Glück für den Kürbis

Glück für den Kürbis

Der Kürbis sprach: „Mir ist’s nicht schnuppe.
Ich habe keine Lust auf Suppe.
Ich möcht auch kein Gemüse sein
und auch kein Futter für das Schwein.”
Er lag am Markt auf einem Tisch
und grauste sich.

“Was grämst du dich?”, rief da die Rübe.
“Die Zukunft von uns, die ist trübe.
Man kocht uns und man isst uns auf.
So ist nun mal der Dinge Lauf.“
Der Menschen Hunger, der ist groß
und unser Los.”

Da kam ein Kind. Es sah die beiden
und sagte leis’: „Ihr sollt nicht leiden.
Ich schnitze aus euch ein Gesicht
und stell in euren Bauch ein Licht.
So leuchtet ihr in dunkler Nacht
und haltet Wacht.“

Es war, als spürte man sie beben.
„Du meinst, wir dürfen weiter leben?“
Die beiden Freunde riefen’s froh.
Für manche ist’s im Leben so,
dass man es trifft ein kleines Stück.
Man nennt es: Glück!

© Elke Bräunling

Der eitle Kürbis

Schönsein ist nicht immer von Vorteil. Das erkennt auch der eitle Kürbis.

Heute ist Erntetag. „Es ist höchste Zeit“, brummt ein besonders schöner Kürbis. „Hier langweilt man sich ja zu Tode.“
Die anderen, weniger prächtigen Kürbisse nicken: „Nun werden wir endlich etwas erleben!“
Da lacht der Superkürbis höhnisch auf. „Ihr Kleinköpfe werdet doch bloß zerschnipselt, gekocht und aufgegessen! Ich aber“, er streicht sich wohlgefällig über den Leib, „bin zu schön, um zerhackt zu werden. Aus mir wird etwas ganz Besonderes.“
Die Kürbisse staunen. Recht hat er, der schöne Kollege! Was kann aus ihnen denn schon werden?
Auch die Bauersleute wundern sich, als sie den ´Superkürbis´ entdecken.
„Ein Mordskerl“, sagen sie und Continue reading »

Kastaniengeschichten

Herbstzeit ist Kastanienzeit und Kastanien, die lieben alle kleinen und großen Kinder, oder?
Hier findest du Links zu Kastaniengeschichten, -gedichten und -rezepten.
Viel Spaß damit!
:)

Einen kleinen Sachtext über die Kastanie findest du hier: Stacheligel” Kastanie

Kastaniengedichte stehen hier: Das kleine grüne Stachelding
Der Kastanienbaum vor unserem Haus

Und hier findest du weitere Kastaniengeschichten:
Die Kastanien und der Herbstwind
Das kleine Kastanienwunder
Der Herbstwind und die Kastanienbäume am Marktplatz
Die trotzige Kastanie
Die Glückskastanie und das vergessliche Eichhörnchen

Rezept Kastanienpfannkuchen

“Stacheligel” Kastanie

“Stacheligel” Kastanie
Ein Sachtext über die Kastanien mit einem kleinen Rezept

Alle Kinder freuen sich, wenn im Herbst die Kastanien reif sind und die glänzenden braunen Kastanienkugeln aus der harten, grünen Stachelschale herausbrechen. Prima nämlich kann man mit Kastanien basteln. Das macht Spaß.

Aber Vorsicht: Zum Essen sind Rosskastanien nur für Rehe und Wildschweine ein Leckerbissen. Auch kranken Pferde hat man früher Kastanien ins Futter gemischt als Medizin gegen den gefährlichen Rosshusten. Für Menschen dagegen sind Rosskastanien giftig. Wer nur eine dieser rotbraunen Lackkugeln verspeist, bekommt bereits Durchfall und Übelkeit. Dennoch enthält die Rosskastanie wertvolle Stoffe für Medikamente gegen Rheuma und Gicht. Auch hilft sie bei Durchblutungsstörungen, und aus den Blüten lässt sich ein ausgezeichneter Hustentee zubereiten.

Es gibt aber auch Kastanien, die man essen kann, und ich sage euch, die schmecken lecker. Ihr kennt sie bestimmt von Rummelplätzen oder Weihnachtsmärkten, wo ihr sie beim Maronimann kaufen könnt. Es sind Esskastanien oder Maronen (so nennt man sie in der Schweiz und in Italien). Aus ihnen kann man tolle Gerichte, sogar Kuchen und Süßspeisen, zaubern. Esskastanien wachsen im südeuropäischen Wäldern. Aber auch bei uns findet ihr sie in den Wäldern warmer Gebiete, wo auch Weinbau betrieben wird. Großen Spaß macht es, hier im Herbst durch die Wälder zu streifen und im Herbstlaub nach Esskastanien zu suchen. Aber Vorsicht: Die Hüllen der Esskastanien sind mächtig stachelig. Wie kleine, runde, gelbgrüne Igel sehen sie aus mit kleinen, spitzen Stacheln.

Wie lecker geröstete Kastanien schmecken, könnt Ihr in der Herbstzeit selbst ausprobieren, zum Beispiel nach diesem Rezept:

Geröstete Kastanien oder Maronen
Du brauchst Esskastanien/Maronen, die Menge wählst du selbst.
Schneide die gewölbte Seite der Kastanienfrucht über Kreuz ein und lege sie auf ein Backblech.
 Heize den Ofen vor auf ca. 180-200 Grad (Umluft) und backe die Früchte gut 20 Minuten.
 Sie sind gar, wenn die Schalen an der Schnittstelle aufspringen.
Die Kastanien werden nun in ein feuchtes Tuch eingeschlagen, damit sie etwas abkühlen. Dann kannst du sie schälen und naschen.
Du kannst sie aber auch in einer Pfanne in etwas Butter anrösten und servieren.
 Wer es mag, gibt entweder etwas Rohrzucker oder Meersalz über die Früchte.
 Guten Appetit.
Abwandlung: Du kannst Kastanien auch auf Ofenplatten oder Kaminplatten rösten.

© Elke Bräunling

Die Kastanien und der Herbstwind

Wenn die erste Kastanie am Boden liegt, weiß jeder: Jetzt ist der Herbst da. Und dabei würden die Kastanienfrüchte noch so gerne so lange an ihren Plätzen in den Bäumen bleiben

“Ha! Ihr kriegt uns nicht!”
“Niemand kann uns vom Baum stehlen und aufessen.”
“In unserer Stachelhülle sind wir geschützt.”
“Das Leben ist schön und wir können es ohne Furcht genießen.”
“Uns droht keine Gefahr. Wir sind sicher. Hoho!”
Fröhlich und ein bisschen übermütig reckten die Kastanien ihre Stachelköpfe von der Baumkrone aus der Sonne entgegen. Es schien fast, als lachten sie die Vögel und die Eichhörnchen, die im Baum auf Futtersuche unterwegs waren, aus. Sie jubelten lange, doch die Waldbewohner interessierte das wenig. Schon gar nicht die Vögel, denn die machten sich nichts aus Kastanien. Nur das Eichhörnchen, das an seine fehlenden Wintervorräte dachte, schmunzelte.
“Man wird sehen”, murmelte es und wartete.
Doch da war ein anderer, der sich ein bisschen über diese vorlauten Kastanienfrüchte ärgerte. Es war der Herbstwind, der mit einer lauen Brise über die Bergkämme strich und den Späßen der vorwitzigen Früchten lauschte.
“Wartet, ihr Früchtchen”, sirrte er den Kastanien zu. “Da ist doch einer, den ihr fürchten solltet. Bald seid ihr reif!”
Er meinte Continue reading »

Kastanienpfannkuchen

“Achtung” Rezept! – Kastanienpfannkuchen

Neben der Rosskastanie, die für Rehe und Wildschweine ein Leckerbissen sind, gibt es auch Kastanien, die man essen kann. Die schmecken sehr lecker. Ihr kennt sie bestimmt von Rummelplätzen oder Weihnachtsmärkten, wo ihr sie beim Maronimann kaufen könnt. Es sind Esskastanien oder Maronen (so nennt man sie in der Schweiz und in Italien). Aus ihnen kann man tolle Gerichte, sogar Kuchen und Süßspeisen, zaubern. Esskastanien wachsen im südeuropäischen Waldgebieten. Aber auch bei uns findet ihr sie in den Wäldern warmer Gebiete, wo auch Weinbau betrieben wird. Großen Spaß macht es, hier im Herbst durch die Wälder zu streifen und im Herbstlaub nach Esskastanien zu suchen. Aber Vorsicht: Die Hüllen der Esskastanien sind mächtig stachelig. Wie kleine, runde, gelbgrüne Igel sehen sie aus mit kleinen, spitzen Stacheln.

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Esskastanien (Maronen) mit ihren Stachelhüllen

Hast Du Appetit auf Kastanien-Pfannkuchen, pardon, auf Keschte-Crepes?

Keschte-Crepes = Kastaniencrepes (oder Kastanienpfannkuchen)

Zutaten: 200 g Dinkelmehl, ca. 100 g Kastanien, ¼ l Wasser, eine Prise Meersalz, 5 Eier, 2 EL Olivenöl und Butter zum Backen

Zubereitung:
Du brauchst Kastanienmousse: Die gewölbte Seite der Kastanien schneidest du mit einem Messer kreuzweise ein, dann gibst du sie in einem Topf mit kaltem Wasser geben und kochst sie kurz auf. Nun musst du die Früchte noch heiß gründlich schälen. Danach werden die Kastanien nochmals aufgekocht so lange, bis sie weich sind. Dann kannst du sie durch ein Sieb passieren und das Mousse ist zubereitet.

