
Und sie rieben ihre Körper noch dicker mit Sonnencreme ein und zogen noch größere Hemden, T-Shirts und Schutzmützen an.
Die Sonne aber lachte nur, und schickte noch ein paar Strahlen mehr Continue reading »

Die Träume des Riesen

Von den Träumen eines Riesen, einer Birke auf der Wiese und der ‘Geburt’ eines jungen Birkenwäldchens

Es waren einmal eine wunderschöne stolze Birke, die mitten auf einer bunten Blumenwiese ihren Platz hatte, und ein Riese namens Trolldich.
Trolldich war so groß, dass ihm die Zweige vom Wipfel der hellgrün blättrigen Birke in der Nase kitzelten, wenn er davor stand. Er liebte diese Birke.
Manchmal, wenn er müde war, ließ er seinen riesigen dicken Hintern schwerfällig in die Wiese plumpsen und lehnte sich an den Birkenstamm, bis sich dieser wie ein Grashalm nach hinten bog. Vom Lied des Windes, das zwischen den Birkenblättern und ihren Pollen mit den Bienen um die Wette summte, schlummerte er ein und fiel in einen tiefen Schlaf. Dann träumte er die süßesten rosaroten Zuckerwatteträume. Ein Traum war schöner als der andere, so dass er immer weiter träumte. Viele bunte Träume, für jedes Birkenblatt einen.
Eines Tages aber wachte er aus einem seiner Träume nicht mehr auf. Mitsamt seinen zuckersüßen rosa Watteträumen war er im Traumland verschwunden.
An jener Stelle aber, an der Trolldich auf der Wiese gelegen war, kann man manchmal Continue reading »

Die bunte Spur auf der Wiese

Aufgepasst! Da draußen sind zwei verwegene Kerle unterwegs, ein Cowboy und ein Indianer

„Nanu?“, fragt der verwegene Cowboy. „Was ist das?“ Er deutet auf die kleinen bunten Pünktchen, die über die Wiese zum Wald führen.
Sein Kumpane, der Indianer, beugt sich über die seltsame Spur. „Ich schätze, ein Feind ist in der Nähe. Ein Fall für den Sheriff.“
Der Cowboy wendet sich den Häusern zu. „Hey, Sheriff, es riecht nach Gefahr.“
„Ich komme!“, tönt die Stimme des Sheriffs zurück. „Muss nur noch meinen Mustang satteln.“
Ein wildes Gebell ertönt, dann kommt der Sheriff über die Wiese gestapft. Den Mustang, der sich heftig sträubt, zieht er an einer Leine hinter sich her. „Wo ist die Gefahr, Männer?“
„Hier!“ Der Cowboy deutet auf die Spur.
„Au Backe!“ Der Sheriff starrt zum Wald hinüber. „Wir müssen die Stadt beschützen. Seid ihr bereit, Männer?“
Der Cowboy und der Indianer nicken. „Klaro!“
Ein schwerer Marsch beginnt für Continue reading »

Die Königin des Waldes


Fingerhut, königlich, heilsam, giftig

 

Die Königin des Waldes

Eine Königin muss nicht unbedingt laut sein. Ob die Fingerhutblüte dies auch begreifen wird?

“Ich bin die Königin des Waldes”, sagte die besonders große pink-weiß-purpurfarbene Blume mit ihren tiefen Blütenkelchen. “Die Königin und Wächterin in einem.”
Sie blickte sich nach Anerkennung heischend um.
Schweigen. Keiner der Waldbewohner wusste darauf etwas zu sagen.
Nur ihre nicht ganz so besonders großen pink-weiß-purpurfarbenen Kolleginnen auf der Waldlichtung nickten ihr beifällig zu.
„Bist du! Bist du! Wer wenn nicht du?“, sirrten sie ihr im Hauch des leisen Sommerwindes.
„Ja! Ich! Ich bin die Königin des Waldes. Ich bin einzigartig”, sagte die besonders große und besonders einzigartige Fingerhut-Blüte wieder. Nun etwas lauter. Nein, sie rief es in den Waldmorgen hinein. “Hört ihr?”
Noch immer herrschte Schweigen im Walde.
Die wunderschöne große pink-weiß-purpurfarbene Blume mit den tiefen Blütenkelchen begann sich zu ärgern. Erregt bimmelte sie mit ihren Blütenglöckchen.
“Hallo! Aufwachen! Zuhören! Ich bin die …” Continue reading »