Nun das Mehl mit dem Kastanienmousse und dem Wasser verrühren. Danach Salz zugeben, die Eier und das Olivenöl. Alles gut miteinander vermischen.
Den fertigen Teig lasse nun mindestens eine halbe Stunde ruhen!

Dann geht’s los:
Etwas Butter in der Pfanne erhitzen. Dann so viel Teig in die Pfanne geben, dass Boden dünn bedeckt ist, und von beiden Seiten ausbacken.
Und am besten schmeckt es, wenn man den Crepe gleich aus der Pfanne „nascht“ ;)

Du kannst nun aber auch einen Crepe-„Berg“ bauen: Du häufelst die fertigen Crepes zu einem „Berg“ an und bestreust ihn mit Puderzucker und ab damit zu Tisch, damit Ihr diesen „Berg“ noch warm genießen könnt.

© Elke Bräunling

Aufbruch im Kartoffelfeld

Morgen ist Kartoffelernte und heute, ja, heute geht es ganz schön bunt zu im Kartoffelfeld. Lausche mal!

“Ich befürchte, meine lieben Freunde, morgen ist es wieder so weit”, sagte der Kartoffelkönig eines Tages zu seinem Volk.
“So weit?”
“Wie weit?”
“Warum weit?”
“Was weit?”, fragten die jungen, kleinen Knollen neugierig, während ihre älteren Kollegen leidvoll stöhnten und klagten.
“Sehr weit. Erntezeit!”, erklärte eine besonders dicke Knolle.
“Leidenszeit”, ergänzte eine weitere.
“Abschiedszeit”, jammerte eine dritte.
Die Jungkartoffeln wunderten sich. Ernte? Leiden? Abschied? Sie konnten das nicht begreifen.
“Ist das eine Jammerzeit?”, fragten sie.
“Jaaa!”, heulten die Altkartoffeln auf, und die besonders dicke Knolle jammerte am lautesten:
“Mit ihren scharfen Erntemaschinen werden sie kommen, die Menschen, uns unsanft aus der Erde reißen und uns die Heimat nehmen. Huhuhuuuuuu.”
“Und dann werfen sie uns – knallpeng – auf einen Erntewagen, als ob wir Spielbälle seien”, ergänzte eine weitere Kartoffel. “Das tut so weh! Ojeoje!”
“Und dann?”, fragten die kleinen Jungkartoffeln neugierig, denn sie konnten sich darunter gar nichts vorstellen. “Vielleicht ist es auf so einem Erntewagen ja ganz lustig?”
“Und man kann den Himmel sehen.”
“Und die Sonne.”
“Licht und Sonne machen uns ungenießbar”, sagte der Kartoffelkönig.
“Ach, wenn dem doch nur so wäre und die Menschen uns tagelang in der Sonne liegen lassen würden!”, seufzte die dicke Knolle. “Aber nein. So schnell wie möglich fahren sie uns zum Bauernhof, und dort werden wir aussortiert, gemein voneinander getrennt und in Säcke verpackt. Und dann geht´s – huhuuu – zum Großmarkt.”
“Oder zum Supermarkt”, rief ihre Nachbarin. “Das hat mir eine Kollegin erklärt.”
“Oder gleich in die Küche des Bauern”, sagte eine längliche Kartoffel betrübt, und vor Gram runzelte sie ihre Haut.
“Und dann?”, rief eine vorwitzige Jungkartoffel wieder. “Das ist doch interessanter, als immer im dunklen Boden zu hocken, oder?”
“Genau!”, riefen die anderen Jungkartoffeln, die noch sehr neugierig auf das Leben draußen waren. “Hier ist es doch langweilig. Wir wollen etwas erleben. Warum also heult ihr alle?”
“Ihr vorwitzigen Grünschnäbel”, lachte der Kartoffelkönig, während ringsum ein Wehklagen und Heulen erschallte. “Neugierde ist zwar eine schöne Sache, doch nicht immer von Vorteil. Ihr habt es für dieses Jahr gut getroffen, denn ihr werdet aussortiert und im nächsten Frühjahr wieder frisch in die Erde gesteckt.”
Hm! Na ja, so verlockend fanden die Jungkartoffeln diese Aussicht nicht.
“Und ihr?”, murrten sie.
“Ich werde mich noch heute Nacht tief in die Erde zum Winterschlaf zurückziehen”, erklärte der Kartoffelkönig. “Und eure armen Kollegen…”
Wieder fingen alle Kartoffeln zu weinen an.
“Ja”, schluchzte eine. “Sprich es ruhig aus!”
“Wir”, kreischte eine andere. “Wir werden aufgefressen. So einfach ist das. Huch. Und so gemein!”
“Aufgefressen? Was ist das?”, fragten die Jungkartoffeln erstaunt, denn darunter konnten sie sich gar nichts vorstellen.
Eine Antwort darauf erhielten sie aber nicht. Sie ging in dem lauten Geschluchze und Geweine irgendwie unter. Das war auch gut so. Manchmal ist es besser, wenn man nicht alles weiß, oder?

© Elke Bräunling

Auf dem Kartoffelfeld im Herbst bist du auch in diesen Geschichten:
Der kleine Bär und der Kartoffelzwerg
Ein besonderer Schultag im Herbst – Die Kartoffelernte
Köstlichkeit in dunkler Erde – Ein Kartoffel- und Erntedankgedicht



Geschichten, Gedichte, Lieder und kleine Rollenspiele zu Ernte und Erntedank findest du im Buch “ERNTEZAUBER”, erschienen in der Neubearbeitung des Buches “Hallo Opa! Erzählst du mir eine Geschichte vom Erntedank” neu im August 2014:


Taschenbuch:Erntezauber – Ernte und Erntedank: Geschichten und Lieder
Ebook:Erntezauber – Ernte und Erntedank: Geschichten, Gedichte, Spiele und Lieder

Information


Der kleine Bär und die Silberfäden im Herbst

Der Herbst beginnt spannend – und auch etwas verwirrend – für den kleinen Bären. Was, überlegt er sich, sind das für silbern glitzernde Fäden überall im Wald und auf der Wiese?

“Nanu?” Verwundert stand der kleine Baer an einem Herbstmorgen am Rande der Waldwiese. Die glitzerte und glänzte hell im Licht der ersten Sonnenstrahlen. Viele Silberfäden, tausend und noch mehr, hatten sich über Gräser und zwischen die Wiesenkräuter und -blüten gelegt. Es war, als verzierten sie die Wiese mit Schmuckbändern und Perlenketten. Schön sah das aus.
Der kleine Baer staunte. Er zögerte. Dann betrat er vorsichtig die Waldwiese, die sich in eine Zauberwiese verwandelt hatte, und griff nach diesen fremdartigen Fäden.
Aber was war das? Die seltsamen Fäden blieben in seinem Fell hängen. Sie klebten richtig. Erschrocken pulte der kleine Bär sie aus seinem Bauch und aus Armen und Beinen. Sie glänzten jetzt gar nicht mehr schön.
“Hey, geht weg!”, rief der kleine Bär.
Doch nichts geschah. Nur die Sonne Continue reading »

Das Eichhörnchen und die kostbare Zeit

Überall trifft das Eichhörnchen heute Tiere und Pflanzen, die traurig sind über das Ende des Sommers? Aber ist Herbst nicht auch schön?

“Hoffentlich treffe ich heute nicht wieder einen weinenden Apfel”, murmelte das Eichhörnchen, als es sich an diesem frühen Herbsttag auf seine tägliche Waldrunde begab.
Leise schlich es an den Apfelbäumen vorbei. Vor lauter Schleichen vergaß es, vorsichtig zu sein und stieß gegen die großen, hohen Blumen, deren Köpfe kleinen Sonnen glichen. Es hatte diese sonnigen Blumen schon oft gesehen, aber warum ließen sie heute die Köpfe hängen? Der Tag war doch so sonnig und warm und schön!
Das Eichhörnchen wunderte sich.
“Wenn ich es nicht besser wüsste”, murmelte es, “würde ich sagen, sie trauern. Aber warum nur?”
Traurige Sonnen? Hm!
Das Eichhörnchen machte, dass es weiter kam. Mit Traurigkeit hatte es heute nichts am Hut!
Unterwegs traf es Continue reading »

Das Eichhörnchen und der traurige Apfel

Vom Regen und von Regentränen. Können auch Äpfel weinen?

“Warum weinst du, Apfel?”, fragt das Eichhörnchen, das in den Bäumen der Streuobstwiese im kleinen Waldtälchen auf Nahrungssuche unterwegs war.
“Phschhhhhh!” Der Apfel schluchzte. “Wei-hei-einen? Wa-a-as ist das?”
“Weinen?” Das Eichhörnchen überlegte. In den Menschengärten hatte es das Weinen kennen gelernt und – irgendwie – rasch wieder vergessen. Hier im Wald weinte nämlich keiner. Naja, fast keiner.
Der Apfel schluchzte wieder, lauter nun.
“Weinen, das ist, wenn Wasserperlchen über deine Wangen tropfen und deine Apfelhaut nass machen”, sagte das Eichhörnchen schnell. Es war nun etwas verlegen. Eigentlich hatte es geplant, ein wenig von dem köstlichen Fruchtfleisch des Apfels zu naschen. Aber wer brachte es übers Herz, in schluchzende Apfelbäckchen zu beißen?
“Re-e-egen ma-hc-chat meine Apfelbacken auch nass”, klagte der Apfel. “Aber er ma-hc-chat mich ni-hi-hicht so-ho traurig.”
Ein Zittern durchlief den Apfelkörper und viele Continue reading »

Der Apfeltraum im Apfelbaum

Der Apfeltraum im Apfelbaum

Hoch in einem Apfelbaum
träumt’ ein Apfel einen Traum.
“Ha! Der Schönste bin ich. Seht,
wie gut mir dieses Schönsein steht!
Rot die Backen, prall und rund,
zudem bin ich kerngesund.
Jeder, der mich sieht, ruft: ‘Oh!
diesen Apfel mag ich so!
Lieber Apfel, komm zu mir!
Mir gelüstet sehr nach dir.’
Nicht mit mir. Ich rufe: ‘Pah!
Ich bin nicht für jeden da!'”
Sprach’s und streckte sein Gesicht
zu der Sonne hellem Licht.
Längst war’n alle Äpfel fort,
nur der Apfel hing noch dort
oben hoch in seinem Baum.
Wahr geworden war sein Traum.
Als der Winter zog ins Land,
man ihn dort noch immer fand.
Er hängt jetzt noch, welk, verfroren,
seine Schönheit ist verloren.

© Elke Bräunling

Mia und der kleine Ärger

Es lohnt nicht, sich über andere zu ärgern, auch nicht in der Schule

Mia ist sauer. “Herr, lass Hirn regnen!”, hat Alex beim Fußballspielen zu ihr gesagt. Weil sie zwei Mal wegen diesem doofen Abseits den Ball an die Gegnermannschaft abgeben musste. Das ist bloß passiert, weil Mia zu schnell gelaufen ist und weil sie unbedingt auch ein Tor schießen wollte.
“Das mit dem Abseits begreift ihr Weiber nie!”, hat Alex laut gerufen und blöde dabei gelacht.
Klar, dann haben alle gelacht.
“Ich bin doch nicht doof!”, hat Mia zurückgerufen. “Nur ein bisschen schneller bin ich. Pah!”
Da haben alle noch mehr gelacht und Alex hat, ebenso laut wie vorher, gegrölt: “Die Rechenarbeit vorgestern hast du auch verhauen. Fußball und Rechnen, ha, das kapieren Mädchen nie!”
Wie gemein. Vorgestern hatte Continue reading »

Die Sonne und das Blatt

Warum das Blatt mit der Sonne in diesem späten Sommer so gar nicht mehr einverstanden ist

“Hallo Sonne!”, sagte das Blatt. “Ich freue mich, dass du mich jeden Tag für ein Weilchen besuchst. Aber du tust mir nicht gut. Deine Strahlen verbrennen meine Haut. Sie machen sie trocken, braun und dünn.”
“Es ist später Sommer”, erwiderte die Sonne mit einem Schmunzeln. “Es ist meine beste Zeit.”
“Meine auch!”, rief das Blatt. Nein, es schrie es fast. “Es ist auch meine beste Zeit. Meine letzte Lebenszeit. Und die möchte ich genießen, möchte sie leben. Frei und ohne Verletzungen. Also bitte, zieh weiter, Sonne! Lass ab von mir. Du tust mir weh.”
“Eigentlich bin ich es gewohnt, dass man mich liebevoll Willkommen heißt und meine Strahlenkinder freudig aufnimmt.”
In der Stimme der Sonne lag so etwas wie erschrockene Verwunderung. “Meinst du nicht, auch wir könnten uns arrangieren und Freunde sein?”
Besänftigend legte sie ihre Sonnenarme auf das Blatt. Es war, als wolle sie Continue reading »

Eine seltsame Begegnung am Waldrand

Beim Schuleschwänzen erlebt Max am Waldrand eine ganz eigenartiges Abenteuer. Oder ist er auf einmal in einer falschen Zeit gelandet?

Auf dem Schulweg bog Max an einer Wegkreuzung ohne weiter nachzudenken ab und trottete langsam aus dem Städtchen hinaus zum nahen Wald.
„Eine gute Idee“, murmelte er, als er sich wenig später am Waldrand ins Gras setzte. „Während sie in der Schule das blöde Diktat schreiben, habe ich einen tollen Sonnentag.“
Er beobachtete den Bussard am Himmel, lauschte dem Vogelgezwitscher, beobachtete eine Ameisenstraße und seufzte zufrieden. „Hier bleibe ich bis Schulschluss. Es gibt so viel zu sehen, dass mir nicht langweilig wird. Verhungern muss ich auch nicht. Bestimmt finde ich Himbeeren und Walderdbeeren.“
Das schlechte Gewissen meldete sich. „Ich könnte für Mama Beeren pflücken. Dann ist sie nicht ganz so sauer, wenn sie erfährt, dass ich Schule schwänze.“
Max griff nach der Dose mit den längst aufgegessenen Pausenbroten und trottete zu den Himbeerbüschen hinüber. Er hatte Glück. Schon viele Beeren waren reif und an der Böschung lachten ihm rote Walderdbeeren entgegen.
„Ganz schön viel Arbeit“, murmelte Max. Er überlegte und …
Da. Es raschelte im Unterholz, ein Ast knackte und Continue reading »

Jules Schmetterlingstraum

Wie kann man zarte bunte Schmetterlinge in die Gärten locken? Jule hat da eine ganz besondere Idee

Aus dicken, hässlichen Raupen schlüpfen zarte, bunte Schmetterlinge, hat Jule gehört. Das kann Jule erst nicht glauben, doch weil sie Schmetterlinge über alles leiden mag, träumt sie von einem fröhlich kunterbunten Schmetterlingsgarten.
Schmetterlinge aber sieht Jule im Garten nur wenige. Weil die nämlich ihre Eier, aus denen die Raupen schlüpfen, lieber auf Brennnesseln, Wildkräutern und -büschen ablegen, und die gibt es in den gepflegten Gärten der Siedlung nicht.
Schade, findet Jule, und denkt an ihren Schmetterlingstraum. Dann hat sie eine Idee. Sie nimmt ein Einmachglas und geht zum Wäldchen hinter dem Spielplatz. Dort wachsen Brennnesseln, Wildkräuter, Büsche und Birken, und von denen sammelt Jule alle Raupen, die sie finden kann, in ihr Glas. Vorsichtig trägt sie ihre Beute heim in den Garten und setzt die Raupen auf die Blätter der Bäume, Büsche, Rosen, Stauden und Salatköpfe. Mehrere Tage lang macht sie das, und es ist keine einfache Sache.
Am Anfang Continue reading »

Die Wolkenträne

Regentropfen, sind sie Wolkentränen?

Lange bevor der große Regen angekündigt war, stahl sich ein Regentropfen aus der Wolke und sprang mit einem Hüpfer vom Himmel.
“Ich bin frei”, rief er und schlug übermütig ein paar Purzelbäume. “Frei-ei-ei…!”
Platsch! Schon landete er auf der Nase eines kleinen Mädchens.
“Oh!”, rief das Mädchen. “Eine Wolkenträne. Ich hab doch immer gewusst, dass Wolken weinen können.” Es sprang auf, um die Wolkenträne seinen Freunden zu zeigen.
Die aber lachten nur.
“Heute ist doch kein Regentag!”, riefen sie und grinsten. “Diesen Tropfen hat bestimmt ein Vogel … verloren! Hahaha!”
Ein Vogel?
Das Mädchen schüttelte sich voller Ekel, rannte zum nahen Bach und wusch sich schnell das Gesicht.
So landete der Regentropfen bei seinen Kollegen im Bach und war wie in der Wolke wieder nur einer von vielen.
Ich bin vielleicht eine dusselige Träne!, dachte er noch, doch da verschlang ihn schon eine Welle und trug ihn mit all den anderen Wassertropfen dem Fluss entgegen.
© Elke Bräunling

Die Rose weint ...
© Elke Bräunling, Viele Wolkentränen treffen sich auf der Rosenblüte

Im roten Klatschmohnmeer

Wenn ein Feld oder eine Wiese zum Meer werden, dann, ja, dann bist du gerade unterwegs auf einer Traumreise/Fantasiereise

Auf einem Ausflug oder auf einem Bild hast du ein Feld oder eine Wiese gesehen mit vielen Klatschmohnblumen. Es sind 1000 und mehr und sie schmücken das Land mit vielen klatschmohnroten Punkten. Schön sieht das aus! Am liebsten würdest du gleich einen großen Strauß Mohnblüten pflücken. Vielleicht möchtest du aber auch eine kleine Traumreise machen? Hast du Lust auf eine Reise ins rote Klatschmohnmeer? Continue reading »

Die Stadt im Watt

Eine versunkene Stadt gibt es im Watt und manchmal soll man sie noch … nein, lest selbst!

Im Urlaub auf der Nordseeinsel Nordstrand hatten Pia und Pit mit ihren Eltern Unterkunft in einem alten Fischerhaus hinterm Deich gefunden. Gleich am ersten Abend hatte der alte Fischer den Kindern versprochen, ihnen das Watt mit all seinen Wundern und Geheimnissen zu zeigen.
Mächtig gespannt waren Pia und Pit, als sie am Morgen zum Deich liefen und aufs Meer spähten. Das Watt lag unter dem Wasser verborgen, doch wenn man genau hinschaute, sah man, wie sich das Meer langsam zurückzog.
„Dort!“, sagte Pit und deutete nach Westen aufs Meer. „Irgendwo dort hinten liegt sie, die versunkene Stadt.“
Pia nickte und dachte an die Geschichten, die ihnen der alte Fischer erzählt hatte.
Früher nämlich hatte Continue reading »

Pia und Pit suchen das Meer

An ihrem ersten Urlaubstag an der Nordsee suchen Pia und Pit erst einmal das Meer

Endlich waren die Ferien da und Pia und Pit fuhren mit ihren Eltern zum Urlaub an die Nordsee. Auf die Halbinsel Nordstrand wohnten sie gleich hinter dem Deich in einem Fischerhaus und das war, fanden Pia und Pit, toll. Man musste nur auf den Deich laufen, und schon sah man das Meer. Oder auch nicht. Zweimal am Tag nämlich zog sich das Wasser zurück und machte einer Landschaft Platz, die wie eine Matschwüste aussah.
Das ist das Watt, lernten Pia und Pit. Man sieht es bei Ebbe. Kommt das Wasser, so nennt man es „Flut“. Ebbe und Flut! So teilt man die Zeiten am Meer ein. Man nennt es „Gezeiten.“
Das war alles neu für die beiden Landratten. Sie hatten zwar davon gehört, aber so richtig hatten sie sich das mit den Gezeiten nicht vorstellen können. Und deshalb begann der Urlaubstag mit einer Enttäuschung.
Während ihre Eltern noch Koffer auspackten, rannten Pia und Pit Continue reading »

Davids Schneckenzoo

Ein lauter Schreckensschrei aus dem Nachbargarten riss alle Bewohner des Wohnviertels aus der Mittagsruhe. Nachbar L. stapfte wütend und schimpfend durch seine Gemüsebeete und sein kleiner Sohn stand dabei, grinsend. Was war passiert?
So etwas Ähnliches vielleicht wie Davids Vater in der folgenden Geschichte?

Davids Schneckenzoo

Eine tolle Idee hat David heute. Er baut im Garten aus großen Steinen ein viereckiges Gehege und legt Steine, Salatblätter, Äste, Strohhalme, eine Hütte aus Bausteinen und eine Wasserschale hinein.
„Was baust du da?“, fragt Papa neugierig.
„Einen Schneckenzoo“, sagt David und deutet auf das Glas voller Schnecken, das im Schatten der Hecke steht. „Die hab ich auf den Feldern gesammelt. Sie kommen in meinen Schneckenzoo, und ich werde gut auf sie aufpassen.“
Papa klopft David anerkennend auf die Schulter. „Ich mag es, wenn Kinder gute Ideen haben“, sagt er stolz. „Aus Naturbeobachtungen kann man mächtig viel lernen.“
Papa findet alles gut, was sich zum Lernen eignet, und David freut sich, wenn Papa ihn lobt. Den ganzen Tag kümmert er sich um seinen Zoo, und Papa guckt immer mal bei ihm vorbei und blickt sehr stolz und glücklich drein.
Am nächsten Tag aber ist Papas Blick überhaupt und gar nicht mehr stolz und glücklich. Davids Schnecken haben nämlich während der Nacht mit großem Appetit eine kleine Klettertour über die ´Zoo´-Mauern hinüber zu Papas jungem Salatbeet gemacht. Dort ruhen sie sich nun unter Erdkrumen und Steinen versteckt von der üppigen Salat-Mahlzeit aus.
„Sauerei“, schimpft Papa los und blickt auf die zerfressenen Salatreste. „Da haben wir den Salat! Du mit deinen blödsinnigen Ideen!“
„Was für Ideen?“, fragt David. „Und was für einen Salat?“ Lachend deutet er auf das kahl gefressene Beet. „Weißt du“, sagt er kichernd zu Papa, „aus Naturbeobachtungen kann man wirklich viel lernen.“
Was bleibt Papa da noch übrig als mitzulachen?

© Elke Bräunling

Schnecke unterwegs
© Elke Bräunling, Weinbergschnecke auf der Suche nach Salatblättern


Ein farbenfroher Regenwettermorgen

Regentage müssen nicht langweilig sein. Auch nicht in den Ferien

Immer wieder regnet es in diesem Sommer. Stundenlang oft. Auch jetzt.
“Ich sehe schwarz”, sagt Papa. “Unser Ausflug zum Kletterpark wird wohl ins Wasser fallen.”
Papas Miene ist düster und griesgrämig, so als wäre die Welt um ihn herum wirklich rabenschwarz.
“Och!”, sagt Florian traurig. Er deutet aus dem Fenster und entdeckt eine Lücke im Wolkendunkel. Eine himmelblaue Lücke. Gleich fühlt er sich nicht mehr traurig.
“Und ich sehe blau”, ruft er und ist zufrieden. Wer nämlich ‘blau’ sieht, hat er in der Schule gelernt, fühlt sich entspannt und zufrieden. Er zwinkert Mama zu.
Mama lächelt. “Stimmt”, sagt sie. “Und in deinem Blau sehe ich nun noch ein kleines, fröhliches Sonnengelb. Es drängelt sich immer mehr durch die Wolken und Continue reading »

Der Garten der 2b

Ein eigener Schulgarten ist eine feine Sache. Und eigenes Gemüse, Obst und Salate schmecken prima

Hinter der Schule liegt eine große Wiese, und daneben ein verwildertes Ackergrundstück. Dort haben die Kinder immer besonders gerne gespielt, doch als sie eines Tages in die Schule kommen, gibt es ihren Lieblingsspielplatz mit den verwilderten Hecken nicht mehr. Schade. Hier hat man immer so schön Ball und Verstecken spielen und Hütten bauen können. Frisch gepflügt und langweilig leer liegt das Land nun in Rechtecke unterteilt neben der Wiese. Die Kinder sind enttäuscht. Gerade heute ist so ein schöner Sonnentag zum Spielen. Muffig sitzen sie auf der Wiese und ärgern sich.
”Ich habe eine Überraschung für euch”, sagt Frau Schäfer, die plötzlich mit einem Korb und Gartengeräten bepackt vor ihnen steht. ”Kommt mit!”
Die Kinder haben gar keine Zeit zum Murren, so schnell läuft Frau Schäfer über die Wiese und macht vor dem ehemaligen Ackerstück Halt. Sie deutet auf die sauber geharkte Erde und sagt:
”Das ist unser Schulgarten, und dieses Rechteck gehört uns, der Klasse 2b. Jede Klasse erhält ein Gartenstück, und dort können wir anpflanzen, was wir uns wünschen.”
“Wäg!” Der dicke Robin heult auf. “Gartenarbeit ist doof.”
“Warte es ab!” Frau Schäfer lächelt. Sie Continue reading »

SOEBEN ERSCHIENEN
Elkes Minutengeschichten – Sommer: 40 kurze Sommergeschichten für Kinder


Taschenbuch:Elkes Minutengeschichten – SOMMER: 40 Geschichten zur Sommerzeit
Ebook:Elkes Minutengeschichten – SOMMER: Sommergeschichten für Kinder

Information

Vierzig Sommergeschichten für Kinder. Geschichten und Märchen von Festen im Sommer, von Abenteuern, Träumen, Spiel und Spaß, von Natur und Wetter, Tieren, Blumen und Bäumen, von Urlaubsreisen und Ferienzeit, von guten und schlechten Launen und von den Menschen mit ihren Gedanken, Gefühlen und Erlebnissen in dieser bunten Jahreszeit.

Minutengeschichten sind Geschichten und Märchen, die mit einer Vorlesedauer von 1-3 Minuten als kleiner Morgengruß oder als Betthupferl, als kleine Überraschung oder in einer kurzen Pause am Tag erzählt oder vorgelesen werden können.
Die Texte sind so konzipiert, dass sie das Display eines Smartphones ausfüllen. Ohne Scrollen kann man aus der Ferne dem Kind oder Enkelkind am Telefon/Handy mit einer Geschichte eine kleine Freude bereiten. So kann Papa oder Mama beispielsweise die Tradition der Gutenachtgeschichte auch von unterwegs oder von der Arbeit aufrechterhalten.

Die Bitte „Papa/Mama/Oma/Opa, erzählst du mir noch schnell eine Geschichte?“, lässt sich mit dieser Sammlung so zu aller Zufriedenheit und ohne viel Aufhebens erfüllen. Es „kostet“ eine oder zwei Minuten Zeit „nur“ …

Der kleine Bär und der Blumenstrauß

Einmal hatte der kleine Bär ein eigenartiges Erlebnis im Wald. Als er Blumen pflückte

Einmal wollte der kleine Bär einen großen bunten Blumenstrauß für Mama Bär pflücken.
Überall blühte es kunterbunt in den prächtigsten Farben: rot, gelb, weiß, blau, lila, rosa, pink, orange, gräsergrün und bunt, bunt, bunt. Eine Blume schöner als die andere. Und wie süß es duftete! Der kleine Bär konnte sich nur schwer entscheiden, welche er wählen sollte. Die Margeriten und Glockenblumen oder der wilde Flieder? Die ersten Rosen oder die Holunderblüten? Oder … ?
„Nehme ich von jeder Blüte eine“, beschloss er.
Er beugte sich über einen blauen Wiesensalbei. Da glaubte er eine Stimme zu hören. „Lass mich Continue reading »

Ein Glückskäfer-Glück für Jule

Wie ein Marienkäfer der grübelnden Jule doch ein bisschen Glück brachte … und vielleicht sogar den Eintritt ins Zirkuszelt?

Traurig sitzt Jule am Rande des Festplatzes und blickt auf das bunte Zirkuszelt. Zu gerne hätte sie sich die Nachmittagsvorstellung mit den beiden Clowns, die am Eingang fröhlich ihre Späßchen machen und die Leute ins Zelt einladen, angesehen. Ihre Freunde sind schon im Zelt. Nur sie hat kein Geld für die Eintrittskarte. Nie hat Jule Geld, seit ihre Eltern arbeitslos sind. Immer muss sie sich all die Dinge, die ihre Freunde erleben, von draußen ansehen. Jule schüttelt den Kopf. Sie mag nicht weiter grübeln. „Grübeln”, sagt Papa immer, „macht nur ein Griesgramgesicht. Aber helfen, nein, das tut es nicht.”
Jule will kein Griesgramgesicht haben. Sie zwingt sich zu einem kleinen Lächeln, und weil niemand zum Anlächeln da ist, schenkt sie ihr Lächeln der Margerite, die neben ihr am Wegrand wächst. Ja, und ihr ist, als lächelte die Blume zurück. Oder hat sie das geträumt? Nachdenklich Continue reading »

Das Beerenfest im Wald

In diesen Sommertagen wird überall gefeiert. Auch im Wald.

“Die Waldbeeren blühn, die Waldbeeren blühn, habt ihr sie schon gesehen?”
Laut hallen die Rufe durch den Wald.
“Die Waldbeeren blühn. Hurra! Hurra! Und bald feiern wir ein Fest. Ein Beerenfest. Hurra!”
Fröhlich tanzen die Waldbewohner, die Tiere, Elfen, Wichtel, Zwerge und Feen um die blühenden Brombeersträucher. Feste nämlich feiern sie für ihr Leben gern. Und süße Beeren essen sie auch für ihr Leben gern. Ja, das Waldleben ist schön, so schön! Und sie jubeln und lachen und freuen sich über jede Blüte, die sich aus den Knospen schält.
“Die Waldbeeren blühn. Hurra! Hurra!”
“Pah!”, dröhnt da plötzlich eine Stimme von der alten knorrigen Baumwurzel her. “Was bringen sie euch jetzt ein, die Blüten der Waldbeeren? Noch eins, zwei, drei oder vier Wochen müsst ihr warten, bis ihr Beeren ernten und ein Beerenfest feiern könnt. Ihr müsst nicht einiger Blüten wegen so einen Lärm machen. Davon werdet ihr nicht satt. Also schweigt still und stört die Waldruhe nicht weiter!”
Die Waldbewohner halten inne. Eins, zwei, drei oder vier Wochen warten? Das ist eine lange Zeit. Jetzt aber Continue reading »

Die Elfe und der Wichtel mit den roten Backen

Der kleine Erdbeerwichtel ist ein scheuer Wichtel. Er mag nämlich nicht gerne ausgelacht werden. Es macht ihm Angst.

Als die kleine Wiesenelfe die Waldbewohner zum Tanzfest auf der Hollerwaldwiese einlud, hätte sie beinahe den scheuen Erdbeerwichtel vergessen. Ihn hatte sie heute noch nicht getroffen. Eigentlich hatte sie ihn in diesem Frühling und Frühsommer nicht gesehen.
“Es wird ihm doch nichts passiert sein?”
Eilig sauste die Elfe zur Waldlichtung, wo er seine Höhle hatte und rief:
“Hallo, Erdbeerwichtel! Wo steckst du?”
Niemand antwortete. Nur im Waldbeerenhang oben links raschelte es für einen Moment.
“Erdbeerwichtel! Bist du da?” Schnell flog die Elfe zum Hang hinauf. Dort schaute sie unter jedes Blatt. Dann sah sie ihn, den scheuen Wichtel. Unter zwei Blättern verborgen lag er und hielt sich die Augen zu.
“Huhu!”, kicherte die Elfe. “Da bist du? Warum antwortest du nicht?”
“W-w-weil i-i-ich gar nicht da bin”, stammelte der Wichtel und seine Backen färbten sich erdbeerrot.
“Wer nicht da ist, kann auch nicht gesehen werden.” Die Elfe kicherte noch immer. “Und wer nicht gesehen werden kann, liegt nicht mit erdbeerroten Backen unter zwei Blättern.”
Der Wichtel schwieg. Seine Continue reading »

Die Sonne und der Mond

Gestern war Vollmond. Vollmond ist für viele Menschen besonders magisch und spannend und aufregend. Ja, und manchem Kind schenkt er in diesen Tagen ganz besonders fantasievolle Träume

Seit es die Welt gibt, gibt es zwei, die sich gar nicht ausstehen können. Es sind die Sonne und der Mond.
„Mich mögen die Menschen, Tiere und Pflanzen lieber”, sagt die Sonne jeden Tag aufs Neue zufrieden. „Ich schenke ihnen Licht und Wärme, und damit mache ich die Menschen fröhlich, die Tiere sind zufrieden und die Pflanzen saugen mein Licht auf, um wachsen zu können.”
„Nicht alle Tiere mögen dein Sonnenlicht leiden”, erwidert der Mond. „Ich kenne viele, die erst in der Nacht aufwachen und auf Nahrungssuche gehen.”
„Wie viele?”, fragt die Sonne und lacht.
„Nun”, sagt der Mond, „da sind die Eulen, die Nachtfalter, Schnecken, Wildschweine, Füchse und viele andere Waldtiere, ja, und auch die Katzen mögen das Nachtlicht lieber leiden als deine brennend heißen Sonnenstrahlen.”
„Ist das alles?”, fragt die Sonne gönnerhaft. „Mehr hast du nicht zu bieten?”
Der Mond überlegt. „Ich Continue reading »

Glühwürmchennächte

Glühwürmchennächte
Ein Gedicht zum Juni, dem “Glühwürmchenmonat” – Rätselgedicht

Siehst du das Glimmern
im Dunkeln hier schimmern?
Zahllose Pünktchen
als leuchtende Fünkchen
schweben und tanzen ganz sacht
wie Geisterchen hell durch die Nacht.
Sind´s Sternentränen, die hier im Dunkeln
in Sommernächten tanzen und funkeln?
Sind´s Sonnenkinder, die im Nachtdunkel blühn
und nach einem sonnigen Tage noch glühn?
Ist´s ein Zauber, ein Traum oder was könnt es sein?
Denk an Sommer und Nächte! Bestimmt fällt´s dir ein …
(= Glühwürmchen)

© Elke Bräunling

Glühwürmchen, auch Johanniskäfer genannt, sind DIE Sommerkäfer überhaupt. Jetzt, in den warmen Juninächten, besonders um St. Johannis, sehen wir sie wieder, die charmanten Funkelpünktchen, die durchs Dunkel schweben und tanzen und die die Nacht gleich viel romantischer und auch ein bisschen magisch erscheinen lassen. Sie sind so etwas wie Symbolkäfer der Johannisnacht.

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Die Kirschfee und ihre Bäume

Eigentlich will die Kirschfee ihre Kinder, die Kirschen, alle für sich behalten. Sie sollen auf den Bäumen bleiben. Was aber sagen die Bäume dazu?

Fast bogen sich in diesem Jahr die Zweige an den Kirschbäumen bis zum Boden, so voller Früchte waren sie. Die Frühlingssonne hatte den Bäumen in den ersten Aprilwochen viele Bienen geschickt. Die hatten auf der Suche nach Nektar jede einzelne Kirschblüte wieder und wieder besucht, so dass nun fast aus jeder Blüte eine Kirsche reifte.
Die Bewohner des kleinen Tales waren sehr zufrieden mit ihren Kirschbäumen.
“Das wird ein feines Kirschenjahr! Wie wundervoll!”, sagten sie und freuten sich. Sie dachten an leckere Kirschtorten, Kirschmarmelade, Kirschkompott, Kirschpudding, an Kirschsaft, Kirschwein und klaren Kirschschnaps. Hmmm …
Jeden Abend besuchten sie ihre Kirschbäume nun und warteten voller Ungeduld darauf, dass sich die Bäckchen der Kirschen rot färbten.
“Die tiefroten Kirschen schmecken am besten. Saftig sind sie und zuckersüß”, sagte ein Vater zu seinen Kindern. “Deshalb sollten wir mit der Ernte warten.”
Und weil alle im Dorf so dachten, warteten auch alle mit dem Ernten.
“Wie schön!”, freute sich die Kirschfee und ihre Wangen Continue reading »

Als die Junifee die Nächte heller machte

Juni ist der Monat des Lichts und der Glühwürmchen und die Junifee hat viel zu tun in ihrem Monat, wenn sie ihre Lichtpünktchen verteilt

Singend tanzte die Junifee ins Land herein. Sie war bester Laune. Übermütig fast umarmte sie die Bäume. Den Blüten und Kräutern winkte sie fröhlich zu und den Früchten an Bäumen und Sträuchern schenkte sie süße Küsse. Sie war so guter Dinge, dass sie die Tage am liebsten festhalten wollte. Tag für Tag ein bisschen mehr.
“Oh ja!”, rief sie. “Der Junisommer ist’s, der die Tage länger macht und die Nächte kürzer. Ich helfe ihm ein wenig dabei. Das Leben soll fröhlicher sein in diesen Tagen. Alle sollen ein bisschen fröhlicher sein.”
Sie lächelte und tänzelte weiter singend durchs Land:
“Sommer ist’s und ich bin da. Die hellen Nächte sind nun nah. Ich schenke Helligkeit dem Land. Als Fee des Lichts bin ich bekannt.”
Wenn es am Abend dämmerte, Continue reading »

Als der kleine Sommergeist verschlafen hatte und für ein Gewitter sorgte

Wenn Sommergeister verschlafen, kann so manches passieren, das eigentlich nicht geplant ist

Heute Morgen hatte der kleine Sommergeist verschlafen. Auch jetzt fühlte er sich zu müde, um seinen Job zu tun und im Tal nach dem Rechten zu sehen. Faul lag er vor seiner Berghöhle im Gras, freute sich an dem warmen Tag und sang:
“Ich bin der kleine Sommergeist und wandre durch die Welt, zieh über Wiesen, Berg und Tal, so wie es mir gefällt. La lalala, la lalala, so wie es mir gefällt. Ich bin der …“
“Hahaha! Du wanderst ja gar nicht. Träge liegst du im Gras und lässt dir den Pelz von der Sonne wärmen. Ein Schwindler bist du.”
“Ein Schwindler?” Der kleine Sommergeist blickte überrascht auf. “Wer bist du und wo steckst du? Er schaute nach allen Seiten. Nichts. Nur ein leises, helles Kichern konnte er hören. Er hatte diese freche, fremde Stimme also nicht geträumt.
“Ich habe keine Lust zu deinem Versteckspiel”, rief er. Und zum ‘Durch–die-Welt-Wandern’ habe ich heute auch keine Lust. Dazu ist es viel zu schwül.”
“Du sagst es!”, tönte das fremde Wesen mit heller Stimme. “Aber schwül wird es nicht mehr lange sein. Ein Gewitter wird kommen. Und das erzähle ich, nein, falsch, das erzählen wir nun allen hier.”
“Du? Ihr? Was wollt ihr? Ein Gewitter verkünden? Da habe ich aber auf meinem Berg und unten im Menschental auch ein Wörtchen mitzureden. Ich bin hier für das Sommerwetter zuständig.”
Empört sprang der kleine Sommergeist auf. Er rannte über die Wiese, suchte hier und da und dort nach den Eindringlingen, doch er hatte kein Glück. Ganz außer Puste und sehr verschwitzt ließ er sich wieder ins Gras fallen. Es war wirklich schwül heute. Kein gutes Wetter für die Pflanzen und Tiere und auch nicht für die Menschen.
“Bestimmt ist diesen seltsamen Fremden genau so heiß und unwohl wie mir.” Er kuschelte sein Haupt in ein Glockenblumenpolster, blickte zum Himmel hinauf und da entdeckte er sie: viele kleine weiße Wölkchen. Sie lachten zu dem kleinen Sommergeist herunter. Dann sangen sie:
“Wir sind die Schäfchenwolkenherde und ziehn durch die Welt. Wir künden Wind und Regen an, so wie es uns gefällt. La lalala, la lalala, so wie es uns gefällt.”
“Ihr seid das!”, grummelte der kleine Sommergeist. “Ihr seid für heute aber nicht geplant.”
“Stimmt”, kicherten die Wölkchen. “Dein schwüles Wetter war auch nicht geplant. Deshalb müssen wir rasch ein Gewitter ankünden, das die schwüle Luft verdrängt.”
“Pah!” Der kleine Sommergeist war gekränkt. Nur weil er einmal verschlafen hatte, mussten doch nicht alle Sommerpläne geändert werden! So etwas Dummes aber auch!
“Aber nur ein ganz kurzes Gewitter, einverstanden? Schließlich habe ich auch nur ganz kurz verschlafen”, rief er zu den Wolken hinauf.
Die aber waren bereits weiter gezogen.

© Elke Bräunling

Weitere Gewittergeschichten findest du hier:
Mia und die Gewittergeister
Mia und das Donnermännlein
Eine Nacht in Gewitterstimmung
Pech für den kleinen Regentropfen



Neu im November 2013: Diese Geschichte findet Ihr in dem neuen Buch:
Opas Gutenachtgeschichten



Taschenbuch: Opas Gutenachtgeschichten: Betthupferl-Geschichten für Kinder

Ebook: Opas Gutenachtgeschichten


Information

Die Sonne und die Kinder

Vom Sommer, in dem die Sonne zu viele heiße Sonnenstrahlen zur Erde schickte

In diesem Sommer war die Sonne besonders fröhlich gestimmt. Am liebsten hätte sie den ganzen Tag mit den Kindern gespielt. Weil ihr dies so viel Freude bereitete, sandte sie noch mehr Wärme auf die Erde hinunter.
Wie schön ist es, mit euch an Stränden und Flussufern, auf Wiesen und Spielplätzen herumzutoben!”, rief sie fröhlich und brannte voller Freude mit ihren Strahlen so kräftig, wie sie nur konnte.
Das gefiel den Kindern gar nicht, denn ihre Haut wurde rot und röter.
“Hey, Sonne!” riefen sie. “Du brennst unsere Haut kaputt!”
Und sie rieben ihre Körper noch dicker mit Sonnencreme ein und zogen noch größere Hemden, T-Shirts und Schutzmützen an.
Die Sonne aber lachte nur, und schickte noch ein paar Strahlen mehr Continue reading »

Die Träume des Riesen

Von den Träumen eines Riesen, einer Birke auf der Wiese und der ‘Geburt’ eines jungen Birkenwäldchens

Es waren einmal eine wunderschöne stolze Birke, die mitten auf einer bunten Blumenwiese ihren Platz hatte, und ein Riese namens Trolldich.
Trolldich war so groß, dass ihm die Zweige vom Wipfel der hellgrün blättrigen Birke in der Nase kitzelten, wenn er davor stand. Er liebte diese Birke.
Manchmal, wenn er müde war, ließ er seinen riesigen dicken Hintern schwerfällig in die Wiese plumpsen und lehnte sich an den Birkenstamm, bis sich dieser wie ein Grashalm nach hinten bog. Vom Lied des Windes, das zwischen den Birkenblättern und ihren Pollen mit den Bienen um die Wette summte, schlummerte er ein und fiel in einen tiefen Schlaf. Dann träumte er die süßesten rosaroten Zuckerwatteträume. Ein Traum war schöner als der andere, so dass er immer weiter träumte. Viele bunte Träume, für jedes Birkenblatt einen.
Eines Tages aber wachte er aus einem seiner Träume nicht mehr auf. Mitsamt seinen zuckersüßen rosa Watteträumen war er im Traumland verschwunden.
An jener Stelle aber, an der Trolldich auf der Wiese gelegen war, kann man manchmal Continue reading »

Die bunte Spur auf der Wiese

Aufgepasst! Da draußen sind zwei verwegene Kerle unterwegs, ein Cowboy und ein Indianer

„Nanu?“, fragt der verwegene Cowboy. „Was ist das?“ Er deutet auf die kleinen bunten Pünktchen, die über die Wiese zum Wald führen.
Sein Kumpane, der Indianer, beugt sich über die seltsame Spur. „Ich schätze, ein Feind ist in der Nähe. Ein Fall für den Sheriff.“
Der Cowboy wendet sich den Häusern zu. „Hey, Sheriff, es riecht nach Gefahr.“
„Ich komme!“, tönt die Stimme des Sheriffs zurück. „Muss nur noch meinen Mustang satteln.“
Ein wildes Gebell ertönt, dann kommt der Sheriff über die Wiese gestapft. Den Mustang, der sich heftig sträubt, zieht er an einer Leine hinter sich her. „Wo ist die Gefahr, Männer?“
„Hier!“ Der Cowboy deutet auf die Spur.
„Au Backe!“ Der Sheriff starrt zum Wald hinüber. „Wir müssen die Stadt beschützen. Seid ihr bereit, Männer?“
Der Cowboy und der Indianer nicken. „Klaro!“
Ein schwerer Marsch beginnt für Continue reading »

Die Königin des Waldes


Fingerhut, königlich, heilsam, giftig

 

Die Königin des Waldes

Eine Königin muss nicht unbedingt laut sein. Ob die Fingerhutblüte dies auch begreifen wird?

“Ich bin die Königin des Waldes”, sagte die besonders große pink-weiß-purpurfarbene Blume mit ihren tiefen Blütenkelchen. “Die Königin und Wächterin in einem.”
Sie blickte sich nach Anerkennung heischend um.
Schweigen. Keiner der Waldbewohner wusste darauf etwas zu sagen.
Nur ihre nicht ganz so besonders großen pink-weiß-purpurfarbenen Kolleginnen auf der Waldlichtung nickten ihr beifällig zu.
„Bist du! Bist du! Wer wenn nicht du?“, sirrten sie ihr im Hauch des leisen Sommerwindes.
„Ja! Ich! Ich bin die Königin des Waldes. Ich bin einzigartig”, sagte die besonders große und besonders einzigartige Fingerhut-Blüte wieder. Nun etwas lauter. Nein, sie rief es in den Waldmorgen hinein. “Hört ihr?”
Noch immer herrschte Schweigen im Walde.
Die wunderschöne große pink-weiß-purpurfarbene Blume mit den tiefen Blütenkelchen begann sich zu ärgern. Erregt bimmelte sie mit ihren Blütenglöckchen.
“Hallo! Aufwachen! Zuhören! Ich bin die …” Continue reading »

Vom arbeitsamen Monat Juni

Er ist ein fleißiger Monat, der Juni. Es gibt aber auch so viel zu tun jetzt im frühen Sommer

“Hallo Kollege, mach dich vom Acker! Der Sommer kommt. Die Zeit drängt. So viel habe ich zu erledigen!”
Eilig und ein bisschen stressig jagte der Juni in den letzten Mainächten hinter dem Mai her. “Viel Arbeit ist liegen geblieben.” Er schubste den Mai, der in den Kronen blühender Kastanienbäume schlief, fordernd an.
Der aber wehrte sich. “Verlasse meinen Monat!”, schimpfte er. “Und zwar auf der Stelle.”
“Ach bitte!” Der Juni verlegte sich aufs Betteln. “Lass mich mit meinem Job beginnen! Ich muss den Sommer anschubsen. Es ist die Zeit der ersten Heuernte. Die Sommerblumen, ach, es sind ja so viele, muss ich zum Blühen bringen. Die Erdbeeren sollten längst gereift sein und die Kirschen, die Himbeeren, die ersten Erbsen, Bohnen, Karotten, Kohlrabis und Radieschen, die …”
Der Juni redete und redete, und Continue reading »

Bitte der Blumenfee an die Menschen

Bitte der Blumenfee an die Menschen

“So geht´s nicht weiter, ach herrje!”,
sagt eines Tags die Blumenfee.
“Seht diese Blüten, die bescheiden
verborgen unter Abfall leiden!
Ihr Menschen, werft nicht so viel Dreck
und Abfall auf den Wiesen weg!
Auch für die Blumen sollt´s ein Leben
mit Licht und Sonne hier noch geben.
Drum bitt ich euch als Blumenfee:
Tut der Natur nicht mehr so weh!

© Elke Bräunling

Bittende Blütengesichter, Foto © Elke Bräunling

Die schönste Blüte im Garten

Schönsein ist nicht immer von Vorteil, das erfährt die Pfingstrose sehr schnell

„Wie schön du bist!“, sagte die Hundsrose zur Pfingstrose, die neben dem Rosenstrauch ihren Platz hatte.
Die Pfingstrose antwortete nicht. Sie hatte keine Zeit. Ein kleines Mädchen betrat nämlich gerade den Garten und rief:
„Ich suche eine ganz besondere Blume!“
„Hier! Hier!“, rief die Pfingstrose laut. „Ich bin die prächtigste ‚Rose’ hier.“
„Ich bin auch eine Rose“, rief die kleine Hundsrose. Sie rief es nur leise. „Nie werde ich so wunderhübsch sein wie du“, sagte sie zur Pfingstrose und ihr Stimmchen klang ein wenig traurig. „Ich habe auch nur fünf Blütenblätter. Du aber siehst prächtig aus mit deinen dichten Blütenkopf. Wie eine Königin.“
„Ich bin eine Königin“, antwortete die Pfingstrose würdevoll. „Die Rose des Frühlings bin ich. Schon vor vielen hundert Jahren und mehr nannten mich die Menschen ‚Königsblume’.“
„Ich bin nur eine kleine Rose. Eine echte …“, betonte das Röslein.
Das aber schien die Pfingstrose wenig zu interessieren.
„Interessant“, nuschelte sie und reckte ihren Blütenkopf mit den süß duftenden Blütenblättern dem Mädchen zu, das suchend den Garten durchstreifte.
„Hier! Hallo, hier bin ich!“, lockte sie. „Ich bin die schönste ‚Rose’ im Garten.“
„Du bist keine Rose. Echte Rosen stechen“, sagte das Mädchen. Es schnupperte an der Blüte der Hundsrose. „Wie süß du duftest! Und wie spitz deine Dornenstacheln sind!“
„Ich dufte auch süß!“, meldete sich die Pfingstrose laut zu Wort. „Und ich habe keine Dornen und keine Stacheln.“
„Fein!“ Das Mädchen bückte sich. „Du duftest wie eine Rose, aber dein Stängel trägt keine Stacheln. Das gefällt mir.“
Und schnell pflückte es die zartrosafarbenen Blütenblätter der Pfingstrose und legte sie in ein Körbchen. „Danke, wunderschöne Blume! Mit deinen Blütenblättern schmücke ich nun den Tisch. Gut, nicht?“
„G-g-gut, hja, g-g-gut“, stammelte der kahle Pfingstrosenstängel.
„G-g-gut, hja, g-g-gut“, stotterte auch die kleine Hundsrosenblüte, doch sie stotterte es nur leise. Manchmal nämlich ist es besser, etwas leiser zu sein.
© Elke Bräunling

Sie blühen auch schon in meinem Garten, die Rosen und die Pfingstrosen.
Sag, sind sie nicht wunderschön?
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“Meine” Pfingstrosen


Wolkentheater

Abenteuer beim Himmelsträumen: Der Stärkere gewinnt – oder doch der Klügere?

Mia blickt beim Schaukeln in den Himmel. Viele kleine weiße und hellgraue Wölkchen unterbrechen das Himmelsblau und ziehen gemächlich über sie hinweg. Sie sehen alle unterschiedlich aus und formen sich immer wieder zu neuen Figuren. Es ist wie ein Bild, das sich immerwährend verändert.
„Wolkenkino“, murmelt Mia und beobachtet eine Wolkengruppe, die wie eine Bärenfamilie aussieht. Man könnte meinen, sie tobten bärenfröhlich über den Himmel.
„Fein“, ruft Mia. „Spielt einen Film für mich. Einen Wolkenbärenfilm.“
Die Wolkenbären aber haben keine Lust, Mia die Zeit zu vertreiben.
„Bäh!“, macht ein kleiner Wolkenbär. Er streckt die Zunge heraus und hüpfte – schwups – auf den Rücken seines größeren Wolkenbärenbruders.
„Bäh! Bäh!“, brummt Mia zurück. „Ihr seid doof! Und langweilig.“
„Selber langweilig“, tönt eine Wolke zurück. Sie sieht aus wie ein Krokodil. „Denk dir doch selbst Continue reading »

Mia und das Donnermännlein

Eines Tages trifft Mia im Garten ein sonderbares, witziges und sehr lautes Männlein namens Rumsdibumm

Heiß ist es in diesem Sommer, und es hat schon lange nicht mehr geregnet. Ganz trocken sind die Böden, das Gras auf den Wiesen ist welk und gelb. Die Leute stöhnen. „Wenn es nur endlich wieder einmal regnete“, sagen sie. „Nicht zum Aushalten ist diese Hitze!“
„Stimmt“, sagt auch Mia, die auf ihrer Schaukel sitzt. „Die Hitze ist wirklich nicht zum Aushalten.“
Heute ist aber auch ein besonders schwüler Tag. Kein Lüftchen weht und es riecht stickig. Selbst Mia, die Regenwetter sonst nicht leiden mag, wünscht sich ein kräftiges Gewitter herbei. Doch der Himmel ist blau und diesig. Keine einzige Wolke ist zu sehen.
Wild schwingt Mia auf ihrer Schaukel hin und her. Das kühlt ein bisschen. Außerdem hat Mia beim Schaukeln immer die besten Ideen.
„Einen Regentanz müsste man machen“, ruft sie. „Wie im Märchen. Oder noch besser einen Donner- und Gewittertanz.
Dann würde es bestimmt bald blitzen und donnern, der Regen würde kommen und es wäre nicht mehr so schwül. Uih, das wäre fein!“
„Fein! Fein! Fein! So mag es sein!“, poltert da eine krächzende Stimme, und Continue reading »

Ein “echter” Ochse

Ochse Berti lebt im Museumsdorf und dort hat er seine ganz besonderen Aufgaben

Friedlich grast Ochse Berti auf der Weide. Er ist heute ganz alleine hier. Seine Gefährtinnen, die Kühe, sind heute Morgen mit dem Bauern auf eine andere Weide weiter gezogen. „Du bleibst hier, Berti“, hat der Bauer gesagt. „Es wird Zeit, dass du lernst, einen Erntewagen und einen Pflug zu ziehen.“
Einen Erntewagen soll ich ziehen?, überlegt Berti. Und einen Pflug? Was ist das überhaupt, ein Pflug?
„Ich bin doch kein dummer Ochse, oder?“, brummt er.
Berti denkt nach. Zum Ernten und Pflügen gibt es Maschinen. Das hat er in den letzten Monaten auf der Weide immer wieder gesehen und gehört. Nur einen Ochsen, der so schwer arbeiten soll, nein, den hat er nicht gesehen. Er hat auch nichts davon gehört.
Halt! Da war doch etwas? Stimmt. Neulich waren Leute da. Vom Museumsdorf.
Lange sind sie durch die Ställe gegangen, haben Continue reading »

Pech für den kleinen Regentropfen

Er muss viel kämpfen in jenen schwül-warmen Frühlings- und Sommertagen, der kleine Regentropfen – und immer wieder aufs Neue

Ein schwüler Sommertag ist heute. Am Himmel türmen sich hohe Wolkenberge, die wie Blumenköpfe aussehen. In den Wolken geht es hoch her. Millionen und Abermillionen kleiner Wassertropfen purzeln dort durcheinander, und jeder will sich den besten Platz sichern, um mit den ersten Tropfen auf die Erde hinab regnen zu dürfen. Ein richtiges Gedränge und Geschubse ist es, und auch die Blumenkohlwolken drängeln und schubsen einander immer weiter und weiter übers Land.
Da! Ein Blitzstrahl fährt vom Himmel herab, gefolgt von einem grausig lauten Donnerschlag.
“Jetzt, ja, jetzt gleich dürfen wir regnen und endlich die Erde besuchen”, ruft der kleine Regentropfen erregt und Continue reading »

Der kleine Bär und das hässliche Raupending

Das komische fremde Ding, das eine Raupe ist, erstaunt den kleinen Bären sehr

“Wer bist du denn?”, fragte der kleine Bär. Misstrauisch sah er zu, wie ein braunes, stachelhaariges Ding langsam über den Wiesenboden kroch. Wie ein Erdwurm sah es aus.
Der kleine Bär kicherte. “Ein Erdwurm mit Igelstachelfell”, rief er. “Ein grässlich hässlicher Erdwurm sogar. Hihi!”
Er beobachtete, wie sich dieser seltsame Erdwurm am Stängel einer Kleeblume aufrichtete. Er umklammerte ihn mit seinen kurzen Beinen, bevor er an ihm hoch krabbelte. Oben angekommen öffnete er weit seinen Mund, als wollte er gähnen, dann biss er – happs – mitten in die Kleeblüte hinein, kaute, schluckte, biss wieder hinein, kaute, schluckte, kaute, schluckte, bis nichts mehr von der Blüte übrig war. Doch noch immer war er nicht zufrieden: Jetzt nämlich hangelte er gierig nach Continue reading »

Die Sache mit den Ameisen

Ameisen sind ganz besonders interessante Tiere, das sagen auch Tim und Nora in dieser Geschichte

Tim und Nora liegen bäuchlings im Gras und denken sich Gedichte aus.
„Du fängst an!“, bestimmt Tim.
Nora kaut auf einem Grashalm und überlegt. „Hmm … ich muss erst nachdenken … Also: Eine kleine Ameise kroch mal heimlich, still und leise in das Ohr von Meiers Tim. Dieser fand das mächtig schlimm.“
Tim grinst. Jetzt ist er an der Reihe mit dem Dichten. Ganz schön schwierig ist das, doch da hat er eine Idee: „Hey, Ameise, komm wieder raus, sonst pust ich dir das Leben aus!“
Nora richtet sich auf und schaut Tim empört an. „Das darfst du nicht tun. Ameisen sind nützliche Tiere“, schimpft sie und vergisst vor Eifer ganz, dass Tims Gedicht nur ein Spaßgedicht ist.
„Dein Gedicht war aber auch gemein, denn du hast einfach eine Ameise in mein Ohr krabbeln lassen“, wehrt sich Tim.
Jetzt muss Nora doch lachen. „Ist ja bloß ein Gedicht, aber Ameisen sind wirklich tolle Arbeiter. Sie halten den Wald sauber.“
„Hoho! So ein Unsinn!“ Tim kann das nicht glauben.
„Soll ich dir einen Ameisenhügel zeigen?“, schlägt Nora vor.
Tim springt auf. Klar. Continue reading »

Mia und der Wetterzauberer

Das Wetter ist schlecht? Vielleicht liegt’s ja am Wetterzauberer, der wieder einmal seine goldene Sonnenspitze verloren hat?

Mia sitzt auf ihrer Schaukel und wartet auf die Sonne.
„Hey, ich will Sonne haben!”, ruft sie.
„Geht nicht.” Ein Zwerg mit Glitzerumhang plumpst vor Mia auf den Boden. „Ein Vogel hat die goldene Sonnenspitze meines Wetterstabs gestohlen. Seither kann ich die Wolken nicht mehr wegzaubern.”
Erregt deutete das Männlein, das niemand anderes als der Wetterzauberer ist, auf die Bäume. „Hier irgendwo muss dieser Dieb sein Nest haben.“
„Zaubere doch den Vogel mit der Sonnenspitze hierher!”, schlägt Mia vor.
„Bin ich ein Vogelzauberer?” Empört sieht das Männlein Mia an. „Ich kann Wetter zaubern, aber ohne meine funkelhelle Sonnenspitze zaubert mein Stab nur finstertrübe Wolken. Ist das nicht ärgerlich?” Continue reading »

Der Kuss des kleinen Sonnenstrahls

Die Sonne, hat sie dich auch schon mal geküsst? Wie bitte, du meinst, es gibt sie nicht, die Sonnenstrahlküsschen? Oh, dann kennst du den kleinen Sonnenstrahl und seine Küsse noch nicht. Der nämlich tut nichts lieber als Menschennasen küssen. Und er macht das sehr zärtlich und so liebenswert, dass dir nach einem Sonnenstrahlküsschen ganz warm ums Herz wird. Na, vielleicht triffst du ihn ja heute, draussen in der Natur oder auch am Fenster.
Ach ja, er musste das Küssen natürlich selbst erst einmal lernen, der kleine Sonnenstrahl, und das ist eine Geschichte für sich. Doch lies selbst!

Der Kuss des kleinen Sonnenstrahls

Neugierig belauschte der kleine Sonnenstrahl ein Gespräch im Park.
„Küssen schmeckt süß, sagt meine große Schwester“, erklärte ein kleines Mädchen einem kleinen Jungen. „Es ist, als ob 1000 und mehr Ameisen im Bauch kribbeln.“
„Ihh!“ Der Junge schüttelte sich. „Das ist eklig, und Ameisen im Bauch mag ich nicht haben.”
„Die Großen“, meinte das Mädchen, „küssen sich oft.”
Es zeigte auf Continue reading »

Komm mit auf meine Traumwiese

Komm mit auf meine Traumwiese
Fantasiereise – Entspannungsübung – Blütenfantasie – Wiesenfantasie – Schmetterlingsfantasie

Mache es dir an einem ruhigen Plätzchen gemütlich und schließe die Augen.
Stelle dir nun vor, du gehst spazieren und entdeckst zwischen Bäumen verborgenen eine einsame Waldwiese. Geheimnisvoll sieht sie aus. Ein bisschen verwunschen fast. Und wunderschön.
Du stehst am Rand dieser kleinen Wiese und blickst dich um. Die Sonne scheint. Sie taucht die Wiesenblüten und Gräser in ein helles, schillerndes Licht. Hohe Bäume und Sträucher umsäumen die Wiese. Der Wind wiegt ihre Zweige sanft hin und her. Er bemalt die Wiese mit immer neuen Schattenfiguren im sonnenhellen Wiesengrün.
Ringsum zwitschern Vögel ihr fröhliches Tageskonzert. Grillen zirpen, Käfer brummen, Bienen summen. Eine bunte Wiesenmusik ist es, die dich zum Lauschen einlädt.
Ein gelber Schmetterling schwebt federleicht von einer Blüte auf. Mit spielerischen Flügelschlägen fliegt er zu dir herüber und tanzt für dich ein lockendes Tänzchen.
„Komm mit!“, hörst du eine helle Singsangstimme rufen. „Komm mit auf die Traumwiese!“
Du zögerst, dann Continue reading »

Als die Maifee ‘frische’ Freude brachte

Sie ist eine fröhliche Fee, die Maifee, und sie bringt viele frische Farben mit ins Land.

“Bunte Blumen, Leute, kauft frische bunte Blumen!”
“Frisches Gemüse! Hier gibt es das frischeste Gemüse in der ganzen Stadt.”
“Frühlingskräuter! Frische Kräuter können Sie bei mir kaufen. Schnittlauch, Petersilie, Bärlauch, Löwenzahn, Pimpernelle, Thymian und viele Sorten mehr.”
“Maiglöckchen! Schenken Sie Ihren Lieben einen Strauß Maiglöckchen. Frisch gepflückt im Wald.”
“Maibutter! Köstlich frische Maibutter!”
“Kartoffeln. Erste Kartoffeln aus neuer Ernte frisch vom Feld! Kauft, Leute, kauft!”
Laut und kunterbunt hallte es über den Marktplatz der kleinen Stadt.
“Kauft, Leute, kauft!”
“Lauft, Leute, lauft!”, summte die Maifee, die im hellen frischen Grün der Birke saß und auf das bunte Marktplatztreiben blickte.
“Lauft in die Maienwelt hinein, denn heute Continue reading »

Ein neues Zuhause für den Birkensamen

Was der Birkensame erlebt und wie viel zu tun ist, bis aus ihm ein neuer Baum zu wachsen beginnt …

Gleich neben der Garage hatte sich im Sommer der Same einer Birke in einer Ritze zwischen zwei Pflastersteinen verirrt. Und weil er dort ein wenig Sand fand, machte er eine Flugpause und kuschelte sich zu einem Schläfchen ein. Es war so gemütlich hier, dass er den Herbst und den Winter verschlief. Schneeflocken und Eiskristalle leisteten ihm Gesellschaft, und als der Frühling kam, verabschiedeten diese sich mit Tränen von ihm. Die Tränen der Winterkinder schmeckten süß und der Birkensame hatte Durst. Begierig kostete er die Süße und trank sie in sich auf.
Nun könnte ich weiter fliegen und nach einem neuen Zuhause im Wald oder im Park oder auf einer Wiese suchen, überlegte der Same. Doch zum Fliegen fühlte er sich auf einmal so schwer. Außerdem kitzelten ihn leise Stiche. Es zwickte hier, es zwackte da, und schon bohrten sich zarte Wurzeltriebe einen Weg aus der Samenhülle. Sie drangen in den Sand ein und hielten sich tief im Boden fest. Da begriff der Same, dass er sein neues Zuhause längst gefunden hatte Continue reading »